Mit den beiden Leitbegriffen "Generationenbewusstsein" und "Generationenkonflikte" sucht das Graduiertenkolleg für die bislang in dieser Hinsicht stark vernachlässigten Epochen der Antike und des Mittelalters ein kulturgeschichtliches, mentalitätsgeschichtliches und sozialgeschichtliches Konzept fruchtbar zu machen, welches besonders in den historisch orientierten Sozialwissenschaften in jüngerer Zeit mit bemerkenswerten Ergebnissen entwickelt und zur Anwendung gebracht worden ist. Ausgehend von einem aus der historischen Anthropologie abgeleiteten Generationenbegriff, der den "Erfahrungsraum" (Reinhart Koselleck) als generationales Spezifikum begreift, sollen "Generationenzusammenhänge" (im Sinne Karl Mannheims) in verschiedenen historischen Kontexten der Vormoderne sowie deren literarische Verarbeitung untersucht werden. Herausragende Bedeutung kommt dabei den in unterschiedlichen Formen des Generationenbewusstseins wurzelnden Generationenkonflikten zu, die maßgeblich wichtige Phasen, Krisen und 'Wendezeiten' in Antike und Mittelalter prägten und entsprechenden Widerhall in Dichtung, philosophischem, historiographischem und theologischem Schrifttum fanden.
Das strikt interdisziplinär und komparatistisch angelegte Forschungsprogramm setzt sich mithin zum Ziel, grundlegende Elemente kollektiver Identität vormoderner Gesellschaften zu identifizieren und zu beschreiben sowie entsprechende Traditions- und Rezeptionslinien, die von der Antike ausgehen und bis in die beginnende Neuzeit führen, zu ermitteln und zu analysieren. Daraus wiederum ergibt sich folgerichtig ein Studienprogramm, welches die transdisziplinäre Perspektive, den interdisziplinären Dialog und die gemeinsame methodische Verpflichtung auf aktuelle Standards eines modernen kulturwissenschaftlichen Konzepts verlangt.