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Projekt: Edition von Handelsdokumenten der Welser-Gesellschaft 1496 - 1551

 Bearbeitung: Dr. Heinrich Lang

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Das Projekt "Oberdeutsche Handelsgesellschaften und die Entstehung der neuzeitlichen Weltwirtschaft: Dokumente zur Geschichte der Augsburger Welser-Gesellschaft aus europäischen Archiven (1496-1551)" ist ein von der Fritz Thyssen-Stiftung gefördertes Editionsvorhaben zur Geschichte der Handelsgesellschaften von Anton und Bartholomäus Welser auf der Basis von Quellenbeständen aus deutschen, österreichischen, belgischen, niederländischen und italienischen Archiven bzw. Bibliotheken.

Die Augsburger Welser-Gesellschaft gehörte neben dem Unternehmen der Fugger zu den größten und bekanntesten europäischen Firmen der beginnenden Neuzeit. Die Edition ihrer Handelsdokumente aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts stellt für die europäische Wirtschaftsgeschichte, für die Finanzgeschichte des frühmodernen Staates und die Praxis des frühneuzeitlichen Handelsrechts eine wichtige Grundlagenarbeit dar. Im Gegensatz zur weit entwickelten Fuggerforschung haben sich die Forschungsaktivitäten zu den Welsern bislang vornehmlich auf deren spanische und überseeische Unternehmungen konzentriert. Diese bilden jedoch nur einen Ausschnitt aus dem gesamten Tätigkeitsbereich der Handelsgesellschaft.

Die Welser waren stark im Geschäft mit Massengütern wie Textilien, Wolle, Gewürzen, Farbstoffen und Metallwaren engagiert. Sie hatten gemeinsam mit den Vöhlin zu Beginn des 16. Jahrhunderts ein dichtes Netz von Faktoreien und Kommissionären im oberdeutsch-schweizerischen Raum. So nahmen sie von 1491 bis 1524 die gesamte Tuchproduktion der Stadt Freiburg in Uechtland ab. In Böhmen und Sachsen beteiligten sie sich am Bergbau. Über ihre Faktoreien in Nürnberg, Antwerpen, Mailand und Venedig nahmen sie am großräumigen Warenverkehr und am Wechselgeschäft teil.

Am wichtigsten französischen Messe- und Finanzplatz Lyon sind sie als einziges der großen süddeutschen Unternehmen während der gesamten ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts nachweisbar. Sie gewährten der französischen Krone Darlehen und hatten gemeinsam mit dem Florentiner Handelshaus Salviati, mit dem sie eine jahrzehntelange geschäftliche Partnerschaft verband, seit 1521 den französischen Seidenzoll gepachtet. Die Kooperation der Salviati und der Welser verknüpfte über politischen Fronten hinweg verschiedene ökonomische Netzwerke.

Die kritische Edition von Quellen aus rund zwanzig europäischen Archiven und Bibliotheken dokumentiert die vielfältigen Aktivitäten der Welser-Gesellschaften. An eine weitgehend abgeschlossene Bearbeitung der überlieferten Fragmente Welserscher Rechnungsbücher schließt die Edition "fremder" Bestände an wie etwa die lückenlose Überlieferung der Geschäftsbeziehungen mit den Salviati in Lyon und Antwerpen (1508-1551) im Archivio Salviati in Pisa. Dadurch wird es möglich sein, die unterschiedlichen Ebenen der Warenproduktion und –distribution, des Kreditgeschäfts und Zahlungsverkehrs, der regionalen ökonomischen Verflechtungen und der europäischen Hochfinanz in ihrer Vielschichtigkeit und Komplexität zu erfassen. Darüber hinaus ergeben sich wesentliche Aufschlüsse über die Interaktion mit anderen europäischen Kaufmanns- und Finanzgruppen, über konjunkturelle Entwicklungen auf den Waren- und Finanzmärkten des 16. Jahrhunderts sowie über Ursachen, Verlauf und Beilegung ökonomischer Konflikte.