Soziale Arbeit gilt als Berufszweig, der stetig expandiert. An die Tücken des Sozialarbeiterberufs wurden die 118 Absolventen des Fachbereichs bei ihrer Verabschiedung erinnert.
?Soziale Arbeit ist wohl der einzige Berufszweig in Deutschland, der stetig expandiert?, urteilt Professor Dr. Wolfgang Hinte. Glaubt man dem Festredner, haben die 118 Absolventen des Fachbereichs ?Soziale Arbeit? der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, die ihre offizielle Verabschiedung feierten, beste Aussichten auf eine rosige berufliche Zukunft.
Mit den Diplomurkunden in der Hand war den Absolventen die Freude über das abgeschlossene Studium anzusehen. Neben Auszeichnungen für herausragende Studienleistungen, gelungene Diplomarbeiten und engagierte Mitarbeit in der Fachschaft gab es letzte berufspraktische Ratschläge von Expertenseite.
Tücken des Sozialarbeiterberufs
In seinem Festvortrag erinnerte Prof. Dr. Wolfgang Hinte vom Institut für stadtteilbezogene Soziale Arbeit und Beratung (ISSAB) der Universität Duisburg-Essen die Absolventen vor allem an eines: Leicht werde es im Beruf nicht werden. Mit Humor und pointiertem Scharfsinn demonstrierte er am Beispiel der Sozialbürokratie die Tücken des Sozialarbeiterberufes. Immer neue bedeutungsschwangere Vokabeln wie ?Arbeitsverdichtung? oder ?Humankapitalüberschuss? belasteten die tägliche Arbeit.
Hinte warnte davor, solche Begriffe unhinterfragt zu gebrauchen, da sie oft den Blick aufs Wesentliche verstellten. ?Schon allein der Begriff des Kunden in unserem Berufsfeld ist völlig daneben. Ein Kunde will bedient werden. Soziale Arbeit bedient aber nicht. Ein Kunde will kaufen, wir verkaufen nichts. Und auch für das Sozialamt gilt nicht: Je mehr Kunden desto mehr Umsatz.? Der Begriff des Kunden lenkt nach Meinung Hintes von der Kernaufgabe der Sozialen Arbeit ab, nämlich Menschen zum ?Koproduzenten einer Leistung? zu machen. ?Betroffene sollen nicht beteiligt werden, sondern sich freiwillig und von sich aus aktiv beteiligen.?
Soziale Arbeit solle nicht einen vorgegebenen Weg zeigen, sondern bereits vorhandene Fertigkeiten unterstützen. ?Deshalb antworte ich einer Lehrerin auf deren Frage, was ein prügelnder und wenig lernbereiter Schüler später werden soll: Preisboxer, Türsteher, Zuhälter oder eben Leibwächter. Alles gängige Berufe unserer Gesellschaft.?
Respekt vor jedweder Form von Leben mache deshalb einen guten Sozialarbeiter aus. ?Wo mein Wille ist, sei dein Weg ? ist der völlig falsche Ansatz. Nur wenn man erkennt, was der Betroffene wirklich will, steigert sich die Chance auf dessen Aktivität.?
News Sommersemester 2004 vom 22.04.04