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Apollo, Antalya und Agora

Althistorische Exkursion in die antiken Landschaften Pamphylien und Pisidien

Von Konstantin Klein

Archäologie hautnah: Studierende der Alten Geschichte besichtigten die Überreste antiker Städte in Pamphylien und Pisidien, Türkei.

Archäologie hautnah: Studierende der Alten Geschichte besichtigten die Überreste antiker Städte in Pamphylien und Pisidien, Türkei.

Dass das Fach Alte Geschichte mehr bedeutet als das Auswendiglernen trockener Jahreszahlen bewies eine Exkursion des Bamberger Lehrstuhls für Alte Geschichte, ihr Ziel waren die antiken Landschaften Pamphylien und Pisidien im Süden der heutigen Türkei. Vom 28. September bis 5. Oktober zeigten dort Lehrstuhlinhaber Prof. Dr. Hartwin Brandt und wissenschaftlicher Assistent Dr. Ralf Behrwald einer Gruppe von neun Studierenden die Überreste von Städten aus hellenistischer Zeit.

 

Archäologie hautnah

Archäologie hautnah konnten die Teilnehmer in Pednelissos erleben: Diese antike Stadt befindet sich etwa 75 Kilometer nordöstlich der türkischen Großstadt Antalya und rund 900 Meter über der Meeresküste. Die Bamberger Althistoriker sind seit Jahren an ihrer Erforschung mitbeteiligt. Im Jahr 2000 startete dort ein internationales Team von Wissenschaftlern das "Pisidia Survey Project". Finanzielle Unterstützung erhielt es u.a. von der DFG im Rahmen des Schwerpunktprogramms "Formen und Wege der Akkulturation im östlichen Mittelmeerraum und Schwarzmeergebiet in der Antike". Jährlich führen Archäologen, Ethnologen, Geodäten und Althistoriker in Pednelissos Feldforschungen durch. Dabei sollen Kulturwandel, Kulturtransfer sowie Wechselwirkungen zwischen indigener und griechisch-römischer Zivilisation erforscht werden.

 

Pednelissos präsentierte sich in der Antike als Stadt mit einem ziemlich regelmäßigen Straßenraster. Mehrere gut erhaltene Straßen, die im Stadtareal über längere Strecken zu verfolgen sind, treffen im rechten Winkel aufeinander. Heute hat es den Anschein, als seien große Flächen der Stadt in der Antike völlig unbebaut gewesen. Dank eines 2002 ausgeführten geophysikalischen Surveys konnte aber nachgewiesen werden, dass das ganze Gebiet in der Antike mit großen Gebäuden bebaut war, die sich am ehesten als öffentliche Architektur deuten lassen. Aufgrund der Hanglage der Siedlung finden sich in Pednelissos zahlreiche Terrassierungen. Auch die Agora, der antike Versammlungs- und Marktplatz der Stadt, liegt auf einer solchen Terrasse. Ein dreistöckiges monumentales Marktgebäude stützte diese gegen den Hang ab und war nicht nur von der Agora, sondern auch von dem darunter gelegenen Bereich zugänglich. Südwestlich der Stadt befindet sich ein Heiligtum, das ins vierte vorchristliche Jahrhundert datiert wird. Ein dort gefundenes Felsrelief legt zwar die Zuweisung des Heiligtums zum Gott Apollo nahe, doch eine entsprechende Weiheinschrift, die diese Vermutung verifizieren würde, wurde bislang noch nicht entdeckt.

 

Wanderung auf antiker Passstraße

Neben den Forschungen zum Baubestand der Siedlung wurden vom Bamberger Althistoriker Ralf Behrwald auch die Inschriften von Pednelissos untersucht: 1914 wurden dort von italienischen Archäologen 25 epigraphische Funde gemacht. Von diesen 25 konnten bis heute 21 wieder gefunden und darüber hinaus fünf neue entdeckt werden. Der Großteil der Texte erwies sich als Bau- und Ehreninschriften. Bis auf eine eventuell hellenistische Ausnahme stammen alle Inschriften aus römischer Zeit.

 

Neben der Bergstadt Pednelissos standen auch weitere hellenistische Städte auf dem Besichtigungsprogramm: Durch ihre einmalige Lage beeindruckten vor allem das auf einem Tafelberg gelegene Sillyon und die weitläufige Bergstadt Termessos. Auch die pamphylischen Küstenstädte Perge, Aspendos und Side wurden besucht. Einen weiteren Höhepunkt bildete die halbtägige Wanderung über eine antike Passstraße. Auf antikem Straßenpflaster führte der Weg über steile Serpentinen von der flachen Küstenlandschaft Pamphylien ins gebirgige Pisidien. Den Abschluss der Exkursion bildete ein Besuch im Museum von Antalya, wo vor allem die Statuenfunde aus Perge Beachtung fanden.

 

News Wintersemester 2004/2005 vom 10.01.05