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News Historische Geographie

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News Historische Geographie

Uni-Bamberg News vom 15.09.09

„Auf den Keller“

Beim Auftakt der diesjährigen ARKUM-Jahrestagung ging es um Bamberg und die Keller-Kultur

Am 9. Oktober startete die 36. Jahrestagung des Arbeitskreises für historische

Kulturlandschaftsforschung in Mitteleuropa e.V. (ARKUM), die dieses Jahr zum ersten Mal in Bamberg stattfand. Sie wurde in Zusammenarbeit mit der Professur für Historische Geografie der Universität Bamberg organisiert und widmete sich dem zentralen Thema „Konsum und Kulturlandschaft“.

Bei wunderschönem Wetter begrüßte Dr. Jan Volker Wilhelm, freiberuflicher Stadtplanungs- und Stadtbauhistoriker in Bamberg, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der diesjährigen ARKUM-Tagung am Kranen und führte sie durch die Weltkulturerbestadt Bamberg. Seine Stadtführung stand wie die Tagung unter dem Titel „Konsum und Kulturlandschaft“. Es ging dabei vor allem um die Veränderung des Stadtbildes und der Stadtentwicklung vom Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert. Wilhelm verwies besonders auf solche Orte oder Gebäude, die im Zusammenhang mit dem Konsum standen oder für die Verkehrsplanung entscheidend waren. So war die Kettenbrücke zum Beispiel lange Zeit die einzige Möglichkeit den rechten Regnitzarm- den späteren Main-Donau Kanal zu überqueren. Dementsprechend wurde diese Brücke und die Hauptwachstraße zu einer stark genutzten Achse.

Keller-Kultur in Franken

Am Abend empfing der Vorsitzende des Arbeitskreises, Prof. Dr. Winfried Schenk vom Geographischen Institut der Universität Bonn, alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der AULA. Nachdem er sich bei Prof. Dr. Andreas Dix, dem Inhaber der Professur für Historische Geographie der Universität Bamberg für die Organisation der Tagung bedankt hatte, beschäftigte sich Dr. Thomas Gunzelmann vom Bayrischen Landesamt für Denkmalpflege in seinem öffentlichen Vortrag mit der „Bierlandschaft in Bayern“. Ein passendes Thema fand Gunzelmann, da Bamberg, Erlangen und Forchheim für ihre Bierkellerkultur weit über die Region hinaus bekannt sind und somit als historische Orte des Konsums vorgestellt werden können.

Die Bierkeller entwickelten sich im 18. Jahrhundert über den Lagerkellern, die in den Sandstein geschlagen wurden. Die Hanglage der Keller spielte dabei eine wichtige Rolle. Denn so konnte zum einen das frisch gebraute Bier im Sommer wie im Winter bei gleichmäßiger Temperatur kühl gelagert werden. Zum anderen erleichterte es den Transport der Bierfässer. Da diese Lagerkeller aber meist außerhalb der Stadt lagen und die Gäste oft einen längeren und unter Umständen anstrengenden Weg zurücklegen mussten, kamen die Brauer auf die Idee, Gasthöfe auf den Kellern zu errichten und selbst Bier auszuschenken.

Die naturbegeisterten Schwärmer des 18. Jahrhunderts liebten es sich im Freien aufzuhalten und verhalfen damit den Kellern zu zunehmender Beliebtheit. Um noch mehr Gäste anzulocken, begannen die Brauer die vorhandene Infrastruktur auszunutzen und legten ihre Keller entlang wichtiger Straßen an, was den Biertransport zusätzlich erleichterte. Übrigens: Der erste Bierkeller sei wahrscheinlich im Öttinger Land entstanden, erklärte Gunzelmann.

Der Niedergang der Keller

In Folge der zunehmenden Technisierung im 20. Jahrhundert war man auf die Keller nicht mehr angewiesen, da die selbstgebrauten Biere in besser ausgestatteten Kühlräumen gelagert werden konnten. „Streng genommen gibt es in Bayern keine Keller mehr, weil sie als solche nicht mehr genutzt werden. Wenn die Definition jedoch weiter gefasst wird, und man bewirtschaftete Freischankflächen an ehemaligen Kellerstandorten gelten lässt, kann man von 160 Kellern sprechen, die sich erhalten haben“, schloss Gunzelmann seinen Vortrag. Nach so viel interessanter aber „trockener“ Theorie, war es für einige Bierlustige an der Zeit sich endlich auch der kühlen und nassen Praxis zu widmen und sich in Richtung Sandstraße zu verabschieden.

Fränkischer Tag vom 12./13.09.09

Als für das Bier Paläste gebaut wurden

11.09.09 Von: Stefanie Wolter

Vortrag: Dr. Thomas Gunzelmann sprach in der Aula der Universität über Bierkeller als historische Orte des Konsums. Ihre Blütezeit erlebten die Keller im 19. Jahrhundert, aber auch heute noch sind sie für die Lagerung von Bedeutung.

Konsum und Kulturlandschaft“ lautete das diesjährige Thema der „Arkum“-Tagung an der Bamberger Universität. „Arkum“, das Akronym steht für den Arbeitskreis für historische Kulturlandschaftsforschung in Mitteleuropa e.V., beschäftigt sich mit dem Wachsen und Wandel der Kulturlandschaft. Und welcher Forschungsgegenstand läge in Bamberg näher als das Bier? Folgerichtig lautete der erste Vortrag der Veranstaltung (gehalten von Dr. Thomas Gunzelmann) „Bierlandschaft Bayern: Keller als historische Orte des Konsums“.

Eine gute Stunde lang beleuchtete der Geograph schlaglichtartig die Geschichte der bayerischen Bierkeller bis in die 1920er Jahre hinein, als ein breiteres Freizeitangebot und veränderte Konsumgewohnheiten ein „Kellersterben“ auslösten. Wer sich genauere Informationen über spätere Auf- bzw. Abschwünge innerhalb der Zeitgeschichte erhofft hatte, wurde enttäuscht. Dafür näherte der Referent sich seinem Thema von verschiedenen Seiten: Nicht nur das Phänomen als solches, auch das Konsumangebot und die Konsumenten, sprich die Besucher des Bierkellers, wurden unter die Lupe genommen.

Zu Beginn stellten kühle Lagerstätten, bevorzugt Felsenkeller in Hanglage, eine praktisch-hygienische Notwendigkeit für die Brauer dar. In Nürnberg soll es bereits im 14. Jahrhundert entsprechende Lager gegeben haben. Für Forchheim sind sie Ende des 16. und in Bamberg zu Beginn des 18. Jahrhunderts nachgewiesen. Wann diese jedoch um eine Ausschanklizenz erweitert und damit zu bewirtschafteten Sommerkellern ausgebaut wurden, so der Wissenschaftler, sei schwer zu datieren.

Den Kellern werde oft eine demokratisierende Wirkung zugesprochen, so der referent. Jung und Alt, verschiedene Schichten und Glaubensrichtungen trafen hier aufeinander. Und auch Frauen und Kinder hätten zu einer Zeit, als ein Wirtshausbesuch für das „schöne Geschlecht“ kaum denkbar schien, im Schatten der Kellerbäume gesessen.