Studie zum Praxisprogramm Wirtschaft belegt Erfolg

Die meisten Befragten empfanden das Praxisprogramm Wirtschaft als Bereicherung und als positive Erfahrung.

Zwei Drittel der Befragten sind der Ansicht, dass das Zertifikat die Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessert.
Studierende der Geistes- und Sozialwissenschaften an der Universität Bamberg haben seit dem Wintersemester 1999 die Möglichkeit, sich studienbegleitend eine Zusatzqualifikation zu erwerben, die ihre beruflichen Einstiegschancen erhöht. Das innovative „Praxisprogramm Wirtschaft“ wird 2006 bereits zum achten Mal von der Industrie- und Handelskammer Oberfranken (IHK-Akademie) angeboten und durchgeführt. Die Lehrinhalte für diese Qualifizierungsmaßnahme wurden zwischen Mitarbeitern der Otto-Friedrich-Universität Bamberg und der Agentur für Arbeit in Bamberg in enger Zusammenarbeit entwickelt. Dabei wurde besonders darauf geachtet, dass den Studierenden der Geistes- und Sozialwissenschaften praxisrelevantes Wissen aus dem Bereich der Wirtschaft vermittelt wird, das ihnen helfen kann, auch auf Berufsfeldern konkurrenzfähig zu werden, die traditionell für Absolventen dieser Studiengänge nicht in Frage kommen.
Das Praxisprogramm Wirtschaft dauert drei Semester und umfasst rund 400 Unterrichtsstunden. Die Veranstaltungen behandeln Fragen der Betriebswirtschaftslehre, des Projekt- und Personalmanagements sowie des Marketings und Vertriebs. Zudem werden Kurse zur elektronischen Datenverarbeitung angeboten. Die Veranstaltungen werden ausschließlich von erfahrenen Berufspraktikern geleitet. Ein weiterer wesentlicher Bestandteil der Qualifizierungsmaßnahme ist ein zweimonatiges Betriebspraktikum.
Mittlerweile haben zahlreiche Studierende der Geistes- und Sozialwissenschaften das Praxisprogramm Wirtschaft absolviert und ein Zertifikat von der IHK Oberfranken erworben. Die IHK-Akademie, die Agentur für Arbeit in Bamberg und die Otto-Friedrich-Universität Bamberg sind an einer Weiterführung der Programms interessiert und möchten mehr über die Erfahrung der Absolventen des Praxisprogramms Wirtschaft sowie über den Nutzen dieser Zusatzqualifikation für den beruflichen Einstieg erfahren.
Deshalb wurde die Survey Research Unit des Bamberger Centrums für Europäische Studien (SRU-BACES) mit der Durchführung einer Online-Umfrage beauftragt. Die Studie soll Aufschluss über die allgemeine Zufriedenheit mit dem Programm und über die Bewertung einzelner Komponenten dieser studienbegleitenden Zusatzqualifikation geben. Von den etwa 160 Studierenden der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, die seit 1999 am Praxisprogramm Wirtschaft teilgenommen haben oder zurzeit noch teilnehmen, hat jeder zweite den Fragebogen vollständig ausgefüllt.
Die meisten Befragten empfanden das Praxisprogramm Wirtschaft als Bereicherung und als positive Erfahrung. Alles in allem war jeder Fünfte mit dem Programm „sehr“ zufrieden, weitere 67 Prozent waren „überwiegend“ zufrieden. Nur 13 Prozent waren mit dem Programm nur „teils/teils“ oder nicht zufrieden. Die insgesamt hohe Zufriedenheit mit dem Praxisprogramm Wirtschaft spiegelt sich in den ebenfalls meist positiven Bewertungen der Rahmenbedingungen und der einzelnen Teilbereiche des Programms wider. Dabei wurden mehrere Bereiche von den Befragten häufig als „hervorragend“ oder „sehr gut“ bezeichnet.
Die besten Bewertungen wurde für die räumliche Unterbringung während der Unterrichtsveranstaltungen vergeben. Rund 80 Prozent der Befragten bezeichneten die Räumlichkeiten als „hervorragend“ oder als „sehr gut“. Schlechtere als „gute“ Bewertungen (21 Prozent) wurden überhaupt nicht abgegeben.
Überwiegend positiv wurde auch das zweimonatige Berufspraktikum bewertet. Zwei Drittel der Bewertungen entfielen auf „hervorragend“ oder „sehr gut“ und weitere 27 Prozent der Befragten schätzten das Praktikum als „gut“ ein. Mittelmäßige oder schlechte Bewertungen wurden dagegen nur vereinzelt vergeben.
Unterrichtsveranstaltungen und Lehrinhalte überzeugten jeweils rund die Hälfte der Befragten, wobei allerdings der Anteil der „hervorragenden“ Bewertungen bei den Unterrichtsveranstaltungen nur bei drei und bei den Lehrinhalten bei sieben Prozent lagen. Die gelegentlichen „mittelmäßigen“ und „schlechten“ Bewertungen der Lehrveranstaltungen und -inhalte können dabei nicht darauf zurückgeführt werden, dass diese in bestimmten Jahren missglückt wären, da solche mäßigen Bewertungen in allen Jahrgängen zu finden sind.
Die Bewertung des Lehrpersonals und der Lehrmethoden wurde etwas weniger positiv bewertet als die Lehrveranstaltungen und -inhalte. In keinem Fall erhielten Dozenten die bestmögliche Bewertung. Immerhin ein Drittel der Befragten beurteilte das Lehrpersonal aber als „sehr gut“ und jeder Zweite schätzte die Lehrkräfte als „gut“ ein. Auch die angewandten Lehrmethoden konnten nicht alle überzeugen. Nur rund jeder Fünfte bewertete sie als „hervorragend“ oder „sehr gut“, knapp 60 Prozent waren mehr oder weniger zufrieden und bewerteten die Methoden als „gut“, während die restlichen 20 Prozent sie als mittelmäßig oder gar schlecht einschätzten.
Die Betreuung der Teilnehmer am Praxisprogramm Wirtschaft übernimmt im Wesentlichen die IHK-Akademie, bis vorletztes Jahr gab es auch eine Koordinierungsstelle an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Dabei wurde von den Befragten die Betreuungsleistung der IHK-Akademie deutlich besser bewertet als die der Universität Bamberg. 32 Prozent der Befragten beurteilten die Betreuung durch die IHK als „hervorragend“ oder als „sehr gut“ und über 50 Prozent noch als „gut“. Schlechtere Bewertungen erhielt die IHK-Akademie von 16 Prozent der Interviewteilnehmer. Dieser Anteil ist aber immer noch deutlich niedriger als die entsprechenden Bewertungen für die Universität Bamberg, die bei 69 Prozent liegen. Die Betreuung durch die Universität Bamberg wurde von rund einem Viertel der Befragten als „gut“ bewertet und nur wenige waren sehr zufrieden (8 Prozent).
Die zentrale Zielsetzung des Praxisprogramms Wirtschaft wird nach Ansicht der Mehrheit der Befragten erreicht. 69 Prozent der Befragten gingen davon aus, dass das von ihnen erworbene oder angestrebte Zertifikat die Chancen auf den Arbeitsmarkt allgemein verbessert. 17 Prozent waren sogar überzeugt, dass die Zusatzqualifikation eine „wesentliche“ Verbesserung ihrer Chancen auf dem Arbeitsmarkt bedeutet. Jeweils rund 15 Prozent konnten allerdings keinen nennenswerten positiven Einfluss erkennen oder wollten sich zu dieser Frage nicht äußern.
Neben der Frage nach dem Nutzen des IHK-Zertifikats für die allgemeinen Chancen auf dem Arbeitsmarkt wurde auch konkret nach der Nützlichkeit des Praxisprogramms Wirtschaft bei der letzten Bewerbung und nach dem Nutzen des Praktikums für die Stellensuche gefragt. Auf beide Fragen gaben jeweils rund 60 Prozent der Befragten eindeutige Bewertungen ab, wobei die Mehrheit einen mehr oder weniger großen Vorteil des Zertifikats und des Praktikums erkannte.
Ein Teil der Teilnehmer am Praxisprogramm Wirtschaft stand zum Befragungszeitpunkt bereits im Erwerbsleben oder leistete ein Praktikum ab. Befragt danach, wie stark sie von den einzelnen Komponenten des Programms in der ausgeübten Tätigkeit profitieren, wurde am meisten auf die erworbenen Kenntnisse im Bereich der elektronischen Datenverarbeitung hingewiesen. 84 Prozent dieser Gruppe bestätigte eine „sehr starke“ oder „starke“ positive Auswirkung auf die ausgeübte Tätigkeit. Auch das Berufspraktikum wurde von einer großen Mehrheit als positiv beurteilt (68 Prozent). Sehr ähnlich wurden die erworbenen Kenntnisse und die Fähigkeiten auf den Gebieten der Betriebswirtschaftslehre, Projekt- und Personalmanagement sowie Marketing beurteilt. Etwa jeder Zweite sah hier „sehr starke“ oder „starke“ positive Auswirkungen.
Das Praxisprogramm Wirtschaft vermittelt den Studierenden der Geistes- und Sozialwissenschaften nicht nur wertvolle Kenntnisse und die Möglichkeit sich bereits während des Studiums im Berufsalltag zu bewähren, sondern es bietet auch die Chance Kontakte aufzubauen, die in Zukunft für den Beruflichen Einstieg und Erfolg bedeutsam werden können. Immerhin halten 73 Prozent der Befragten noch Kontakt zu ehemaligen Teilnehmern des Praxisprogramms. Knapp 70 Prozent sind auch einer intensiveren Vernetzung der Absolventen interessiert. Kaum weniger Anklang findet die Möglichkeit sich als Alumnus oder Alumna bei einer der Ehemaligen-Vereinigungen der Universität Bamberg registrieren zu lassen. Allerdings kannte bisher fast jeder Zweite die bestehenden Alumni-Vereinigungen nicht und nur etwa jeder Zehnte Befragte war bereits Mitglied in einem der Vereinigungen.
Hier finden Sie eine
ausführliche Version der Ergebnisse inkl. Auswertungstabellen.
News Wintersemester 2006/2007 vom 17.01.07