Psychologen testen die Innovationsfähigkeit von Unternehmen

Am Puls der Zeit, bereit für neue Wege - aber wie innovationsfähig sind Unternehmen wirklich? Bamberger Psychologen wollen es in ihrem interdisziplinären Projekt herausfinden (Bild: Photocase)

Seminarteilnehmer erproben zusammen mit ihrem Dozenten Harald Meyer (links) ihr neu entwickeltes Testverfahren (Bild: ISi Fotoservice Bamberg)
„Die theoretische Vorarbeit ist geleistet“, sagt Seminarleiter Dr. Harald Meyer. Doch jetzt muss es weitergehen. Meyer bildet die angehenden Diplom-Psychologinnen und Diplom-Psychologen der Universität Bamberg in Statistik aus und ist seit elf Jahren Geschäftsführer einer Firma, die psychologische Testverfahren entwickelt und anbietet. „Jetzt brauchen wir praktische Erfahrung, um zu sehen, ob unsere Ideen und Methoden das halten, was sie versprechen.“
Laut Meyer gibt es bislang keine Tests, die die Innovationsfähigkeit erfassen können. „Eine echte Marktlücke“, sagt er, „denn jedes Unternehmen wird von sich sagen, bereit zu sein für neue Wege und Produkte. Aber ob es dazu fähig ist, steht auf einem ganz anderen Blatt.“ Um diese Lücke zu schließen, haben die Studierenden eine Liste mit Kriterien erarbeitet und ein Testverfahren entwickelt. Dabei verwenden sie eine Interviewtechnik, die sich bei anderen Fragestellungen in der Praxis bewährt hat.
Einen großen Vorteil sieht Meyer im interdisziplinären Ansatz des Seminars: „Psychologen beherrschen das statistische Handwerkszeug und haben die Fähigkeit, Konzepte anderer Disziplinen mit ihrem Wissen zu verknüpfen.“ So arbeitet Meyer bei diesem und vielen anderen Projekten eng zusammen mit Dr. Hermann J. Liebel, Professor für Organisations- und Sozialpsychologie an der Universität Bamberg. Der „Faktor Mensch“ – im Alltag und in der Arbeitswelt – ist dort ein zentrales Forschungsthema.
Die Studierenden wollen nun ihr Konzept zusammen mit mittelständischen Unternehmen erproben. Erfassen die Fragen wirklich alle Faktoren, die für Innovationsfähigkeit entscheidend sind? Stimmt die Gewichtung? Fehlen vielleicht noch Aspekte? „Solche Fragen können wir nur beantworten, wenn wir unseren Test auch einsetzen“, sagt Marius Raab. Der angehende Diplom-Psychologe, einer der 15 Teilnehmer des Seminars, verspricht sich viel vom neu entwickelten Verfahren. „Wenn wir unseren Test jetzt einsetzen und erproben können, haben beide Seiten einen Vorteil. Das Unternehmen bekommt eine kostenlose Beratung, und wir können unser Testverfahren weiter verbessern.“
„Die Vorarbeit war nicht immer leicht“, erzählt Stefan Ortlieb. Seine Arbeitsgruppe im Seminar hat versucht, den Begriff „Innovation“ zu definieren. „In Arbeiten von Betriebs- und Volkswirten wird ständig mit solchen Begriffen hantiert. Was die Autoren aber mit diesen Begriffen meinen, das war oft nirgendwo zu lesen.“
Also hat das Seminar erst einmal recherchiert und gelesen – von Machiavelli über Kondratiev und Schumpeter bis hin zu zeitgenössischen Autorinnen und Autoren. „Das sind wir auch potenziellen Kunden schuldig“, sagt Ortlieb. Nur wenn beide Seiten wüssten, wovon überhaupt die Rede ist, könne auch etwas Brauchbares herauskommen.
Die Studierenden werden in den nächsten Wochen mittelständische Unternehmen aus der Region ansprechen und anschreiben. Sie warten auch darauf, dass Firmen direkt an sie herantreten. Unter der E-Mail-Adresse harald.meyer(at)ppp.uni-bamberg.de können interessierte Unternehmen mit den Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmern Kontakt aufnehmen.
News Sommersemester 2007 vom 24.04.07