Kolloquium „Umgang mit Zeit" am 08. Juni 2011
Pädagogische Reflexionen
Veranstalter: Professur für Didaktik der Grundschule (Prof. Dr. Eva Heran-Dörr)
Moderation des Kolloquiums: Prof. Dr. Eva Heran-Dörr; PD Dr. Gerhard Handschuh
Referenten: Prof. Dr. Günther Schorch (Universität Bayreuth), Tobias Tretter (Universität Bamberg) und Projektarbeiten von Studierenden des Seminars 'Umgang mit Zeit im Sachunterricht'
Vortrag zum Philosophieren mit Kindern zum und über das Thema Zeit
Wie bereits Prof. Dr. Schorch in seinem Vortrag aufzeigte, ist Zeit ein Thema, welches sowohl sehr komplex ist, als auch in verschiedensten Fächern der Grundschule aufgegriffen werden kann und aufgegriffen werden sollte. Vielleicht erscheint mir auch aus diesem Grund, das Thema Zeit sehr geeignet, wenn wir über das Philosophieren mit Kindern im schulischen Kontext reden. Die Einladung, das Kolloquium durch einen Vortrag zu diesem Thema zu bereichern, hat mich sehr gefreut. Belohnt wurde ich, durch interessierte und diskutierende Studierende, welche dem Thema aufmerksam folgten. Noch bereichernder war es für mich jedoch als Vortragender, selbst Teil des Kolloquiums zu sein. Nicht nur der Vortrag von Herrn Prof. Dr. Schorch war für mich spannend, besondere Anerkennung verdienen die Projekte und aufgebauten Lernstationen der Studierenden. Was ich davon mitnehme? Vielleicht, dass ich in meiner eigenen Lehre so viel Engagement, Freude und Motivation wecken will. Sicherlich aber auch einige konkrete Ideen und Tipps der Studierenden, wie beispielsweise zwei präsentierte Kinderbücher, welche sich zum Philosophieren mit Kindern über das Thema Zeit einsetzen lassen und ich bis dato noch nicht kannte. In jedem Fall hoffe ich, dass trotz der vielen Arbeit, die solche Kolloquien für die Organisatorinnen und Organisatoren bedeuten, es noch viel öfter zum gemeinsamen Diskurs zwischen Studierenden und Lehrerenden um ein Thema kommt. Und ich auch dann - ganz egal ob als Gast oder als Vortragender – wieder dabei sein kann.
Tobias Tretter
wissenschaftlicher Mitarbeiter Uni Bamberg
Der große ‚Unzeitgemäße‘, Nietzsche, betrachtete ein „rasend-unbedachtes Zerfasern und Zersplittern aller Fundamente“ als Kennzeichen seiner, d. i. unserer Zeit. Und schon ein Jahrhundert zuvor hat Rousseau auf die Gefährdungen hingewiesen, die besonders Kindern aus einem gesellschaftlichen Umfeld erwachsen, das durch einen strukturellen Mangel an Zeit - Zeit für Kinder und die Zeit, die man ihnen für ihre Entwicklung lässt - gekennzeichnet ist. Das Thema Zeit und Beschleunigung spielt deshalb in der Pädagogik der Moderne eine zentrale - allerdings bis heute (zu) wenig beachtete - Rolle.
Als Erziehungswissenschaftler, der sich seit längerem mit dem Thema Zeit im Kontext von Erziehung und Bildung beschäftigt, war das Kolloquium (meiner lieben Kollegin Eva Heran-Dörr) ein erfreulicher Anlass, meine diesbezüglichen Vorstellungen und Überlegungen weiter zu klären und zu vertiefen, zumal die Elementarpädagogik ebenso wie die Grundschulpädagogik an den „Fundamenten“ (Nietzsche) in besonderer Weise interessiert sein muss - wenngleich sie sich mit Einschränkung daran keineswegs immer angemessen interessiert zeigt.
Besonders hilfreich und anregend war für mich die knappe, den Bogen gleichwohl erfrischend weit aufspannende Einleitung von Gerhard Handschuh und der klar strukturierte, sowohl bildungstheoretisch fundierte als auch empirisch gut abgesicherte Vortrag von Günther Schorch. Nach diesen eher grundsätzlichen Ausführungen hatte ich vom Vortrag von Tobias Tretter zugegeben etwas mehr Pragmatik erwartet - eine Erwartung, die der Vortrag offensichtlich nicht erfüllen wollte - und dies vollkommen zurecht: ohne klare Begriffe und saubere Unterscheidungen geht es eben auch und gerade im Zusammenhang mit dem Modethema ‚Philosophieren mit Kindern‘ nicht.
Im Lichte des Vortrages von Günther Schorch erschienen mir die - für sich genommen anregenden und wohl durchdachten - Projekte der Studierenden insgesamt etwas zu sehr auf die Themen Zeitbegriff und Zeitmessung fokussiert. Vielleicht erscheint dies aber auch nur einem Elementarpädagogen so, der von Rousseau nicht nur gelernt hat, dass Erziehungs- und Bildungsprozesse ihre eigene Zeit benötigen, sondern auch ihre eigene Zeit haben, und dass dem Begreifen der Zeit bei (Schul-)Kindern die ‚fundamentale‘ Erfahrung der Zeit zeitlich vorausgehen muss.
Insgesamt war es ein Kolloquium, dessen Form seinen Inhalt bestätigen konnte: die Bedeutung der Zeit, die Notwendigkeit eines bewussten Umgangs damit, des Sich-Zeit-Nehmens, des Zeit-Lassens und Zeit-Gebens. Das Bewusstsein dafür bei allen Beteiligten (Eltern, Erzieher, Kinder) bereits im Kindergarten und Grundschule zu schaffen, erscheint mir heute wichtiger denn je.
PD Dr. Frithjof Grell
Lehrstuhl für Elementar- und Familienpädagogik
Universität Bamberg
Die Möglichkeit, zum Schluss des Projektseminars an einem Forschungskolloquium teilzunehmen stellt für mich einen sinnvollen und absolut gelungenen Abschluss des Seminars in angenehmer Atmosphäre dar. Die Chance mit einem renommierten Autor der Grundschulpädagogik zu sprechen und dessen persönlichen Standpunkt kennen zu lernen, war eine sehr interessante und gewinnbringende Erfahrung. Die beiden Vorträge von Günther Schorch und Tobias Tretter fassten sowohl bekannte Probleme im Hinblick auf den „Umgang mit Zeit“ auf als auch neue Impulse zum Weiterdenken. Dadurch wurde auch die Komplexität des Themas „Umgang mit Zeit“ aufgegriffen und verdeutlicht. Die Beziehungen zum konkreten Unterricht in der Grundschule fand ich persönlich sehr hilfreich und hätte gerne noch mehr Zeit für eine Diskussion zu den vorgestellten Inhalten zur Verfügung gehabt.
Im zweiten Teil des Kolloquiums hatten wir die Möglichkeit an den vorbereiteten Expertenstationen zu arbeiten. Die Aufbereitung der Themen durch die einzelnen Gruppen war sehr vielfältig, jedoch war die Zeit leider zu knapp um an jeder Station ausführlich zu arbeiten. Es gab fünf verschiedene Stationen zu folgenden Aspekten des Umgangs mit Zeit im Sachunterricht: Zeit unter physikalischem, geschichtlichem, biologischem und sozio-ökonomischem Aspekten, sowie eine Station zum Thema Zeit im Grundschulunterricht allgemein. Durch die Arbeit an den Stationen bekamen wir vielfältige Ansatzpunkte für den Unterricht aufgezeigt. Insgesamt war das Kolloquium eine gewinnbringende und praktisch orientierte Angelegenheit, die einen meiner Meinung nach wertvollen Abschluss für ein Seminar darstellte.
Stefanie Scherbel
Grundschullehramtstudentin
Nach neun bereichernden Wochen des Seminars „Umgang mit Zeit“ freute ich mich auf das fachwissenschaftliche Kolloquium. Woche für Woche wurden wir durch interessante Texte, zum Beispiel von unserem Referenten Herrn Prof. Dr. Günther Schorch, und Diskussionsansätzen zum Thema „Umgang mit Zeit in den Schulen“ oder der Frage „Was ist Zeit?“ auf das Kolloquium vorbereitet.
Das Gespräch mit dem Zeitexperten Prof. Dr. Günther Schorch, der Vortrag „Philosophieren mit Kindern“ von Tobias Tretter und die Präsentation unserer Arbeiten stellten dabei die Höhepunkte des Nachmittags dar. Ein größeres Zeitfenster wäre jedoch für das Durchlaufen der einzelnen Zeitstationen wünschenswert gewesen. Die Gespräche mit den Experten erwiesen sich als fachlich sehr fruchtbar. Anregungen für die eigene berufliche Entwicklung des Lehrers konnten gesammelt werden.
Julia Hornung
Grundschullehramt und Beratungslehramt

