Die Oriental Numismatic Society tagte an der Universität Bamberg

Die Oriental Numismatic Society fördert das Studium und das Sammeln alter Münzen (Bilder: Professur für Islamische Kunstgeschichte und Archäologie)
Es gilt nicht überall gleiche Münze ... auch nicht in Bezug auf die Kupfermünzen, die in den Provinzen Syriens und Nordmesopotamiens zu Zeiten der ersten islamischen Dynastie im 7. Jahrhundert geprägt wurden. Damals wurde ein stehender Herrscher auf den Münzen abgebildet; wenige Jahre später entschied man sich für die bildlose Gestaltung von Münzen mit arabischen Aufschriften. Varianten der Münzprägung, die auch Rückschlüsse auf den Grad staatlicher Kontrolle und Organisation ermöglichen, wurden im Vortrag von Ingrid und Wolfgang Schulze (Essen) beim diesjährigen Jahrestreffen der Oriental Numismatic Society behandelt.
Von der Professur für Islamische Kunstgeschichte und Archäologie durch Prof. Dr. Lorenz Korn organisiert, fand am Wochenende vom 13. bis 14. Mai das Jahrestreffen des Kreises von Islam-Numismatikern in den Räumen der Universität Bamberg statt.
Die 1970 gegründete Gesellschaft zählt gleichermaßen interessierte Laien wie renommierte Wissenschaftler zu ihren Mitgliedern. Die Oriental Numismatic Society fördert das Studium und das Sammeln von Münzen aus dem weiten geographischen Gebiet von Al-Andalus über Nordafrika und den östlichen Mittelmeerraum bis hin zum indischen Subkontinent. Ebenso weit gefächert ist die Struktur der Gesellschaft, die regionale Dependancen in mehreren Erdteilen unterhält. Die Tätigkeit der Vereinigung lebt von ihren Mitgliedern, von denen auch die Beiträge im vierteljährlichen Newsletter der Gesellschaft stammen. Wie bei allen Jahrestreffen spielte neben den Vorträgen auch der informelle Austausch numismatischer Neuigkeiten eine wichtige Rolle. Das Programm wurde durch einen Besuch im Museum für Frühislamische Kunst bereichert, dessen Sammlung iranischer Bronzen bei den metallkundigen Numismatikern Begeisterung auslöste.
Vier Schwerpunkten waren die Vorträge auf der diesjährigen Versammlung gewidmet: Dem Osmanischen Reich, der spätsassanidischen Münzprägung des vorislamischen Iran und ihrem Fortwirken in die frühislamische Zeit, den frühislamischen Kupfermünzen in Nordsyrien und Nordmesopotamien, und schließlich dem Münzumlauf, der durch die Jahrhunderte in der Region um Masyaf im zentralen Syrien beobachtet werden kann. So einheitlich es auf den ersten Blick erscheint, so vielfältig gestaltet sich das Münzwesen bei genauerer Betrachtung: Celil Ender (Istanbul) – vertreten durch Hans Wilski – berichtete von der Kleingeldknappheit christlicher Gemeinden in Anatolien, die für ihre Ersatzprägungen im 19. Jahrhundert sogar Pappe als Material verwendeten. Weiter ging die Reise nach Äthiopien während der Herrschaft der Osmanen. Sie unterhielten dort eine Münzprägestätte, die bisher aber nur durch wenige Objekte bekannt ist (Necdet Kabaklarli, Istanbul). In die Welt der Mathematik führte der Vortrag von Dietrich Schnädelbach (Bonn). Er führte aufgrund des Abgleichs von Münzgewichten den Nachweis, dass der Gewichtsstandard osmanischer Münzen auf dem byzantinischen Wäge- und Geldwesen beruhten. Eine historische und stilistische Annäherung erfuhren die spätsassanidisch bis frühislamischen Themen (Lutz Ilisch, Tübingen und Susan Tyler-Smith, Biggleswade). Den Abschluss bildete der Vortrag über die in Masyaf ausgegrabenen Münzen (Stefan Heidemann, Jena). Er zeigte, wie sich in den Münzen aus archäologisch gesichertem Kontext der Geldumlauf über mehrere Jahrhunderte spiegelt, und welche Querverbindungen sich zu politischen und weltwirtschaftlichen Entwicklungen ziehen lassen, die sich auch in syrischen Kleinstädten auswirkten.
News Sommersemester 2006 vom 22.05.06