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Ein Schatz zum Wuchern

Interdisziplinarität als Stärke - 47 Absolventen und Absolventinnen erhalten den Magisterabschluss

Von Michael Kerler

Interdisziplinarität ist ihre Stärke: Jetzt bekamen die 47 neuen Absolventinnen und Absolventen des Magisterstudiengangs bei einer Feierstunde ihre Zeugnisse überreicht.

Ab sofort können sie ihrem Namen den Titel "M. A." hinzufügen: 47 Absolventinnen und Absolventen des Magisterstudiengangs verabschiedete die Universität Bamberg nach dem Wintersemester. In einer Feierstunde am 13. Mai überreichten Prorektor Prof. Reinhard Zintl und Prof. Lothar Wehr, der Vorsitzende des Magisterprüfungsausschusses, den Magistri und Magistrae die Zeugnisse.

"Gesellschaft braucht nicht nur Spezialisten"

In seiner Ansprache hielt Wehr ein Plädoyer für diesen Abschluss. Die Absolventinnen und Absolventen hätten unterschiedliche Fachgebiete studiert und unterschiedliche Analysemethoden erlernt. "Ihr Wissen ist ein wertvoller Schatz, mit dem Sie wuchern können", ermutigte sie Wehr. Als Magister und Magistra, zu Deutsch als Lehrer und Lehrerin, dürften sie dieses Wissen nun an andere weitergeben - auch wenn der Magisterabschluss natürlich keine Lehrberechtigung für die Schule mitbringt.

In der Interdisziplinarität, dem fächerübergreifenden Studium, sieht Wehr die Stärke des Magisterstudiums. In einer immer komplexer werdenden Welt vermag gerade der Magister große Zusammenhänge zu erkennen: "Unsere Gesellschaft braucht nicht nur Spezialisten, sondern auch jene, die breit ausgebildet und breit gebildet sind, um mit größerer Übersicht Entwicklungen kritisch begleiten zu können - gerade auch im zusammenwachsenden Europa."

Plädoyer für Einheit von Forschung und Lehre

Die Vielfältigkeit der Perspektiven auf die Welt werde gerade in den Themen der Magisterarbeiten deutlich. Arbeiten in Geschichte lassen den Blick weit in die Vergangenheit schweifen, beispielsweise zu den "Feuerproben - Gottesurteile im europäischen Mittelalter vom 9. bis zum 13. Jahrhundert" oder auf die "Mittelalterliche Medizin - Grundlagen, Diagnoseformen, Therapie". Sprachwissenschaften erschließen die Welt jenseits der Landesgrenzen, wie die Arbeit zur "Fremdwortkomponente in der italienischen Jugendsprache" aus dem Fach Romanistik zeigt. Trotzdem verliere die Universität nicht den lokalen Bezug, so Wehr. Das verdeutlicht eine volkskundliche Arbeit mit dem etwas ironischen Titel "Do mach ma a Museum nei - Bestand, Funktion und Erhaltung eines Kellergewölbes von 1861 im ländlichen Raum".

Einen Blick in die Zukunft warf dagegen Prorektor Reinhard Zintl in seinem Grußwort. Mit der Neuordnung der Studiengänge und der Einführung von Bachelor- und Masterabschlüssen drohe immer mehr eine Zweiteilung in eine lehrende und eine forschende Universität. "Gerade Sie sollten aber gemerkt haben, dass man nichts lernen kann, ohne etwas selbst zu machen", meinte er und bat die Absolventen in ihrem Berufsleben Flagge dafür zu zeigen, dass die Einheit von Lehre und Forschung keineswegs obsolet geworden ist.

"Heimelige Atmosphäre"

Obwohl Zintl durch die Umgestaltung die so genannten "Orchideenfächer" kaum bedroht sieht, schlugen die Absolventen während der Zeugnisverleihung kritische Töne an. Er selbst habe das Studium in Bamberg sehr genossen, wandte sich David Saam, Absolvent der Ethnomusikologie, an die Gäste, und zwar gerade weil ihm Bamberg als einem der letzen die Möglichkeit gegeben habe, ein interessantes, vielfältiges Fach zu studieren, das es in Deutschland an keiner anderen Universität gebe. Ab dem nächsten Semester, so der Absolvent, werde Ethnomusikologie jedoch nicht mehr als eigenständiger Studiengang angeboten. Eine Stärkung der kulturellen Fächer in Bamberg könne er darin nicht erkennen.

Grundsätzlich bekam das Magisterstudium in Bamberg jedoch sehr gute Noten von den Absolventen ausgestellt. Bernhard Scharvogel hat Romanistik, Französisch, Geschichte und Spanisch studiert und lobte kleine Kurse und die fast "heimelige" Atmosphäre im Fach Romanistik. Nun hofft er, dass sich dies auch beruflich auszahlt, auch wenn er eher mit gemischten Gefühlen an den deutschen Arbeitsmarkt denkt. "Viel spricht dafür, sich in Richtung Ausland zu orientieren", meint er skeptisch. Ähnliche Gedanken hat Susanne Steigerwald. Sie hat Romanistik, BWL und Kommunikationswissenschaft studiert, eine anspruchsvolle Magisterarbeit darüber geschrieben, ob Kinder die Bedeutung der Eigennamen in den Harry Potter-Romanen entschlüsseln können, und jetzt ihre ersten Bewerbungen versandt. Rückmeldungen habe sie noch keine bekommen. Ihre Gefühle nach dem Abschluss seien deshalb gemischt. "Einerseits freue ich mich, andererseits hängt man sehr in der Luft", sagte sie. Trotzdem ließ sie es sich nicht entgehen, zumindest an diesem Tag mit Eltern, Freunden und Bekannten auf das Zeugnis anzustoßen.

News Sommersemester 2005 vom 31.05.05