31.01.13
Unternehmenskultur, Arbeitnehmeralltag und Stadtentwicklung –
Die Geschichte der Baumwollspinnerei Erlangen-Bamberg (ERBA)
Inhaltliches Ziel des Forschungsprojektes ist es, die Unternehmenskultur und den Arbeitnehmeralltag der Baumwollspinnerei Erlangen-Bamberg sowie den Einfluss des Unternehmens auf die Entwicklung der Stadt Bamberg und insbesondere seines Ortsteiles Gaustadt zu untersuchen.
Die ERBA – unter dieser Bezeichnung hat sich das Unternehmen ins kollektive Gedächtnis der Bambergerinnen und Bamberger eingeprägt – war das erste Großunternehmen, das sich in der direkten Nachbarschaft zur Stadt Bamberg ansiedelte und offiziell im Jahr 1858 gegründet wurde. Die Unternehmenskultur war von Anfang an durch umfangreiche Sozialleistungen geprägt. Diese und andere Faktoren führten zu einer relativ großen Identifikation der Beschäftigten mit „ihrer“ Firma, die sich u. a. darin äußerte, dass oftmals mehrere Generationen von Familien in der ERBA arbeiteten. Gleichzeitig war die Unternehmenskultur von einer Vielzahl von Hierarchieebenen geprägt, die in der Regel jedoch nur Männern die Möglichkeit zum Aufstieg boten. Frauen konnten lediglich über eine Steigerung des Akkords mehr Geld verdienen, ohne jedoch im eigentlichen Sinne aufzusteigen. Vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hatte das Unternehmen damit zu kämpfen, dass die Löhne innerhalb der Textilindustrie deutlich niedriger lagen als in der metallverarbeitenden Industrie. Vor Ort machte der 1939 in Bamberg gegründete Ableger des Unternehmens Bosch der ERBA zunehmend Konkurrenz. Die ERBA versuchte, die Konkurrenz dadurch zu kompensieren, dass außer einheimischen Arbeitern und Arbeiterinnen verstärkt Arbeitskräfte von außerhalb eingesetzt wurden.
Laut Interviews, die bisher im Rahmen des Projektes durchgeführt wurden, wurden auf dem ERBA-Gelände in der NS-Zeit auch Zwangsarbeiter eingesetzt. Die genauen Umstände müssen noch erforscht werden. Nach 1945 wurden Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten beschäftigt. In den 1960er und 1970er Jahren griff die Unternehmensleitung verstärkt auf Arbeitsmigranten, die damals noch Gastarbeiter genannt wurden zurück. Nachdem die erste große Krise Mitte der 19070er Jahre („Glöggler-Krise“) vom Unternehmen noch gemeistert werden konnte, meldete das Unternehmen 1992/93 Konkurs an und stellte die Produktion ein. Auf Teilen des ERBA-Geländes führt die Stadt Bamberg im Jahr 2012 die Landesgartenschau durch.
Das Forschungsprojekt, das im Jahr 2007 von Prof. Dr. Andreas Dornheim am Lehrstuhl für Europäische Ethnologie (Prof. Dr. Heidrun Alzheimer) begonnen wurde, arbeitet sowohl mit der sozial- und kulturwissenschaftlichen Methode qualitativer Interviews als auch mit der historischen Methode der Heuristik, Quellenkritik und Quelleninterpretation. Das Projekt wird in Kooperation mit der Stadt Bamberg und der Projektgruppe Landesgartenschau 2012 durchgeführt. Am Ende werden eine Publikation und eine Ausstellung stehen.
Ab dem 26. April 2012 können Sie unsere Ausstellung auf dem Gelände der Landesgartenschau besuchen. Zu unserem
Auftaktwochenende vom 11. bis 13. Mai 2012 sind Sie recht herzlich eingeladen.