Kammerkonzert in der AULA der Universität

Der Solist und sein Dirigent: Emanuel Büttner an der Oboe, im Hintergrund Michael Goldbach (Bilder: Julian J. Rossig)
Das Kammerkonzert am 12. November in der AULA der Universität wurde mit Henry Purcell (1659-1695) eröffnet. Purcells Kompositionsstil übte auf die meisten nachfolgenden Komponistengenerationen seines Landes einen bedeutenden Einfluss aus. Einen Namen machte er sich vor allem mit seinen englischen Barockopern, die musikalische Maßstäbe setzten. 1692 komponierte er das Bühnenwerk „The Fairy Queen“, eine Bearbeitung des „Sommernachtstraums“ von Shakespeare. Eine Suite aus dieser Oper eröffnete das Kammermusikprogramm. Schlüssig und stilsicher setzte das Kammerorchester unter der Leitung von UMD Dr. Michael Goldbach die prägnante Handschrift des Komponisten in Töne um.
Georg Friedrich Händel (1685-1759) ist hingegen ein Vertreter früher Arbeitsmigration. Der gebürtige Hallenser lebte und wirkte ab 1712 durchgehend in London. Er schätzte die Werke Purcells, konnte aber im Gegensatz zu ihm unabhängiger von den Vorstellungen höfischer und kirchlicher Seite komponieren. In seiner Musik wirkt der italienische Stil seiner Zeit nach. Die durchaus nicht einfach zu spielende, reich verzierte Solostimme im „Konzert für Oboe, Streicher und Basso Continuo“ wurde von Emanuel Büttner souverän und klar präsentiert. Die Kantilenen kamen in warmen und weichen Tönen hervor. Eine beachtliche solistische Leistung, die vom Orchester adäquat begleitet wurde.
Einen Gegensatz zu den beiden ersten Werken des Programms stellt die „Simple Symphony for String Orchestra“ von Benjamin Britten (1913-1976) dar. Deren erster Satz faszinierte das Auditorium mit einer völlig anderen musikalischen Sprache, die teilweise freitonale Züge trägt. Der Charakteristik der Musik spürte das Orchester gut nach, und im zweiten Satz „Playfull Pizzicato“ brachten die Musiker ein verspielt-gezupftes Allerlei mit teilweise folkloristischem Einschlag zum Klingen. Der dritte Satz mit der Bezeichnung „Sentimental Sarabande“ stand im Zeichen wuchtiger Emotionalität. Das Finale mit den reizvollen pentatonischen Phrasen gab dem Werk einen krönenden Abschluss.
Nach der Pause bekam das Publikum das „Concertino Pastorale“ von John Ireland (1879-1962) zu hören. Irelands Kompositionsstil folgt einem anderen Weg als der von Britten. Seine Einflüsse sind im französischen Impressionismus von Debussy und Ravel, sowie bei Strawinsky zu suchen. Die ersten beiden Sätze des Concertinos sind eher klagend, doch niemals schwer und wuchtig. Der dritte und letzte Satz „Toccata“ ist von bewegter Dichte. Dem Kammerorchester fehlte es dabei nie an Klarheit beim Vortrag.
Am Schluss des Programms stand ein Stück aus der englischen Spätromantik. Edward Elgars (1857-1934) „Serenade für Streichorchester in e-Moll“. Hier wurde erneut der Bezug auf die älteren englischen Komponisten deutlich. Die überraschende Kürze des dritten Satzes wirkte wie ein Scherenschnitt und bot sich von daher auch als dankbare Zugabe an. Das Publikum spendete reichlich Beifall.
News Wintersemester 2006/2007 vom 15.11.06