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"Es zählt nicht, was man weiß, sondern wen man kennt"

Wer heute nach dem Studium einen Job ergattern will, muss frühzeitig Kontakte knüpfen und praktische Erfahrungen sammeln. Das gilt besonders für Geschichtswissenschaftler.

Von Andreas Schmidt

Englisch muss man können, möglichst fließend. Und frühzeitig Kontakte knüpfen. Und so bald wie möglich Praktika machen, um Erfahrungen zu sammeln. Darin waren sich die drei Ehemaligen der Fakultät GGeo einig, die von der Fachschaft eingeladen worden waren, um am 12. Mai von ihrem Werdegang nach erfolgreichem Studienabschluss zu berichten. Was sie von ihren ersten Jahren im Berufsleben zu erzählen hatten, war in der Tat aufschlussreich.

 

Glückliches Hineinrutschen

?Seid aktiv und traut euch? - so lautet das Fazit von Stefanie Then. Vor drei Jahren hat sie in Bamberg ihren Abschluss als Magistra Artium in Kunstgeschichte gemacht, ihre Nebenfächer waren Mittelalterliche Geschichte sowie Wirtschafts- und Sozialgeschichte. ?Organisiert Vorträge, werdet Mitglied in Fachverbänden und absolviert möglichst viele Praktika?, riet sie den Studierenden. Vor allem in der freien Wirtschaft gebe es sehr viele Betätigungsfelder für Geisteswissenschaftler, die man aber erst entdecken müsse. Man müsse sich umschauen, viele Leute und Verantwortliche ansprechen und sich seine Nische suchen.

 

Stefanie Then weiß, wovon sie spricht: Sie selbst hatte sich seinerzeit ohne große Hoffnung um ein Praktikum in Frankfurt am Main beworben, bei der Gesellschaft für Unternehmensgeschichte. Sie hatte Glück: Als Projektmanagerin wurde sie mit der Einführungszeremonie des Euro betraut.

 

Zugute kam ihr, dass sie bereits während ihres Studiums Kulturveranstaltungen wie die ?Night of the Euro? organisiert hatte. Die Praktikumsstelle in Frankfurt war zwar befristet, doch kam ihr erneut rechtzeitig das Glück zur Hilfe. Als eine Stelle in der Geschäftsführung frei wurde, konnte sie hinein rutschen. Seit 2004 ist sie freiberuflich tätig ? auf Dauer hatten sich Arbeit und Familie nicht zusammenbringen lassen.

 

Förderlicher Wechsel von Arbeit und Lernen

Peter Dresen hatte bereits vor seinem Studium in Bamberg Berufserfahrungen gesammelt, die ihm später zugute kamen. Nach einer Lehre als Bauschreiner holte er zunächst sein Fachabitur nach. Danach studierte er in Hildesheim Holztechnik, seine Diplomarbeit schrieb er über die Restaurierung eines Fachwerkhauses. Es folgten ein Praktikum für Holztechnik in Schweden sowie ? wieder zurück in Deutschland ? eine Stelle in einem Architekturbüro.

 

Doch nicht lange, und es zog ihn wieder an die Universität zurück. In Bamberg studierte Dresen im Aufbaustudiengang Denkmalpflege. Nach seiner Abschlussarbeit über den Regensburger Dom wurde er freier Mitarbeiter beim Büro für Burgenforschung. Eine Arbeit, die seinen Interessen voll und ganz entsprach, da er als Projektleiter mit der Erforschung und denkmalpflegerischen Betreuung von Burgen beauftragt war. Seit 1998 ist er als freiberuflicher Bauforscher tätig und arbeitet für Architekten, Restauratoren und Ämter. Die Aufträge führten ihn schon nach Venedig und Frankreich. Hinzu kommen noch Lehraufträge an der Universität Bamberg.

 

Dresens Fazit: Vor allem der Wechsel von Arbeit und Lernen kann ungemein förderlich sein. Deshalb empfiehlt er, so viele studienbegleitende Praktika wie möglich zu machen, um die eigenen Interessen und Fähigkeiten zu finden. Ebenso wichtig sei das Knüpfen von Kontakten, da ?nicht zählt, was man weiß, sondern wen man kennt?.

 

Projekt ins Leben gerufen

Vielseitig sind auch die beruflichen Erfahrungen von Ronald Hirte. Noch vor dem Studium war er am Theater tätig, baute in Berlin einen Club auf und organisierte Veranstaltungen. 1993 studierte er in Jena klassische Archäologie, seine Nebenfächer waren ur- und frühgeschichtliche Archäologie und neueste Geschichte. Nach erfolgreichem Abschluss bekam er das Angebot, bei Ausgrabungen in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald mitzuwirken, dort konnte er schließlich volontieren.

 

Seither ist Ronald Hirte einer der Hauptvertreter der noch jungen Disziplin der zeithistorischen Archäologie, weshalb er schon des Öfteren Lehrveranstaltungen an der Universität Bamberg abhielt. Außerdem ist Hirte noch auf dem Gebiet der Erinnerungskunst tätig: Er rief ein Projekt ins Leben, dass sich mit den archäologischen Hinterlassenschaften der DDR beschäftigt und diese in einer Wanderausstellung präsentiert. Zurzeit arbeitet er noch an seiner Promotion. Auch Hirte sieht den Wechsel von Lernen und Arbeiten als entscheidenden Faktor bei der Bestreitung des Lebensweges.

 

 

 

 

News Sommersemester 2004 vom 01.06.04