Studierende und Professoren des indischen "Welingkar Institute of Management Development & Research" absolvierten einen "Intensivkurs Deutschland"
Bei ihrer Abreise in Mumbai hatte es 35 Grad, in Bamberg erwarteten sie zweistellige Minusgrade. Studierende des indischen Welingkar Institute of Management Development & Research absolvierten einen "Intensivkurs Deutschland".
Der erste Eindruck von Bamberg? "Cool, chilly." Man könnte meinen, die Besucher aus Indien seien beeindruckt von der Lässigkeit, mit der die Franken ihr Tagewerk angehen. Doch war das ganz wörtlich gemeint und bezog sich auf die eisigen Temperaturen. Schließlich sind die indischen Studierenden anderes gewohnt: Als sie in Mumbai (früher Bombay) ins Flugzeug stiegen, hatte es 35°.
Als die Studierenden und Professoren des "Welingkar Institute of Management Development & Research" in Bamberg ankamen, zeigte das Thermometer zweistellige Minustemperaturen an. Zusicherungen, dass solche Temperaturen auch für Deutschland nicht normal seien, konnten da nur wenig trösten. Immerhin hatte die Kälte auch ihre Vorteile: Der Großteil der Delegation konnte so seinen ersten Schnee erleben. "Phantastic, an amazing experience", freute sich etwa der 22-jährige Hariharan Ramakrishnan. Einige seiner Kommilitonen hatten schon bei früheren Auslandsaufenthalten Bekanntschaft mit dem weißen Pulver gemacht.
Um auch für sie den zweiwöchigen Aufenthalt in Bamberg zu einer Attraktion zu machen, ließen sich die Organisatoren der Uni Bamberg einiges einfallen. Ein reichhaltiges Bildungs- und Kulturprogramm wurde auf die Beine gestellt. Mit welchen Erwartungen sie gekommen sind, verriet Abishek Arora: Man wolle dem Geheimnis der deutschen Produktivität auf den Grund gehen. Diesem Zweck dienten die Besichtigungen bei Siemens AG Medical Solutions in Erlangen, Audi AG in Ingolstadt, Volkswagen AG in Dresden, Bosch GmbH in Bamberg, GfK Gesellschaft für Konsumforschung in Nürnberg sowie Brose GmbH in Hallstadt.
Bei der Bierprobe im "Ambräusianum", im Anschluss an einen Besuch des Brauereimuseums, wurde jedoch klar, dass man die ganze Sache zumindest nicht bierernst angeht. Mit Kennermiene wurde nach den Anweisungen von Inhaber Ambros Mahr das Bier nach Aroma und Farbe beurteilt und dann getrunken. Begeisterung machte sich breit angesichts der Bamberger Braukunst: "Bei uns in Indien trinkt man kaum Bier. In Hotels gibt es internationale Marken, aber die sind sehr teuer. Und indisches Bier ... naja", meinte Abishek, nachdem er genüsslich das letzte Probegläschen gekippt hatte. Nur das Rauchbier hinterließ teilweise bittere Mienen. Vor allem bei jenen, die die Anweisung des Braumeisters, das Bier aus Geschmacksgründen nur in großen Schlücken zu konsumieren, nicht ernst genommen hatten. Andere wiederum nahmen die Anweisung allzu ernst und traten "exend" den Beweis an, dass die indische Trinkfestigkeit nicht allzu sehr hinter der deutschen herhinkt.
Weit voraus sind die Bewohner der westindischen Metropole uns ja in anderer Hinsicht: Mit süffisantem Lächeln nahmen die Inder Bambergs Einwohnerzahl zur Kenntnis. Mit knapp 70.000 kann die Domstadt der Heimat der Besucher nicht Paroli bieten: 12,7 bis 17,5 Millionen Einwohner, je nach Erhebungsweise, zählt Mumbai, eine der größten Städte der Welt. Dementsprechend konnte die Ankündigung eines bamberg-guide-Reporters, man würde alles tun, um aufzuschließen, auch keine Angst einflößen, dafür aber Gelächter auslösen.
Man versteht sich also, auch wenn zwischen Bamberg, der verschlafenen Bierhauptstadt, und Mumbai, der pulsierenden Metropole am arabischen Meer, Welten liegen. Vielleicht ist es auch gerade dieser Gegensatz, der Kontrast, der die Kooperation der beiden Lehrinstitute so attraktiv gemacht hat. Über den engen Kontakt des Welingkar Instituts zu Siemens in Erlangen kamen die Inder mit der Region Franken in Berührung. 2003 gab es dann die ersten Anfragen der Leitung der privaten Hochschule in der "Megacity" nach einer Zusammenarbeit. Zwei Besuche, ein Gegenbesuch im letzten Dezember, dann war das Kooperationsabkommen endlich in trockenen Tüchern. Der jetzige Aufenthalt wurde also sehr kurzfristig auf die Beine gestellt. "Ziemlich viel Stress" war das, befindet Andreas Weihe, Leiter des Akademischen Auslandsamtes der Uni Bamberg. Doch: "Es hat sich gelohnt. Und die Inder sind sehr umgängliche, angenehme und interessierte Gäste."
Der Besuch ist übrigens als zweiwöchiger "Intensivkurs" konzipiert, da ein "normaler" Studentenaustausch an den mangelnden Deutschkenntnissen der Inder scheitern würde. In die andere Richtung steht dem Austausch jedoch nichts entgegen: Vom nächsten Wintersemester an können Bamberger Wirtschaftsstudierende für ein oder zwei Semester in Mumbai studieren. Der Andrang hält sich bisher allerdings in Grenzen, erst ein Student hat sich für das Programm angemeldet. "Das könnte durchaus noch mehr sein", findet Weihe. Nachvollziehbar ist das bislang ausbleibende Interesse nicht. Schließlich ist das private Welingkar Institut eine erstklassige Universität, die Unterrichtssprache ist Englisch, und deutsche Firmen bieten Studierenden mit Indienerfahrung eine gute Perspektive.
Auf Seiten der indischen Gäste ist die Begeisterung hingegen jetzt schon groß. Der "Intensivkurs Deutschland" wird nach Einschätzung der Verantwortlichen auch in den kommenden Jahren wieder stattfinden. Bamberg darf sich also an dick vermummte Gestalten auf Sightseeing gewöhnen. Und am Welingkar Institut in Mumbai wissen ab sofort 26 Studenten und drei Professoren jede Menge über Schnee, Bier und die deutsche Produktivität.
News Wintersemester 2004/2005 vom 16.03.05