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Über die Tagesexkursion nach Erfurt am 23. Oktober 2010

Bis vor wenigen Jahren wurde das jüdische Leben im deutschsprachigen Raum des Hochmittelalters in erster Linie mit Köln sowie den Schum-Gemeinden Speyer, Worms und Mainz in Verbindung gebracht. Durch neue archäologische Funde und Forschungsergebnisse bricht diese Fokussierung nach und nach auf. Städte wie Würzburg, aber auch Erfurt werden zunehmend als Orte wichtiger jüdischer Niederlassungen wahrgenommen.

Ende Oktober 2010 begaben sich Bamberger Studierender der Judaistik und des Zentrums für Interreligiöse Studien (ZIS) auf die Spuren jüdischen Lebens in Erfurt. Die Gruppe traf sich in der thüringischen Landeshauptstadt mit Studierenden der Jüdischen Studien und Religionswissenschaft an der Universität Potsdam.

Die Exkursion begann mit einer kurzen gemeinsamen Besichtigung des Erfurter Doms und der Zitadelle auf dem Petersberg, wobei sich hier die Gelegenheit für ein erstes gegenseitiges Kennenlernen der Studierenden bot. Es folgte eine Stadtführung an jüdische Orte wie die Alte und Kleine Synagoge, die mittelalterliche Mikwe (rituelles Tauchbad) sowie das ehemalige jüdische Viertels.

Die Stadtführerin Eva Lenz verstand sich gekonnt darauf, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die jüdische Geschichte Erfurts vom Mittelalter bis zur Shoah lebendig zu veranschaulichen. Sie betonte dabei, dass die jüdische Geschichte der Stadt Teil der allgemeinen Stadtgeschichte ist und beide nur miteinander gedacht werden können. Zudem wurde überaus deutlich, wie viel sich in den vergangenen 15 Jahren in Erfurt in Bezug auf das jüdische Erbe „getan hat” und wie viele weitere Spuren jüdischen Lebens es in Zukunft noch zu entdecken geben wird. Heute sind in der Jüdischen Gemeinde Erfurt ungefähr 500 Menschen organisiert. Jüdische Gottesdienste werden in der Neuen Synagoge, dem einzigen Synagogen-Neubau der DDR, abgehalten. Ein geplantes Treffen mit Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde konnte aufgrund der  Kürze des Aufenthalts in Erfurt leider nicht umgesetzt werden. Nach Ende der Stadtführung bot sich der Gruppe aber noch die Gelegenheit, das Museum in der Alten Synagoge zu besichtigen. Neben Aspekten der Baugeschichte der ab 1100 erbauten Synagoge werden hier anhand mittelalterlicher Handschriften (leider nur als Faksimile) und insbesondere des einzigartigen Erfurter Schatzes (gefunden 1998) geschichtliche Aspekte der Erfurter jüdischen Gemeinschaft vermittelt.

Der Vernetzungsgedanke der Exkursion fand seinen Abschluss bei einem gemeinsamen Abendessen, das leider aufgrund des baldigen Abfahrtstermins allzu rasch beendet werden musste. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer äußerten den Wunsch, im kommenden Jahr ein gemeinsames Seminarwochenende mit Studierenden aus Bamberg und Potsdam durchführen zu wollen. Diesem Wunsch werden die Mitarbeiterinnen der Judaistik gerne entsprechen. Informationen dazu werden zum gegebenen Zeitpunkt auf den Bamberger Internetseiten der Professur für Judaistik zu finden sein.                                                                                                           Rebekka Denz