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Der Wunderprüfer

Alfred Hierold untersucht im bischöflichen Auftrag das vermeintliche Tränenwunder von Heroldsbach

Von Frank Gundermann

Weinte die Madonna echte Tränen? ...

... Alfred E, Hierold geht dem vermeintlichen Wunder auf die Spur (Bilder: Photocase und Pressestelle)

„Ein Wunderexperte bin ich aber nicht“, sagt Prof. Dr. Alfred E. Hierold im Gespräch. Natürlich habe auch er sich während des Studiums mit dem Thema beschäftigt. Doch es ist für den Priester und Theologen das erste Wunder, das er selbst untersucht. Was den gebürtigen Oberpfälzer dafür prädestiniert, ist sein kirchenrechtliches Spezialwissen. So kennt er sich als Vizeoffizial des Erzbistums Bamberg und somit als stellvertretender Richter des Kirchengerichts mit Befragungen aus. Befragungen, die er derzeit auch bei den Augenzeugen des vermeintlichen Tränenwunders durchführt. Auf freiwilliger Basis, wie Hierold betont: „Denn zwingen können wir keinen."

Zeugenbefragung inklusive

Rund 60 Personen sollen sich zum Höhepunkt des angeblichen Wunders im Flur des Pilgerheims aufgehalten haben, als auf dem Gesicht der Figur Wassertropfen zu sehen waren. Gut zehn von ihnen hat Hierold bereits befragt. Die meisten stammen aus Heroldsbach und der näheren Umgebung, aber auch aus Göttingen. Bei einem Besuch vor Ort im Pilgerheim wurde der Wunderprüfer von einem jungen Mann direkt angesprochen. Zu den genauen Aussagen der Befragten will sich der 65-Jährige wegen der laufenden Untersuchungen nicht äußern. Allerdings versuche man momentan, so viele Zeugen wie möglich ausfindig zu machen. Und man ermittle in alle Richtungen.

So wird voraussichtlich in den nächsten Tagen das Ergebnis einer kriminologischen Untersuchung vorliegen, bei der ein Papiertaschentuch von einem chemischen Labor auf Tränenspuren hin analysiert wurde. Der Leiter der Heroldsbacher Gebetsstätte, Pater Dietrich von Stockhausen, hatte die Wassertropfen vom Gesicht der Statue mit dem Tuch gewischt. Eines steht dabei jedoch jetzt schon fest: „DNA-Spuren wird man mit Sicherheit nicht finden. Denn Tränenflüssigkeit ist das einzige Körpersekret, das kein menschliches Erbgut enthält“, sagt Hierold. Deshalb werde vor allem der Salzgehalt der getrockneten Flüssigkeit geprüft.

Wasser von Regenschirmen?

Aber auch ganz profane Erklärungsmöglichkeiten für die Tränenerscheinung zog Hierold bei seinen Ermittlungen in Betracht. So stand am Tag des Wunders in nächster Nähe zur Statue ein Schirmständer. Dass durch das Ausschütteln von Regenschirmen Wasser an die Figur gespritzt sein könnte, kann jedoch ausgeschlossen werden. Am 12. Februar hatte es den ganzen Tag über nicht geregnet. Auch die Möglichkeit hoher Luftfeuchtigkeit sowie von Kondenswasserbildung sind nicht wahrscheinlich, da kühle Temperaturen herrschten. Somit bleibt der Ursprung der Tränen, ob natürlicher, übernatürlicher oder gar fingierter Art, derzeit noch im Dunkeln.

Der 65-Jährige sitzt in einem wuchtigen Sessel mit grünem Sitzbezug in seinem Büro im ersten Stock der Fakultät für Katholische Theologie an der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg.  Auf dem Tisch vor ihm liegt eine Fotografie der Madonnenstatue aus Heroldsbach. Ende Juni wird Hierold die Ergebnisse seiner Untersuchungen dem Bamberger Erzbischof vorlegen, der anhand des Beweismaterials und der Zeugenprotokolle über das Ereignis entscheiden wird. Sollten Zweifel bleiben, läge die finale Entscheidung beim Heiligen Stuhl in Rom.

Hierold selbst hält Wunder zwar durchaus für möglich: „Ich halte es da mit dem Spruch: Es gibt zwischen Himmel und Erde Dinge, die man nicht erklären kann, die es aber trotzdem gibt.“ Ob er sich allerdings im konkreten Fall wünscht, dass die Tränen tatsächlich übernatürlichen Ursprungs sind, lässt der Wissenschaftler offen. Aber spezialisieren auf Wunderprüfungen möchte er sich auf keinen Fall: „Das ist ein ziemlich großer Aufwand. Jeden Tag möchte ich keine Wunder untersuchen, es gibt schließlich auch andere schöne Dinge“, sagt Hierold und lacht.

Abschiedsvorlesung

Prof. Dr. Alfred E. Hierold hält am Mittwoch, 20. Juni seine Abschiedsvorlesung an der Universität Bamberg zum Thema „Leben mit Recht“ in der AULA in der ehemaligen Dominikanerkriche (Dominikanerstraße 2a), 19 Uhr c.t.

Uni Bamberg News vom 14.06.07