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Coole Klassik am heißen Sommerabend

Studentenkonzert der Bamberger Symphoniker mit Schostakowitschs 15. Symphonie

Von Thomas Nytsch

Jonathan Nott trifft den Ton - nicht nur musikalisch, sondern auch bei seiner Einführung in das Werk Schostakowitschs (Bilder: Daniel Wagner)

Das Studentenkonzert kommt in jedem Semester wie ein Paukenschlag daher

Die Bamberger Symphoniker begeisterten erneut das studentische Publikum

Klassik lebt! Das Studentenkonzert der Bamberger Symphoniker hat sich zu einem Renner unter den Studierenden entwickelt Am 19. Juli spielten die Symphoniker Schostakowitschs Symphonie Nr. 15 – und fanden erneut ein begeistertes Publikum.

Schon von weitem kann man sehen, dass etwas anders ist. Trauben von Menschen, jungen Menschen, tummeln sich vor der Konzerthalle, sitzen in der Sonne oder unterhalten sich angeregt über das bevorstehende Ereignis. Der Altersdurchschnitt: Mitte zwanzig vielleicht. Drinnen entspannte Eleganz und gespannte Erwartung auf den Beginn. Zufriedene Gesichter, vielleicht auch ein bisschen über die eigene glanzvolle Robe und das noch schönere oder doch nicht ganz perfekt passende Kleid der anderen. Man sitzt und guckt. Und dann der Applaus, als Jonathan Nott die Bühne betritt – dafür müsste er an einem normalen Arbeitstag erst zwei Stunden, sagen wir mal: Beethoven dirigieren. Aber es ist ja auch kein normaler Abend mit den Bamberger Symphonikern – das Studentenkonzert ist angesagt, man sieht und hört es überall, und es gefällt.

Nott trifft den Ton

Sicher war die Konzerthalle diesmal nicht bis auf den letzten Platz ausverkauft, aber es war auch hochsommerlich heiß am 19. Juli. Die vielen Konzertbesucher, die sich davon nicht abschrecken ließen, wurden mit einem ordentlichen Brocken großer Orchestermusik des 20. Jahrhunderts belohnt, mit Dimitri Schostakowitschs Symphonie Nr. 15 A-Dur, op. 141; seine letzte vollendete, die 1971, also vier Jahre vor dem Tod des Komponisten, entstanden ist – wie der Dirigent in seiner gewohnt ungezwungenen Art erklärte. Nott trifft den Ton, nicht nur musikalisch. Er hat es in seiner Moderation wieder einmal verstanden, dem studentischen Publikum, zu dem sich erfreulicherweise auch viele Schüler gesellt hatten, mit wenigen spontanen Sätzen einen griffigen Leitfaden durch 45 Minuten geballter Klangfülle zu geben.
Dabei beginnt das Werk so schlicht wie es aufhört, mit zwei Glockenschlägen, auf die das Flötenthema die Vorstellung der einzelnen Instrumentengruppen zu Beginn des ersten Satzes eröffnet; und am Ende des Schluss-Adagios klingen nur noch zu einem langen Streicherakkord vereinzelte Rhythmen der Schlaginstrumente, ehe das Glöckchen den großen Tanz beendet. Zwischen diesen enorm zurückgenommenen Klängen passiert dafür umso mehr. Hier ein lustiges Zitat von Rossini, dort etwas Schicksalsschwangeres von Wagner, dann das große Tönen des gesamten Orchesterapparats mit ausgedehnten ruhigen Zwischenteilen in beinahe kammermusikalischem Tonfall.

Schostakowitsch ist cool

Die Sinfonie ist von gegensätzlichen Spannungen geprägt, wie sie im Werk Schostakowitschs immer wieder auftauchen. Man kann sie auch mit der zerrissenen Biographie dieses in Zeiten von russischer Revolution und Diktatur lebenden Komponisten in Verbindung bringen – man kann diese fein differenzierten Kontraste, die ans dramatische Fach gemahnenden Steigerungen, die scheinbare Heiterkeit, die eben nicht nur heiter ist, auch einfach nur genießen, sie auf sich wirken lassen, wie es die anfangs neugierigen, am Ende begeisterten Zuhörer auch getan haben. „Schostakowitsch ist cool“ – diesem einfachen, aber aussagekräftigen Urteil eines Besuchers kann man nur zustimmen, zumal das Orchester die frische Begeisterung mit großartigem Spiel belohnt hat. Noch „cooler“ ist vielleicht nur diese geniale Institution der Studentenkonzerte, mit der die Bamberger Symphoniker in Zusammenarbeit mit der Reihe „Musik in der Universität“ wirklich Großes tun für die klassische Musik und ihr Publikum.

News Sommersemester 2006 vom 24.07.06