In den letzten Jahren lässt sich in der Finanzindustrie die Tendenz erkennen, IT-Leistungen und zunehmend auch Geschäftprozesse wie die Zahlungsverkehrsabwicklung, die Wertpapierdepotverwaltung oder das Kreditprocessing mehrerer Institute in sog. Shared-Service-Organisationen wie Transaktionsbanken oder Kreditfabriken zusammenzulegen. Ein Forschungsschwerpunkt unseres Lehrstuhls verfolgt die Frage, welche Vor- und Nachteile ein solches „Cooperative Sourcing“ hat (Kosten- und Wettbewerbsanalyse), wie die entstehenden Kosten bzw. Einsparungen aufgeteilt werden müssen, damit stabile Koalitionen entstehen, und welche Marktkonstellationen unter welchen marktlichen und wettbewerblichen Voraussetzungen zu erwarten sind (Beimborn 2005; 2006; Beimborn et al. 2006c). Während sich die erste Frage primär durch empirische Arbeiten beantworten lässt, werden für die zweite und dritte Frage spieltheoretische Analysen und umfangreiche agentenbasierte Simulationen eingesetzt. Die formal-spieltheoretischen Analysen werden durch spieltheoretische Experimente mit Studierenden begleitet, die an Laborrechnern Verhandlungsspiele durchführen. Mit Hilfe dieser Experimente lässt sich der Einfluss von real-individuellen Entscheidungskalkülen und –verhaltensweisen auf die Aussagekraft der formal-theoretisch hergeleiteten Ergebnisse bezüglich der Existenz und Effizienz von Verhandlungsgleichgewichten untersuchen.
Ein weiterer Teil dieses Forschungsbereiches beschäftigt sich mit dem „Relationship Management“ von Outsourcingbeziehungen (Beimborn et al. 2007a; 2008a). Es erweitert die Untersuchungen zu IT-Business-Alignment und erweitert den Fokus auf überbetriebliche Beziehungen zwischen Unternehmen sowie ihren IT-Dienstleistern. Was sind die relevanten Dimensionen von Beziehungsqualität und wie lassen sie sich beeinflussen? Neben umfangreichen empirischen Arbeiten mittels Fallstudien und fragebogenbasierten Erhebungen beschäftigt sich ein Teilprojekt dieser Arbeit mit einem Social-Network-Analysis (SNA)-Ansatz zur Untersuchung von Interaktionsmustern zwischen Outsourcer und Dienstleister. Auf der Basis empirisch erhobener Interaktionsmuster sollen mit Hilfe von Netzwerksimulationen verschiedene Szenarien hinsichtlich ihrer potenziellen Beziehungsqualität evaluiert werden.