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„Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt“

Lesung mit Schauspieler Gerald Leiß in der Bamberger Universitätsbibliothek

Von Jana Kaun

„Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt“ - Dieses arabische Sprichwort wäre auch ein gutes Motto für die Lesung von Gerald Leiß gewesen...

...der sehr kurzweilig durch 400 Jahre Literaturgeschichte führte...

...und am Ende nicht nur einen Garten, sondern eine ganze Literaturwelt unter seinem Ellenbogen versammelte (Bilder: Jana Kaun)

Shakespeare meets Harry Potter – und Dracula war auch dabei… Im Rahmen des Jahres der Geisteswissenschaften luden die Universitätsbibliothek und das „Centre for British Studies“ zu einer Lesung in die Teilbibliothek 4. Schauspieler Gerald Leiß gab Auszüge aus 400 Jahren Literaturgeschichte zum Besten.

Normalerweise wird hier nur geflüstert, doch am Abend des 2. Juli ertönte eine laute und klare Stimme durch  die Teilbibliothek 4. Anstatt wütender Blicke und Ermahnungen gab es für Gerald Leiß jedoch begeisterten Applaus von seinem Publikum. Der gebürtige Hamburger gehört seit 1999 dem Ensemble des Bamberger E.T.A.-Hoffmann-Theaters an. Derzeit spielt er eine Hauptrolle im Stück „Kleiner Mann, was nun?“ (nach dem gleichnamigen Roman von Hans Fallada). Bei seiner Lesung unter dem Motto „Immer ein Buch voraus. Leseszenen aus der Weltliteratur“ schlüpfte Leiß dann auch gleich in 16 verschiedene Rollen und begeisterte die Zuhörerinnen und Zuhörer nicht nur durch eine vielfältige Auswahl an klassischen und modernen Büchern, sondern auch durch seine gekonnte Präsentation. Mal im Stehen, dann wieder sitzend, umgeben von großen Bücherregalen – mit seiner angenehmen Stimme und seinem schauspielerischen Talent schaffte es Leiß, sein Publikum zu unterhalten.

Ein Streifzug durch 400 Jahre Literaturgeschichte

Für seine Lesung hatte sich der Schauspieler einen kunterbunten Mix aus Welt- und Unterhaltungsliteratur der letzten 400 Jahre ausgesucht und gab ausgewählte Passagen aus insgesamt 16 Büchern zum Besten. Den Anfang machte er mit einem Auszug aus Shakespeares „Wie es euch gefällt“, gefolgt von einer Gebrauchsanleitung zur richtigen Nutzung des „Großen Heinz Erhardt Buches“. Ob Drama, Fiktion, Horror- oder Jugendlektüre – Leiß` Bücherrepertoire bot von allem etwas. Gespannt verfolgte das Publikum, wie Bastian Balthasar Bux zum ersten Mal das Buch der „Unendlichen Geschichte“ entdeckt, lachte über die großen Reden von Shakespeares Benedikt in „Viel Lärm um nichts“ und fühlte sich betroffen, wenn Leiß Passagen aus dem „Tagebuch der Anne Frank“ rezitierte.
Auch Patrick Süskinds „Das Parfum“, Charles Dickens „Ein Weihnachtslied“ und Joanne K. Rowlings „Harry Potter und der Halbblutprinz“ fanden im rund einstündigen Lesemarathon von Leiß einen Platz. Alles in allem war es ein gelungener und abwechslungsreicher Abend, mit einem Querschnitt durch alles, was die Literaturgeschichte zu bieten hat.

News Sommersemester 2007 vom 05.07.07