Unsere therapeutischen Angebote liegen im Kurzzeittherapiebereich. Das theoretische und praxisleitende Konzept unserer Arbeit ist der Selbstmanagementansatz (eine kognitiv-verhaltenstherapeutische Konzeption - siehe Literaturangabe: Kanfer et al. 1990), der bereits von allem Anfang praktiziert wurde. Die kontinuierliche Beschäftigung mit gemeindepsychologischen Perspektiven - hier vor allem mit dem Empowerment-Ansatz (siehe Literaturangabe: Stark 1996) - und mit systemischen Therapieansätzen brachte eine kontinuierliche Betonung der Ressourcenperspektive (siehe Literaturangabe: Miller et al. 2000) in unserer Arbeit.
Aufgrund der Konzeption unserer Einrichtung, die Hand in Hand mit den persönlichen Erfahrungen, Ausbildungen und Schwerpunktsetzungen der Supervisor/inn/en aber auch dem Rhythmus von Praktika und Postgraduiertenausbildung geht, machen wir unseren Klient/inn/en zuerst einmal ein Angebot im Rahmen der Ressourcenaktivierung und der Problembewältigungsperspektive. Zu der Ressourcenaktivierung gehört das Anknüpfen an bereits bestehende (aber vielleicht nicht erkannte) Potentiale der Klient/inn/en genauso wie die Beachtung und Pflege einer guten, vertrauensvollen therapeutischen Beziehung. Zur Problembewältigungsperspektive gehört die aktiv handlungsorientierte Verfolgung der Ziele der Klient/inn/en, die dabei von ihren Therapeut/inn/en aktiv unterstützt werden. Auch andere therapeutische Wirkprinzipien finden Eingang in unsere Arbeit. Die Klärungsarbeit bei der Motivationsklärung oder Zielaushandlung und das Prinzip der realen Erfahrung im Rahmen konkreter Konfrontationen mit gefürchteten Situationen. Dennoch bestehen hier deutliche Unterschiede in der Schwerpunktsetzung verglichen z.B. mit humanistischen Therapieansätzen oder tiefenpsychologischen Verfahren.
Es ist unser Anspruch, ein Konzept zu verfolgen und zu realisieren, welches sich an folgenden Leitideen orientiert:
Damit ist gemeint, daß die Aktivitäten der Therapeut/inn/en plausibel begründet und nachvollziehbar sein müssen. Die Therapie muß als geplantes Unternehmen erkennbar sein, welches sowohl eine nachvollziehbare und überprüfbare Praxistheorie als auch ernst zu nehmende erklärungstheoretische Ansätze bereitstellt, aber auch die Persönlichkeit und subjektive Erfahrung des/der jeweiligen Therapeuten/in hinreichend berücksichtigt.
Eine Therapie soll Klient/inn/en dazu verhelfen, ihre Möglichkeiten zu erweitern. Das heißt, im Rahmen ihrer Ziele zu fühlen, zu denken und sich zu verhalten. In den meisten Fällen bedeutet es zunächst einmal, überhaupt Ziele zu entwerfen und zu entwickeln.
Bezogen auf diese Ziele, aber auch auf allgemeine Indikatoren für psychische Gesundheit, reflektieren wir die Nützlichkeit unserer Arbeit. Daneben spielt das Nachdenken über die Angemessenheit unserer Arbeit und der Respekt vor den Klient/inn/en eine große Rolle.
Dieses Konzept aus der Tradition gemeindepsychologischen Denkens begleitet uns bei der Gratwanderung zwischen Überfürsorglichkeit und Verweigerung notwendiger Unterstützung. Es betont die Ressourcen der Klient/inn/en und deren Recht professionelle Hilfe "eigensinnig" zu nutzen. Es bekämpft die Pathologisierung und Stigmatisierung der Klient/inn/en als Mängelwesen ebenso wie die technizistischen Allmachtsphantasien professionell psychosozial Handelnder.
Dies bedeutet Sparsamkeit in Bezug auf Anzahl der Sitzungen und Dauer der Therapie aber auch Behutsamkeit bezüglich der Art der Interventionen (Stichworte: Eigendynamik, Nebenwirkungen). Unser Anspruch ist, die Klient/inn/en bei der Suche nach passenden Lösungsmöglichkeiten für ihre Probleme zu unterstützen und ihnen konkrete Angebote zu machen. Wir ermutigen sie aber auch relativ bald, die gewonnenen Ansatzpunkte alleine weiterzuverfolgen und sich Unterstützung in ihrem natürlichen sozialen Netz zu holen.
Damit ist gemeint, daß wir uns darum bemühen, sowohl die Funktionalität von Psychotherapie in unserer Gesellschaft kritisch zu hinterfragen aber auch im Einzelfall Grenzen und Zuständigkeiten psychotherapeutischen Handelns zu diskutieren. Wir versprechen uns davon, der Gefahr der Selbstüberschätzung und dem verbreiteten Machbarkeitsmythos entgegenzutreten. Gerade Psycholog/inn/en als Expert/inn/en ihres Faches muß abverlangt werden, einer unreflektierten und sich modisch gebenden Psychologisierung des Alltags entgegenzutreten und auf soziale, politische, ökonomische, ethische und ökologische Dimensionen zu verweisen.
Wir verstehen psychosoziale Praxis - und Psychotherapie ist ein Teil davon - als Handeln in komplexen, eigendynamischen Systemen und als das gemeinsame Erzeugen oder Erfinden von (neuen) Bedeutungen (narrative Psychologie). Dabei handelt es sich nicht um ein therapieschulmäßiges Konzept sondern um eine metaperspektivische Vorgabe, die den Besonderheiten dieses Handelns und der gemeinsamen Konstruktion sozialer Wirklichkeiten Rechnung trägt. Der jeweilige Therapieansatz erfährt durch diese Metaperspektive seine besondere Deutung. So bedeutet unter einer konstruktionistischen Perspektive "Intervention" etwas völlig anderes als unter einer realistischen.
Literaturhinweise:
Kanfer, F. / H. Reinecker / D. Schmelzer (2000³) Selbstmanagement-Therapie. Berlin: Springer-Verlag
Miller, S.D. / B.L. Duncan / M.A. Hubble (2000) Jenseits von Babel. Stuttgart: Klett
Stark, W. (1996) Empowerment. Freiburg/Breisgau: Lambertus