Abschiedsvorlesung von Prof. Dr. Klaus Kreiser - Der Bamberger Turkologe über " Die Geschichte islamischer Denkmäler"
Man könnte ihn als "Grandseigneur der Turkologie" bezeichnen. Nun hielt Prof. Dr. Klaus Kreiser seine Abschiedsvorlesung und widmete sich dabei einem persönlichen Steckenpferd: der Geschichte islamischer Denkmäler.
Hält ein Wissenschaftler, den man wohl als "Grandseigneur der Turkologie" bezeichnen könnte, seine Abschiedsvorlesung, hat man unweigerlich bestimmte Erwartungen. Wer mit dem Resümee einer herausragenden Forscherkarriere rechnete, wurde bei Prof. Dr. Klaus Kreisers Vortrag am 31. Januar zwar nicht gerade enttäuscht, vermutlich aber doch etwas in Erstaunen versetzt.
Denkmäler als Steckenpferd
Kreisers zahlreiche Veröffentlichungen zur osmanisch-türkischen Geschichte und Kultur, darunter Werke wie das "Kleine Türkei-Lexikon" oder die "Kleine Geschichte der Türkei", gehören nicht nur für Orientalisten zur Standardlektüre, sondern auch für Historiker und Politologen. Zum Thema seines letzten Vortrags als Lehrstuhlinhaber für türkische Sprache, Geschichte und Kultur machte Kreiser jedoch ein "ehernes Steckenpferd": die Geschichte der Denkmäler in der islamischen Welt.
Was er unter dem Titel "Tire encore un peu... - Denkmäler und Denkmalsturz" den zahlreich erschienenen Kollegen, Studierenden und Freunden präsentierte, waren die Ergebnisse langjähriger Forschungen über Büsten, Porträts und Reiterstandbilder. Der Turkologe nahm seine Zuhörer mit auf eine Entdeckungsreise zu den Denkmälern auf der ganzen Welt. Denn seine Forschungsobjekte fand Kreiser keineswegs immer dort, wo er sie zunächst vermutet hatte. Verstaubte Büsten längst verstorbener Regenten fand der Orientalist in Privatsammlungen, Museen und öffentlichen Plätzen in Frankreich, Italien und den USA. Stolz präsentierte er die "Highlights" seiner Entdeckungen. Darunter die zumindest in der Phantasie gewaltige Personifikation Ägyptens in Stein vom elsässischen Bildhauer Frédéric-Auguste Bartholdi. Das Modell hat sich erhalten, die Statue selbst wurde nie ausgeführt. Doch Bartholdi fand für seinen Entwurf anderweitig Verwendung: Mit kleinen Abänderungen präsentiert sich das, was einst als ägyptisches Mädchen geplant war, nun als Freiheitsstatue auf Liberty Island in New York.
Exilierte Monumentalstatue
Noch nicht lösen konnte Kreiser das Rätsel, wie es dazu kam, dass sich ein Reiterstandbild Napoleons III., des Pferdes beraubt, heute als König Sihanouk in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh befindet. Ein ähnliches Kuriosum ist das Schicksal der Monumentalstatue des Duc d'Orléans. Mit der Revolution in Algerien von 1962 "des Landes verwiesen", befindet sich die Statue heute quasi als Exilant in einem tristen Vorort von Paris. Blickte der stolze Franzose früher an hervorgehobener Stelle auf den Hauptplatz der algerischen Stadt, ist ihm heute die freie Sicht durch einen modernen Hotelbau versperrt, so Kreiser.
News Wintersemester 2004/2005 vom 15.02.05