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Anleitung zu einem befriedigenden und erfolgreichen Leben

Die Bibel, wie Juden sie lesen - Eine Ausstellung in der U2

Von Henning Schreiber

Viele glauben, die Tora entspreche einfach dem Alten Testament der Bibel. So einfach ist das jedoch nicht, wie eine Ausstellung zeigt. Für orthodoxe Juden enthalten die fünf Bücher Mose Hunderte von Ge- und Verboten.

Viele glauben, die Tora entspreche einfach dem Alten Testament der Bibel. So einfach ist das jedoch nicht, wie eine Ausstellung zeigt. Für orthodoxe Juden enthalten die fünf Bücher Mose Hunderte von Ge- und Verboten.

Oft heißt es, dass sich die christliche und die jüdische Religion sehr ähnlich seien, da die jüdische Tora dem christlichen Alten Testament entspräche. So einfach ist dies jedoch nicht. Während im Christentum mehr Wert auf die Geschichten, die "Stories", gelegt wird, sind in der jüdischen Religion die 613 Ge- und Verbote wichtiger. Prof. DDr. Karl-Heinz Müller, der emeritierte Würzburger Professor für Biblische Einleitungswissenschaften, der dies in seinem Festvortrag zur Eröffnung der Ausstellung "Die Bibel, wie Juden sie lesen" am 20. Januar feststellte, betonte, dass vor allem die Sozialgesetzgebung im Alten Testament für Juden eine große Rolle spielt. Gestaltet wurde die Ausstellung von Müller in Kooperation mit der jüdischen Kulturgemeinde; ausgerichtet wurde sie von der Professur für Pastoraltheologie und Kerygmatik.

 

Nur von Hand geschrieben

In der jüdischen Tradition, so Müller, sieht man die Tora mit ihren Hunderten von Ge- und Verboten als eine Anleitung zu einem befriedigenden und erfolgreichen Leben. Die Tora ist als eine Art Vertragsgrundlage zu sehen, sie gilt als der Grund für die Existenz Israels als Volk. Die Bedeutung der Tora erkennt man auch an ihrer Herstellung: Während die Bibel seit Gutenberg praktisch nur noch gedruckt wird, ist ein Druck der Tora streng verboten, sie darf ausschließlich von Hand geschrieben werden. Das Pergament, das dafür benutzt wird, muss aus der Haut von koscheren Tieren stammen. Der Toraschreiber darf sich bei der Niederschrift keine Fehler erlauben, da mehrfache Korrekturen und Ausbesserungen verboten sind.

 

Eine fehlerhafte Tora-Rolle ist nichts mehr wert und kann für den Gottesdienst nicht gebraucht werden. Heute wird daher jede fertige Tora-Rolle mit Hilfe eines Computerprogramms auf Fehler überprüft. Ein Toraschreiber schafft etwa eine Tora-Rolle pro Jahr. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass Tora-Rollen sehr teuer sind: "Eine neue Tora-Rolle kostet um die 30.000 -. Nach oben gibt es keine Grenze. Für eine neue Tora-Rolle kann man auch gut und gerne 100.000 - bezahlen", so Arieh Rudolph, Chasan der Israelitischen Kultusgemeinde Bamberg. Ebenso aufwändig ist die "Kleidung" der Tora-Rolle: Die Tora-Krone steht symbolisch für einen König, der den Gläubigen den Weg weist. Daher ist die Tora-Rolle mit einem "Mantel" umhüllt. Der Mantel ist aus kostbaren Stoffen gefertigt und bestickt. Er erinnert an die Gewänder der Priester, wie sie im 2. Buch Mose beschrieben werden.

 

Ohne Vokale und Akzente

Auch die Einrichtung und die Architektur einer Synagoge sind vom Toradienst bestimmt. In jeder Synagoge befindet sich ein "heiliger Schrank", der nach Osten in Richtung Jerusalem ausgerichtet ist. In diesem Schrank werden die Tora-Rollen aufbewahrt. Der Schrank ist mit einem bestickten Vorhang verdeckt, der oft die Aufschrift trägt: "Gepriesen sei der, der die Tora seinem Volk Israel gab". Von diesem Schrank wird die Tora zur "bima", einer Art "Bühne" gebracht. Die "bima" befindet sich, zumindest in orthodoxen Gemeinden, stets in der Mitte des Raumes, um die Wichtigkeit der Verlesung der Tora zu unterstreichen. Auf der "bima" steht ein großer Tisch, auf dem die Tora zur Lesung ausgerollt wird.

 

Die Lesung aus der Tora-Rolle kann nur stattfinden, wenn mindestens zehn Männer anwesend sind. Die Toraverlesung ist sehr kompliziert, da die Handschrift nicht "punktiert", also nicht mit Vokalen und Akzenten versehen ist. In der Ausstellung wird anhand zahlreicher Bilder die genaue Abfolge der Toralesung in der Synagoge erklärt. Nach der Lesung wird ein Gemeindemitglied gebeten, die Tora-Rolle hochleben zu lassen. Er nimmt die Holzgriffe in die Hand und stemmt die Rolle nach oben, hält sie mit ausgestreckten Armen über den Kopf und zeigt sie in alle Richtungen, damit alle Anwesenden die Tora sehen können. Dieser Vorgang ist sehr anstrengend und erfordert eine bestimmte Technik, da die Tora-Rolle sehr schwer ist.

 

Die Ausstellung informiert außerdem über rituelle Bräuche der Juden, zum Beispiel über den Gebrauch und das korrekte Anlegen des Gebetsmantels "Tallit". Die Streifen des Gebetsmantels finden sich in der israelischen Nationalflagge wieder: Die blauen Streifen oberhalb und unterhalb des Davidsterns nehmen Bezug auf den Tallit. Außerdem informiert die Schau über den Text der hebräischen Bibel und seine Geschichte sowie über die Übersetzungsgeschichte und die Auslegung der Texte. Sie kann im rechten Flügel der U2 noch bis zum 11. Februar besucht werden.

News Wintersemester 2004/2005 vom 01.02.05