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Themen im Überblick

 Seitenübersicht

  • Schwerpunkte des Studiums in Bamberg
  • Übersicht des Aufbaus unseres Internet-Auftritts
  • Was ist "Klinische Psychologie"?
  • Klassische Themen der Klinischen Psychologie
  • Psychotherapie, Verhaltensmodifikation, Selbstmanagement-Therapie
  • Psychotherapieforschung


Schwerpunkte des Studiums Klinische Psychologie/Psychotherapie in Bamberg

Das Studium der Klinischen Psychologie/Psychotherapie Bamberg ist deutlich praxisorientiert. Neben der obligatorischen Vermittlung wissenschaftlicher „Basics“ und relevanter Inhalte wird viel Wert auf die Vorbereitung auf die praktische Arbeit in angewandten klinischen Bereichen, sei es Beratung, Training oder Psychotherapie, gelegt. Da ein großer Teil der StudentInnen nach Studienabschluss die Therapeutenlaufbahn einschlagen wollen, soll das Studium eine Möglichkeit bieten, die Berufswahl auf eine solide Entscheidungsbasis zu stellen. Durch vielfache Vernetzung mit Kliniken, anderen wissenschaftlichen Instituten und der an den Lehrstuhl angeschlossenen Forschungsambulanz bietet die Klinische Psychologie in Bamberg aber auch die Möglichkeit, sich auf eine Karriere in der wissenschaftlichen Forschung vorzubereiten.

Im Bereich der Klinischen Psychologie liegt der Schwerpunkt in Lehre und Forschung bei den so genannten Angst- und Zwangsstörungen. Im Bereich Psychotherapie konzentrieren sich Lehre und Forschung auf die kognitive Verhaltenstherapie nach dem Selbstmanagement-Ansatz (Genaueres dazu siehe unten) sowie integrative Tendenzen innerhalb der wissenschaftlich orientierten Psychotherapie.

--> pdf Überblick des Lehrveranstaltungs-Curriculums in Klinischer Psychologie/Psychotherapie (Vorlesungen, Wochenseminare, Blockseminare) am Beispiel der Semester SS 2006 bis WS 2007/08

Wichtige Einflüsse der Arbeit an der psychotherapeutischen Ambulanz betreffen das theoretische Verständnis von Therapie (Selbstmanagement-Ansatz, Orientierung an einem generischen Modell, Wirkfaktorenansatz von Klaus Grawe), therapeutische Strategien und Interventionen (lösungsorientierte Therapie, emotionsfokussierte Therapie, Hypnotherapie, motivierende Gesprächsführung) und die psychosozialen Rahmenbedingungen oder Mitverursachungen von psychischen Problemen (gemeindepsychologische Perspektive). Detailliertere Informationen zu den genannten Einflüssen finden sie --> hier.

 

Übersicht des Aufbaus unseres Internet-Auftritts

Die Homepage des Lehrstuhls bietet Informationen zu Lehrveranstaltungs-Angeboten, Studieninhalten, Publikationen, Forschungsbereichen, Tätigkeiten der psychotherapeutischen Forschungsambulanz, relevanten Internetressourcen sowie den MitarbeiterInnen des Lehrstuhls und der Ambulanz.

  • Der Link „Studium“ (waagrechte Linkleiste) informiert über den Vorlesungszyklus Klinische Psychologie/Verhaltensmodifikation, das jeweils aktuelle Seminarangebot und erlaubt das Herunterladen von Materialien zu den Vorlesungen in Klinischer Psychologie und Verhaltensmodifikation.
  • Der Link „Forschung“ (waagrechte Linkleiste) informiert über  Forschungs-/Interessenschwerpunkte der MitarbeiterInnen sowie laufende und abgeschlossene Dissertations- und Habilitationsprojekte. Laufende und abgeschlossene Diplomarbeiten werden ebenso aufgeführt.
  • Der Link „Transfer“ (waagrechte Linkleiste) verweist auf die an den Lehrstuhl angegliederte psychotherapeutische Ambulanz und Forschungsstelle.
  • Der Link „Service“ (waagrechte Linkleiste) bietet Links zu PDFs der Gastvorträge am LS Klinische Psychologie/Psychotherapie sowie nützliche Links zu den Themen Verhaltenstherapie/Kognitive VT, Psychologische Psychotherapie, Lösungsorientierte/-fokussierte Therapie, "Dritte Welle" der VT und wichtige Einflüsse gegenwärtiger Psychotherapie. Abgeschlossen wird die Seite „Service“ durch Verlinkungen mit den Homepages wichtiger deutsch- und englischsprachiger Zeitschriften.
  • Der Link „Themen im Überblick“ (senkrechte Linkleiste), auf dem Sie sich gerade befinden, informiert über das hiesige Verständnis von Klinischer Psychologie und Psychotherapie. Zudem werden Schwerpunkte des Studiums in Bamberg zusammengefasst. Abschließend wird eine Übersicht des Aufbaus der Lehrstuhl-Homepage gegeben.
  • Der Link „Personen“ (senkrechte Linkleiste) informiert über die an Lehrstuhl und Ambulanz tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
  • Der Link „Psychotherapeutische Ambulanz/Psychotherapeutische Forschungsstelle“ (senkrechte Linkleiste) verweist auf die an den Lehrstuhl angegliederte psychotherapeutische Ambulanz.
  • Der Link „Studienbegleitendes Praktikum“ (senkrechte Linkleiste) informiert über Inhalte, Angebote und Anforderungen eines Praktikums an der Psychotherapeutischen Ambulanz/Forschungsstelle.
  • Der Link „Aktuelle Buchpublikationen“ (senkrechte Linkleiste) bietet Informationen zu Lehrbüchern, Manualen und Patienteninformationen, die von MitarbeiterInnen des Lehrstuhls verfasst wurden.

--> pdf Überblick der Start-Seite des Lehrstuhls mit Kurzinformationen zu den jeweiligen Links

 

Was ist "Klinische Psychologie"?

Die Klinische Psychologie versucht, wie die Psychologie im allgemeinen, menschliches Verhalten und Erleben sowie dessen Veränderbarkeit zu beschreiben, zu erklären und vorherzusagen. Im Gegensatz zu anderen Bereichen der Psychologie beschränkt der klinische Zweig seine Untersuchungsbemühungen auf die sog. „psychischen Störungen“ (z.B. Angststörungen, Depressionen, Schizophrenien, ...) sowie psychische Hintergründe körperlicher Erkrankungen (z.B. Einfluss von Stress auf Asthma, Migräne, Diabetes, ...).

Dieses in der akademischen Landschaft vorherrschende Verständnis ist allerdings v.a. im Praxisbereich nicht unumstritten. Dort wird oft eine zu starke Konzentration der (universitären) Klinischen Psychologie auf das Pathologische bemängelt, wohingegen natürliche Ressourcen, gesellschaftliche Rahmenbedingungen und das Recht auf "eigensinnige" Nutzung professioneller Hilfe zu kurz kämen. Die "Realität" der Klinischen Psychologie muss also im Spannungsfeld dieser Perspektiven gesehen werden und beim folgenden Überblick wichtiger Themengebiete am Beispiel der Erforschung „psychischer Störungen“ mitbedacht werden.

 

Klassische Themen der Klinischen Psychologie

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit einem Gegenstandsbereich verlangt zunächst dessen Definition, im Falle der Klinischen Psychologie also z.B. eine Definition „psychischer Störungen“. Bei diesen handelt es sich um Muster des Verhaltens und Erlebens, die für die Betroffenen zu erheblichem Leiden führen und i.d.R auch von Normen unterschiedlicher Art abweichen (z.B. situationsinadäquates Ausmaß von Angst, Sorgen, Selbstabwertung, ...). Typischerweise geht das Vorliegen einer „psychischen Störung“ mit Problemen in vielen Lebensbereichen einher (Arbeitsplatzverlust, Beziehungsprobleme, ...).

Eine erste Aufgabe der Klinischen Psychologie besteht in der Systematisierung psychischer Störungen nach begründbaren Kriterien, d.h. es soll eine sinnvolle Ordnung in die Vielfalt psychischer Probleme gebracht werden (z.B. werden Spinnenphobie, Agoraphobie und Panikstörung in die Kategorie der Angststörungen eingeordnet). Zusammen mit der klinisch-psychologischen Diagnostik, d.h. der Zuordnung vorliegender Erlebens- und Verhaltenmuster eines Menschen zu einer Störungskategorie, bildet die Systematisierung den Bereich der Klassifikation.

In einem weiteren Gebiet, der sog. Epidemiologie, wird untersucht, wie sich „psychische Störungen“ in der Bevölkerung verteilen. Typischerweise geschieht dies, indem das Auftreten bestimmter Störungen in Abhängigkeit soziodemographische Daten betrachtet wird (z.B. Vorliegen depressiver Störungen abhängig von Alter, Geschlecht, Bildungsstand, ...). In einem weiten Verständnis dieses Forschungsbereichs fallen darunter auch die Beschreibung typischer Verläufe, häufiger Nebenerkrankungen (Komorbiditäten) und die Suche nach Faktoren, die den Beginn u/o Verlauf einer „psychischen Störung“ positiv bzw. negativ beeinflussen (Risiko- bzw. Schutzfaktoren).

Eine zentrale Stellung nehmen Bemühungen ein, (ursächliche) Erklärungsmodelle für die Entstehung und den Verlauf psychischer Störungen zu entwickeln (Ätiologie und Pathogenese). Gegenwärtig geht man davon aus, dass die wesentlichen Faktoren auf verschiedenen Ebenen zu finden sind (sog. biopsychosoziale Modelle). Diese Faktoren sind meist nicht statisch, sondern beeinflussen und verändern sich im Lauf der individuellen Entwicklung gegenseitig (Komplexität und Dynamik). Kommt es zu einer Interaktion von wesentlichen Einflussfaktoren mit aktuellen Auslöseereignissen (sog. Vulnerabilitäts-Stress-Modelle) können diejenigen Verhaltens- und Erlebensmuster auftreten, die letztlich als „psychische Störungen“ diagnostiziert werden.

Neben der beschriebenen Grundlagenforschung beschäftigt man sich in der Klinischen Psychologie auch mit der Entwicklung und Überprüfung von Einflussmöglichkeiten auf die Auftretenswahrscheinlichkeit (Prävention) und den Verlauf (Therapie) „psychischer Störungen“. Die Bandbreite reicht dabei von psychologischer Beratung über Verhaltenstrainings bis hin zur Psychotherapie im engeren Sinne. Letztere soll im folgenden Abschnitt behandelt werden.

 

Psychotherapie, Verhaltensmodifikation, Selbstmanagement-Therapie

Experten schätzen, dass gegenwärtig mehrere hundert therapeutische Richtungen auf dem „Markt“ konkurrieren. Beherrscht wird das Bild in der Öffentlichkeit oft noch von den Attributen der klassischen Psychoanalyse Sigmund Freuds: Couch, Traumdeutung, Verdrängung o.ä. Dieses Bild entspricht allerdings nicht mehr der Versorgungslage. Neben den auf die klassische Psychoanalyse zurückgehenden Therapieformen wurden längst andere Verfahren entwickelt, die sich mittlerweile in der Versorgungslandschaft gut etabliert haben. Insbesondere humanistische, systemische und kognitiv-verhaltenstherapeutische Ansätze sind weit verbreitet. Diese unterscheiden sich oft hinsichtlich des Menschenbildes, der wissenschaftlichen Grundlagen und des Vorgehens deutlich von der Psychoanalyse. Zudem gibt es eine zunehmende Tendenz integrativer Bemühungen, d.h. Versuche das "Schulendenken" zu überwinden um den Klient/inn/en die bestmögliche Therapie zugute kommen zu lassen. Angesichts dieser psychotherapeutischen Vielfalt scheint eine allgemeingültige Beantwortung der Frage "Was ist Psychotherapie?" schwer möglich.

Als der empirisch-wissenschaftlichen Klinischen Psychologie am nahesten gilt die Verhaltenstherapie mit ihren zahlreichen Weiterentwicklungen, die auch einen Schwerpunkt des Studiums in Bamberg darstellt (Verhaltensmodifikation). Wenn im Folgenden die Rede von Psychotherapie ist, orientiert sich diese an der modernen verhaltenstherapeutischen Theorie und Praxis, die in Bamberg als Basis eines integrativen Therapieverständnisses dient.

Im Zentrum psychotherapeutischen Handelns steht demnach die Veränderung problematischer Erlebens- und Verhaltensweisen einer Person (der/s Klientin/en bzw. Patientin/en). Diese findet geplant, zielorientiert und vor dem Hintergrund eines wissenschaftlich-psychologischen Verständnisses menschlicher Probleme und Veränderungsmöglichkeiten statt. Der/die Therapeut/in als professionelle/r Helfer/in unterstützt den Veränderungsprozess durch minimalen Eingriff und begleitet die/den Klientin/en auf seinem Weg zu einem eigenständigen, autonomen Umgang mit seinen Problemen.

Im Studium der Klinischen Psychologie/Psychotherapie an der Universität Bamberg wird besonderes Augenmerk auf den sog. Selbstmanagement-Ansatz in der Psychotherapie gelegt. Dieser zeichnet sich durch die Betonung eines bestimmten Menschenbildes aus: der Mensch als potentiell selbstbestimmtes, komplexes und individuelle Ziele und Werte verfolgendes Wesen. Selbstbestimmung in sozialer Verantwortung wird dementsprechend als mögliches und auch legitimes Metaziel von Psychotherapie angesehen, innerhalb dessen individuelle Zielvorstellungen der KlientInnen realisiert werden können und sollen. Diesem normativen Anspruch will der Selbstmanagement-Ansatz durch die Orientierung an einem Ideal-Modell des Therapieablaufs (das sog. 7-Phasen-Modell) und die Betonung bestimmter Strategien und Interventionen, die Selbstkontrolle und Handlungsfreiheit fördern,  gerecht werden.

Zentrale Bereiche jeder Therapie sind u.a. die Gestaltung einer vertrauensvollen und stabilen therapeutischen Arbeitsbeziehung sowie die Förderung von Veränderungsmotivation vor dem Hintergrund individueller Ziele. Der verhaltentherapeutischen Tradition folgend, werden die therapierelevanten Probleme im Kontext aktueller aufrechterhaltender Bedingungen analysiert (Verhaltensanalyse), um Ansatzpunkte für geeignete Interventionen zu finden. Dabei spielen sowohl situative Bedingungen (z.B. Arbeitslosigkeit) als auch kognitive Bedingungen, die im Lauf der Lebensgeschichte entwickelt wurden (z.B. Tendenz, sich selbst abzuwerten) eine wichtige Rolle. Nach Auswahl und Durchführung spezifischer Interventionen (z.B. Konfrontation mit einer Angst auslösenden Situation ohne zu „flüchten“), werden diese vor dem Hintergrund der zuvor vereinbarten Ziele evaluiert. Sollten diese in der Evaluation als erreicht angesehen werden, können zum Therapieende hin Maßnahmen zum Transfer in den Alltag ergriffen werden (z.B. Ausdehnen der zeitlichen Abstände zwischen Sitzungen, vermehrtes Üben ohne TherapeutIn, etc.).

 

Psychotherapieforschung

So wie eine Überprüfung des Erfolges spezifischer Maßnahmen innerhalb der Therapie zum Selbstverständnis moderner psychotherapeutischer Praxis gehört, sollten auch Therapiekonzept und therapeutischer Prozess überprüft werden. Dieser Aufgabe widmet sich die Psychotherapieforschung. Zu Beginn der empirisch-wissenschaftlichen Überprüfung psychotherapeutischen Handelns dominierte hier die Frage nach der prinzipiellen Wirksamkeit von Psychotherapie (Wirkt Psychotherapie überhaupt?).

Nachdem an der Bejahung der Frage nur noch wenig Zweifel bestand, trat die differentielle Wirksamkeitsforschung auf den Plan, die sich mit der Frage beschäftigt, welche Psychotherapie im Vergleich mit anderen Richtungen besser wirkt (Welches Verfahren, durchgeführt von wem, wirkt bei wem unter welchen Umständen ... besser?). Da es im wesentlichen um den Vergleich von Ergebnissen (am Ende der Therapie und/oder nach einem längeren Zeitraum) geht, spricht man auch von „Outcome-Forschung“. Zunehmendes Interesse wird aber auch der Frage nach den Wirkprinzipien entgegengebracht: Wie wirkt Psychotherapie, wenn sie wirkt? Diesen Forschungsbereich nennt man auch „Prozess-Forschung“, da weniger das Endergebnis als mehr Aspekte des Therapieprozesses im Vordergrund stehen.