Einerseits GRUNDLAGENWISSEN, das Zersetzungs- und Zerstörungsprozesse von Kunst- und Kulturgut zu kommentieren vermag. Forschungsgegenstände sind geschädigtes oder mit Fremdstoffen beladenes Kunst- und Kulturgut. Forschungsziele sind die Klärung der zeit- und materialabhängigen Schadensursachen und das Aufstellen einer Schadensverlaufsprognose. Die Resultate der Archivauswertung und restaurierungswissenschaftlichen Analysen werden publiziert und auf Tagungen kommuniziert – die einfachste Form des Wissenstransfers.
Beispiele sind das Untersuchungsprogramm für die mittelalterlichen Scheiben von St. Sebald in Nürnberg, für das Albrecht Dürer zugeschriebenen Mosesfenster in Straubing, für die Depots im Germanischen Nationalmuseum oder den Domschatz von Halberstadt und Quedlinburg.
Ein anderes Beispiel ist das der Zeit um 1900 stammende Glasmosaik in einer Privatkapelle, das rasant zerfällt und nun akribisch von der Fachhochschule Erfurt konserviert werden muss. Ursache ist eine unglücklich gewählte Reinigungsmethode mit Soda, ein Natriumsalz, das das sensible Material irreversibel zersetzt und nur schwer wieder zu entfernen ist.
Andererseits schafft die Restaurierungswissenschaft ANALYTISCHES WISSEN, das im Sinne präventiver Konservierungskonzepte künftige Schäden verhindern soll. Welche Ausstattungsmaterialien sind für historische Objekte unbedenklich? So trivial die Frage klingt, so schwer ist sie in Zeiten moderner Materialveredelungen zu beantworten. So können Stoffbespannungen oder Spanplatten zum Alptraum von Museumsleitungen und Restauratoren werden. Was sich in Vitrinen anreichern kann, zeigen chromatographische Analysen: Essigsäure, Ameisensäure und Formaldehyd aus Holz und Klebern, Lösemittel aus Lacken, Weichmacher und Antioxidantien aus Stoffen, usw. usw.
Für die Auswahl der Werkstoffe, die für Kunst- und Kulturgut geeignet wären, sind unabhängige Gutachten unabdingbar – Gütesiegel und Empfehlungen finden Eingang in die Fachwelt und sind ein weiteres Beispiel für funktionierenden Wissenstransfer. Ausstattungsmaterialien können Schadstoffe enthalten, in diesem Beispiel kristallisierte Borsäure als mikrobiozide Stoffvergütung in einer
Vitrine des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg.
Darüber hinaus entstehen durch kooperative Forschungen INTELLIGENTE SOFTWARELÖSUNGEN. Ein Beispiel ist die fotorealistische Dokumentation von Bildwerken, die dreidimensionale Visualisierungen liefern und die für die wissenschaftliche Arbeit notwendigen Arbeitsgrundlagen sollen. Weitere Informationen im Bericht in:
Uni Bamberg News Nr. 506 vom 08.05.2005
Texturiertes 3D-Modell von der Figur des Heiligen Georg
hier ansehen.
Für die wissenschaftliche Auswertung ideal, wären 3D-DATENBANKEN, an denen aber erst noch fleißig gearbeitet werden muss ( Pomologische Sammlung).
Ebenso nicht mehr aus der wissenschaftlichen Dokumentation wegzudenken, sind Werkzeuge zur SEMANTISCHEN KARTIERUNG von Gebäuden und zur GEBÄUDEBEZOGENEN ARCHIVIERUNG von Monumentalbauten. Die neuen Werkzeuge erlauben eine stringente und systematische Datenablage mit intelligenten Abfrage- und Suchfunktionen.
Ein besonders anschauliches Beispiel des Wissenstransfers von Forschungsergebnissen in die Praxis ist „F&E-VERBUNDPROJEKT“ (bedeutet: Forschung und Entwicklung) mit dem schönen neudeutschen Titel „ Reaching Recording Standards“, das ein auf die Belange der Baudenkmalpflege abgestimmtes Dokumentations- und Monitoringwerkzeug mit bestechenden Fotos und präzisen 3D- Daten hervor bringen soll (wir sind ganz zuversichtlich, dass es klappen wird). Der Testlauf ist schon mal überzeugend ausgefallen.
Und nicht zu vergessen: Der Wissenstransfer der so genannten weichen Faktoren. Denn wie soll man sonst die VERMITTLUNG GEISTIG-KULTURELLER INHALTE nennen. Ohne das lebhafte Interesse der Gesellschaft an der eigenen Geschichte, den kulturellen Wurzeln und dem gebauten Erbe – Baudenkmale wie Kulturlandschaften - sind Denkmalpflege und Restaurierung heute nicht mehr darstellbar.
Ein Beispiel für die Vermittlung, die sich besonders an Kinder und Jugendliche richtet, sind die Geogames, entwickelt am Lehrstuhl für Angewandte Informatik in den Kultur-, Geschichts-, und Geowissenschaften entwickelte Spielkonzept. (Weitere Informationen in: Uni Bamberg News vom 23.02.06)