Das Ensemble Abraxas zu Gast im Audimax der Universität Bamberg
Wenn sich fähige Musiker zusammenfinden, kann der Eindruck entstehen, die Musik sei in ihrem Erklingen selbst Klangkörper. Im Audimax bereitete das Ensemble Abraxas dem Publikum ein gelungenes Klangbad.
Wenn sich fähige Musiker zusammenfinden, kann der Eindruck entstehen, die Musik sei in ihrem Erklingen selbst Klangkörper. Als am 25. November im Audimax das Abraxas-Klaviertrio gastierte, gab es Momente dieser Art. Und es spricht in diesem Fall nicht gegen die Streicher, sondern für die Pianistin des Trios, dass meist sie für diese Augenblicke verantwortlich war.
Tomoko Ogasawaras Anschlagkultur möchte man jedem Klaviertrio nur wünschen. Allzu leicht kann hier ein Pianist seine Mitstreiter hämmernd an die Wand spielen. Nicht so Ogasawara. Ihr Spiel zeichnet sich durch jene seltene Flexibilität der Tongebung aus, die, schwebend leicht und substanzreich zugleich, für die Homogenität jeder Klavierkammermusik so dringend nötig wäre. Michael Scheitzbach an der Violine und Matthias Ranft am Violoncello mussten sich da nur noch ins wohl bereitete Klangbad legen, und sie taten es mit Wonne. Zwar war Scheitzbachs Geigenton vielleicht eine Spur zu schlank für Ranfts dunkel-sattes Cellotimbre. Auch wurde hier und da geringfügig danebengegriffen, aber man muss schon mäkeln wollen, wenn man dieses im Ganzen so gelungene Konzert kleinlich nach falschen Tönen durchforstet.
Denn die schönen Momente überwogen bei weitem: So etwa, gleich zu Beginn, die kantablen, zwischen Dur- und Moll-Sexten pendelnden Streicherpassagen im "Trio Pathétique" von Michail Glinka. Oder dann in Beethovens "Geistertrio" der sehr präsente Einstieg in den ersten Satz oder dessen im Grunde primitive Tonleiterfiguren, die, mit Bedacht gespielt, auf einmal gar nicht mehr so lapidar daherkommen. Im Largo assai ed espressivo dann war der Punkt erreicht, an dem nicht mehr zu einem Gesamtklang hin, sondern aus einem solchen heraus musiziert wurde. Zwar verfremdete die zu diesem Zeitpunkt in rege Betriebsamkeit verfallende Saallüftung den fahlen Beginn des Satzes in einer Weise, die Beethoven wahrscheinlich ebenso wenig gefallen hätte wie dem anwesenden Auditorium. Aber als dann feinsilbrig das Cello seine Melodie begann, mochte man auch darüber hinwegsehen.
Mitreißend dargeboten wurde auch der Schlusssatz, der nach kurzem D-Dur-Anlauf auf einer Fis-Dur-Fermate stehen bleibt, in der sich wie in einem Brennglas das Licht des ganzen Satzes bündelt. Nach der Pause gab es dann Dvořáks f-Moll-Trio op. 65, und in ihm wieder eine Fülle schöner Augenblicke, im Allegretto grazioso etwa: Wie Ogasawara hier über den begleitenden Streichern ihr Thema entfaltete, war schlichtweg grandios, und fast noch besser war später die Rückführung zum Thema. Oder aber die den Adagio-Satz eröffnenden Seufzerfiguren, die Matthias Ranft ausdrucksstark wiedergab. Auch die orchestralen Passagen des ersten Satzes gefielen. Man hätte an diesem Abend gut und gerne noch ein weiteres Werk vertragen, und die Musiker taten diesem allgemeinen Bedürfnis denn mit einer im besten Sinne fetzig vorgetragenen Zugabe des Tango-Großmeisters Piazzolla Genüge.
News Wintersemester 2004/2005 vom 07.12.04