Zur Zukunft der Fakultät Katholische Theologie in Bamberg

Die Fakultät ist das "Dach" der Katholischen Theologie. Wird man das Haus nach den Dacharbeiten noch wiedererkennen?
Herr Bieberstein, was hat es zu bedeuten, dass die Katholische Theologie in Bamberg den Fakultätsstatus verlieren soll?
Auf keinen Fall ein Aus für die Katholische Theologie! Aber der Verlust des Fakultätsstatus und der Rückbau auf ein einer anderen Fakultät dann angegliedertes Institut mit nur fünf Professuren hätte weit reichende Folgen: in der Forschung wie in der Lehre. Derzeit bemühen wir uns, über diese Folgen zu informieren und die weiteren Entscheidungen zu beeinflussen.
Die Ausbildung von Gymnasiallehrern hängt nicht notwendigerweise vom Fakultätsstatus ab. Es gibt hinreichend Beispiele für Institute mit weniger als fünf Professuren, die Gymnasiallehrer ausbilden. In unserem Fall ist aber angeblich von kirchlicher Seite aus in einem Zusatzprotokoll auch die Gymnasiallehrerausbildung zur Disposition gestellt worden. Das hätte Folgen sowohl für das Studium der Theologie in Bamberg als auch für die Lehrerausbildung in der Region.
Gerne. Zunächst zu den unmittelbaren Folgen für das Fach: Ein Verlust des Faches Katholische Religionslehre würde zum einen die Kombinationsmöglichkeiten innerhalb des Lehramtsstudiums an Gymnasien erheblich reduzieren. Auch die Qualität und das Angebot für die Ausbildung in den so genannten nicht-vertieften Lehrämtern (Grundschule, Hauptschule, Realschule) würde indirekt darunter leiden. Der Abzug der Gymnasiallehrerausbildung aus Bamberg hätte auch zur Folge, dass ein erhebliches Potenzial für die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses verloren ginge. Die Lehrstühle müssten ihren wissenschaftlichen Nachwuchs und ihre Assistentinnen und Assistenten an anderen Studienorten rekrutieren.
Gravierend wären aber auch die Folgen für die Region: Wenn in Bamberg nicht mehr für das vertiefte Lehramt ausgebildet würde, gäbe es nämlich künftig kein einziges entsprechendes Studienangebot mehr in Ober- und Mittelfranken! Lehramtsstudierende wählen aber bekanntermaßen ihren Studienort heimatnah. In vielen Fällen würden die Studierenden dann eher ein anderes Fach wählen als einen anderen Studienort. Das kann weder im Interesse des Freistaats noch im Interesse der Katholischen Kirche sein.
Ja, ich sehe diese Gefahr. Darum machen wir derzeit mobil und informieren Politik, Gesellschaft und Medien auf allen möglichen Wegen über die Hintergründe und die Folgen der bis heute noch immer nicht öffentlich gemachten Pläne.
In der Tat hat unsere Fakultät in letzter Zeit einen erfreulichen Aufbruch zu neuen Ufern interdisziplinärer Zusammenarbeit vollzogen. Das Zentrum für Mittelalterstudien (ZEMAS) verbindet die mit Mittelalterforschung befassten Fächer aus vier Fakultäten; das Zentrum für Interreligiöse Studien (ZIS) führt Kompetenzen aus den Fakultäten Katholische Theologie, Sprach- und Literaturwissenschaften sowie Sozial- und Wirtschaftswissenschaften zusammen, um sich mit interreligiösen Fragestellungen gegenseitigen Beziehungen und Wahrnehmungen von Judentum, Christentum und Islam zu befassen.
Der Lehrstuhl für alttestamentliche Wissenschaften erhielt für das Jahr 2007 gemeinsam mit der Professur für islamische Kunstgeschichte eine Mercator-Gastprofessur, um interdisziplinär zur Geschichte der Jerusalems als Erinnerungslandschaft der drei monotheistischen Religionen zu forschen, und die Universität wird über den Innovationsfond eine Professur für Judaistik erhalten. So ergeben sich für die Theologie an der Universität Bamberg in der interdisziplinären Zusammenarbeit neue Perspektiven, die auch für Studierende im Blick auf neue Berufsfelder außerordentlich interessant sind.
Mehr Informationen unter www.uni-bamberg.de/ktheo
News Wintersemester 2006/2007 vom 31.10.06