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"Ein ganz dicker Pluspunkt"

Praxisprogramm Wirtschaft verbessert die Einstiegschancen Bamberger Geistes- und Sozialwissenschaftler

Von Verena Bermüller

Wer als Geistes- oder Sozialwissenschaftler auf dem Arbeitsmarkt eine Chance haben will, muss sich heutzutage ganz schön ins Zeug legen. Das "Praxisprogramm Wirtschaft" der IHK verbessert die Einstiegschancen enorm.

Wer als Geistes- oder Sozialwissenschaftler auf dem Arbeitsmarkt eine Chance haben will, muss sich heutzutage ganz schön ins Zeug legen. Die Diplom- oder Magister-Urkunde allein reicht meist nicht aus, um die Personalabteilung eines Wirtschaftsunternehmens zu beeindrucken. Ein IHK-Zeugnis, das Grundkenntnisse in BWL bestätigt, kann da vielleicht helfen. Die Einstiegschancen z.B. von Sprach- und Literaturwissenschaftlern oder Psychologen bei Wirtschaftsunternehmen zu verbessern, ist seit dem Wintersemester 1999/2000 das Ziel des "Praxisprogramm Wirtschaft". Bei dieser studienbegleitenden Zusatzqualifikation für Sozial- und Geisteswissenschaftler handelt es sich um ein Kooperationsprojekt von Industrie- und Handelskammer, Universität Bamberg und Arbeitsamt; Träger ist die IHK für Oberfranken mit Sitz in Bayreuth.

Auf beiden Seiten Ängste abbauen

Jedes Jahr im September startet dieser IHK-Kurs, der sich über drei Semester erstreckt und neben dem normalen Studium absolviert werden kann. In 400 Unterrichtsstunden vermitteln Praktiker BWL-Grundlagen und geben einen vertieften Einblick in die Fächer Marketing und Personalmanagement. Nach den Erfahrungen von Thomas Klose, Berater im Hochschulteam bei der Arbeitsagentur Bamberg, ist die Zusatzqualifikation in Vorstellungsgesprächen "ein ganz dicker Pluspunkt". Die Unternehmen würdigten zum einen, dass die Studierenden über den Tellerrand ihres Faches schauten. "Zum anderen erkennen Personaler in dem Engagement die Persönlichkeit des Bewerbers, der besonders motiviert und leistungsfähig sein muss, wenn er sich eine zusätzliche Herausforderung neben dem Studium aufbürdet", betont Klose.

Doch nicht nur den Unternehmen soll mit dem Förderprogramm die Hemmschwelle genommen werden, Geistes- oder Sozialwissenschaftler in einem Praktikum kennen zu lernen. Auch die Studierenden können Berührungsängste abbauen. "Ich habe erst jetzt gemerkt, dass ich gar nicht BWL studiert haben muss, um in einem Wirtschaftsunternehmen arbeiten zu können", sagt einer von vier Germanistik-Studenten aus der Gruppe 03/05, also dem Programm, das im September 2003 begann und gerade mit der Abschlussklausur endete.

Noch nicht tief genug

20 Geistes- und Sozialwissenschaftler, die bereits im Hauptstudium sind, können jedes Jahr an dem Praxisprogramm teilnehmen. Es setzt sich aus drei Teilen zusammen: In einem Grundlagenteil geht es zunächst um EDV-Anwendungen, BWL und Projektmanagement. Fünf Wochen ihrer Semesterferien müssen die Studierenden dafür opfern, in denen täglich im Blockkurs von 9 bis 16.45 Uhr unterrichtet wird.

Im zweiten Teil ist zwei Mal pro Woche abends von 18 bis 21.15 Uhr Unterricht. Die Themen sind Marketing und Personalmanagement, worunter Personalführung, -beschaffung und -auswahl, Arbeitsrecht und Betriebliche Sozialpolitik fällt. Beide theoretischen Teile, die im Vergleich zur Lehre an der Uni durch viele Fallbeispiele sehr praxisnah konzipiert sind, werden mit Klausuren abgeschlossen.

Außerdem absolvieren die Studierenden ein zweimonatiges Betriebspraktikum, in dem sie das Gelernte anwenden und vertiefen sollen, während die Betriebe die Eignung der Geistes- und Sozialwissenschaftler testen können.

"Ich will als Psychologin in die Wirtschaft gehen, und dafür brauche ich BWL", sagt eine der Teilnehmerinnen, die im neunten Semester Diplom-Psychologie studiert und auch gerade die Abschlussklausur bei der IHK hinter sich hat. Sie habe in ihrem Studium zwar Arbeitsrecht, die wirtschaftlichen Fächer fehlten aber. Nach dem Kurs sei sie zumindest in der Lage, eine Bilanz zu lesen. Genau das hat ihrer Kommilitonin im Betriebspraktikum genutzt. Sie musste dort virtuelle Unternehmen mit virtuellen Bilanzen entwickeln: "Da war es schon gut, dass ich wusste, was sich hinter den Begriffen Haben und Soll verbirgt." Beide hätten sich allerdings von dem Kurs noch tiefergehende Kenntnisse erhofft. "Man könnte manche Themen schon straffen und dafür etwas tiefer einsteigen", sagen beide übereinstimmend.

Fortsetzung noch ungewiss

Ob das Praxisprogramm 05/07, für das bereits über 20 Interessenten auf der Warteliste stehen, tatsächlich im September dieses Jahres starten kann, ist noch nicht entschieden. Jedes Jahr muss die IHK beim Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen einen Antrag einreichen und hoffen, dass er genehmigt wird. Bei der jetzigen Sparsamkeit der öffentlichen Haushalte könne man sich darauf nicht unbedingt verlassen, sagt Klose. Schließlich trägt das Ministerium in München den größten Teil der Kosten; die Teilnehmer beteiligen sich mit lediglich 155 Euro für die drei Semester. Bis Mai wird sich entscheiden, ob weiterhin in die Bamberger Geistes- und Sozialwissenschaftler investiert wird.

Adresse und Anmeldung:

IHK-Bildungszentrum Bamberg, Andrea Wachter, Ohmstr. 15, 96050 Bamberg, Tel.: 0951/91820-14, Fax: 0951/9182-90, E-Mail: wachter@bayreuth.ihk.de

Praxiskoordinator der Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Gerd J. Mahlberg, Markusstr. 6, Zi. 201, 96047 Bamberg, Tel. 015117457932, E-Mail: praxisprogramm@zuv.uni-bamberg.de

 

News Sommersemester 2005 vom 05.04.05