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Unter den Flügeln der Nacht

Nevfel Cumart liest Gedichte
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Poetikprofessur 2013

Jenny Erpenbeck kommt nach Bamberg
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Zwischen Ost und West: Grenzgänger-Lesungen

Im Rahmen dieser Vortragsreihe stellen renommierte Autorinnen und Autoren der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur Bü̈cher vor, die Grenzen und Grenzüberschreitungen zwischen Ost und West beschreiben. Dabei handelt es sich um literarische Werke, deren Entstehung – wie auch die Bamberger Vortragsreihe selbst – durch das Grenzgänger-Programm der Robert Bosch Stiftung in Kooperation mit dem Literarischen Colloquium Berlin unterstützt wurde. Kolja Mensing, Jenny Erpenbeck, Olga Grjasnowa, Feridun Zaimoglu, Julia Schoch und Sibylle Lewitscharoff lesen an sechs Abenden ausgewählte Passagen aus ihren Grenzgänger -Texten. Anschließend berichten sie über ihre Recherchen, über Schwierigkeiten, unverhoffte Entdeckungen und die literarische Verarbeitung ihrer eigenen Grenzgänger - Erfahrungen. 

Die Gegenwartsliteratur ist einer der Forschungsschwerpunkte an der Universität Bamberg: Diese Veranstaltung lenkt nun die Aufmerksamkeit auf deren interkulturelle Ausrichtung. Geographische, kulturelle, sprachliche, politische und gesellschaftliche Grenzen und Grenzüberschreitungen gehören zu den wichtigsten literarischen Sujets der Gegenwart. Die im Rahmen der Vortragsreihe vorgestellten Bücher reflektieren zum einen die Wirkungsmacht mentaler, gesellschaftlicher und politischer Grenzziehungen – und stellen ihr zugleich genuin literarische Grenzüberschreitungen entgegen.

 

Die Autorinnen und Autoren lesen immer mittwochs, am

24.10.2012 Kolja Mensing: Die Legenden der Väter (2011)

21.11.2012 Jenny Erpenbeck: Heimsuchung (2008) 

12.12.2012 Olga Grjasnowa: Der Russe ist einer, der Birken liebt (2012) 

9.1.2013 Feridun Zaimoglu: Hinterland (2009) 

23.1.2013 Julia Schoch: Kaliningrader Nacht (2008) 

30.1.2013 Sibylle Lewitscharoff: Apostoloff (2009)

 

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen! Der Eintritt ist frei!

 

Die Vortragsreihe wird unterstützt von der Robert Bosch Stiftung in Kooperation mit dem Literarischen Colloquium Berlin.

Die Autorinnen und Autoren der Lesereihe

Kolja Mensing, 1971 in Oldenburg geboren, lebt als freier Schriftsteller und Journalist in Berlin. In seinem autobiografisch geprägten Debütroman Wie komme ich hier raus? (2002) reflektiert er die eigene Kindheit in der Provinz sowie die (Un-)Möglichkeit, dieser langfristig zu entkommen. In Bamberg stellt Mensing seine biografische Veröffentlichung Die Legenden der Väter (2011) vor, in der er sich auf Spurensuche begibt und der Figur seines ihm nur durch die väterlichen Erzählungen bekannten Großvaters nachspürt. Die akribischen Recherchen führen Mensing in Archive, Kirchenchroniken und schließlich nach Polen in jene oberschlesischen Ortschaften, aus denen der Großvater stammt. Die geplante Annäherung an den Großvater weicht jedoch sukzessive der ernüchternden Entzauberung einer Heldenfigur, die es so nur in den Erinnerungen des Vaters gegeben hat.

Jenny Erpenbeck, geboren 1967 in Ost-Berlin, hat verschiedene Theaterstücke und Erzählungen veröffentlicht, die unter anderem mit dem Preis der Jury beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2001 honoriert wurden. In Bamberg stellt sie ihren Roman Heimsuchung (2008) vor, in dessen Zentrum ein Familienanwesen am Ufer des märkischen Scharmützelsees steht. Erpenbeck verzichtet in ihrem Roman auf ein chronologisches, lineares Erzählen und überlässt den unterschiedlichen Bewohnern des Hauses die Erzählstimme. Zusammen mit dem Haus werden damit rund 100 Jahre deutscher Geschichte porträtiert – 100 Jahre, die nicht nur auf dem Grundstück am Scharmützelsee deutliche Spuren hinterlassen haben.

Olga Grajsnova wurde 1984 in Baku, Aserbaidschan, geboren und zog 1996 gemeinsam mit ihrer Familie nach Berlin. In Bamberg liest sie aus ihrem überaus erfolgreichen Debütroman Der Russe ist einer, der Birken liebt (2012), für den sie zuletzt mit dem Klaus- Michael-Kühne-Preis ausgezeichnet wurde. Mascha, die Protagonistin, ist eine jüdische Aserbaidschanerin, die mit elf Jahren gemeinsam mit ihrer Familie nach Deutschland flüchtet und hier früh erfahren muss, „dass Sprachen Macht bedeuteten“. In der Folge eignet Mascha sich verschiedene Sprachen an, beherrscht fünf schließlich fließend und hat nur ein Ziel: eine Karriere als Übersetzerin bei der UNO. Ein tragischer Schicksalsschlag lässt Mascha Frankfurt und Deutschland den Rücken kehren und führt sie nach Israel. Auch hier bleibt sie jedoch heimatlos. 

Feridun Zaimoglu, 1964 in der Türkei geboren, lebt seit mehr als 35 Jahren in Deutschland. Öffentliche Aufmerksamkeit erlangt er 1995 mit seinem semifiktiven Interviewband Kanak Sprak (1995) oder auch mit seinem vielfach preisgekrönten Roman Leyla (2006). In Bamberg liest er aus seinem 2009 erschienenen Roman Hinterland, einem, so der Autor in einem Interview, „Buch der vielen Schauplätze“. Darin wird der Leser mit einer im Sinne der Romantik verzerrten Wirklichkeit konfrontiert, die ihn – mal märchenhaft verzaubert, mal orientalisch übersteigert – auf eine faszinierende Reise schickt: von Prag durch die Türkei, auf die Insel Föhr, nach Budapest und an den Plattensee, nach Krakau und schließlich zurück nach Berlin.

Julia Schoch, 1974 in Brandenburg geboren, studierte Germanistik und Romanistik und lebte längere Zeit in Paris, Bukarest und Kaliningrad. Für ihre literarischen Texte, etwa den Erzählband Der Körper des Salamanders (2001) oder den Roman Mit der Geschwindigkeit des Sommers (2009) wurde sie mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. In Bamberg stellt sie ihr erstes Hörspiel Kaliningrader Nacht (2008) vor, das mit einem tragischen Unfall beginnt. Auf der Suche nach ihrem Freund wird eine Frau auf regennasser Straße von der Straßenbahn erfasst und verunglückt tödlich. Bald stellt sich jedoch die Frage, was wirklich passiert ist und wie schmal die Grenze zwischen Unfall und Verbrechen verlaufen kann. 

Sibylle Lewitscharoff wurde 1954 in Stuttgart als Tochter eines bulgarischen Vaters und einer deutschen Mutter geboren. Für ihre Erzählung Pong erhielt sie 1998 den Ingeborg-Bachmann-Preis, dem zahlreiche weitere Auszeichnungen für das in der Folge veröffentlichte Romanwerk folgten. In Bamberg liest die Autorin aus ihrem Roman Apostoloff (2009), der den Preis der Leipziger Buchmesse erhielt. Dabei handelt es sich um ein Roadmovie der besonderen Art: Die Ich-Erzählerin überführt gemeinsam mit ihrer älteren Schwester die exhumierten Überreste ihres früh verstorbenen Vaters von Stuttgart nach Bulgarien, wo die Leichenreste endlich in heimatlicher Erde begraben werden sollen. Aus dem Wagenfenster heraus erfolgt die widerwillige Annäherung an das eigentlich verhasste Herkunftsland, das ambivalente Emotionen hervorruft und zugleich Kindheitserinnerungen an eine schwierige Vaterfigur weckt.

 

 

Das Grenzgänger-Seminar zur Lesereihe

Immer donnerstags, von 10 bis 12 Uhr, findet in Raum U5/01.17 das von Prof. Dr. Friedhelm Marx und Dr. Stephanie Catani veranstaltete gleichnamige Seminar zur Lesereihe statt. Wie bei der Bamberger Poetikprofessur werden die Autorinnen und Autoren dieses Seminar am Tag nach ihren Grenzgänger -Lesungen besuchen und mit den Studierenden sowie mit allen interessierten Lesern über ihre Texte sprechen.

 

Lesung mit Doron Rabinovici

Am 12. Juni liest Doron Rabinovici (Wien) aus seinem Roman

A N D E R N O R T S:

An der Universität 2/025 um 20 Uhr

 

Doron Rabinovici schreibt Romane, Essays und Kurzgeschichten, zudem ist er Autor einer historischen Doktorarbeit, die soeben ins Englische übersetzt wird. Die Gattungen, in denen er erfolgreich schreibt, sind vielfältig, auch seine Themen und Interessen sind es, ebenso wie sein politisches Engagement. Er gehörte zu denjenigen, die sich seinerzeit Jörg Haider mutig entgegenstemmten und ist auch heute noch, nach dem Unfalltod Haiders, ein engagierter Schriftsteller im wörtlichen Sinn. Am Anfang Karriere als Schriftsteller stand die kleine Prosaform, dort wurde das Schreiben zum „Puzzlespiel der Erinnerung“ (Papirnik). Inzwischen hat Doron Rabinovici, der in Tel Aviv geboren wurde und als Kleinkind nach Wien kam, mehrere erfolgreiche Romen vorgelegt: Die Suche nach M. , Ohnehin und jetzt der auf der Shortlist des deutschen Buchpreises aufgenommene Roman Andernorts). Andernorts erzählt die Geschichte von Ethan Rosen, einem in Wien als Soziologe lehrenden Israeli, der sich erfolgreich durch die globalisierte Welt und ihre Anforderungen und Thematiken bewegt. Einen Bruch erfährt der polyglotte Rosen, als sein Vater schwer erkrankt und man um sein Leben fürchten muss. Rosen reist nach Israel, um bei seinem Vater zu sein. Zusammen mit der neuen Freundin Noa richtet er sich in Tel Aviv wieder ein, ohne das alte Leben in der Diaspora aktiv zu beenden, er meldet sich einfach nicht mehr in Wien.  

Wenn Wien New York wäre, dann könnte Doron Rabinovici vielleicht ein jüngerer Bruder Woody Allen sein. In  der Mitte seines Lebens und als nun schon erfahrener Schriftsteller wird eine Eigenschaft seines Schreibens immer deutlicher: sein Humor, der vor den eigenen Erkenntnissen nicht Halt macht, der vor allem aber auch die orthodoxe Variante des Judentums mit Spott überzieht. Rabinovicis Schreiben überschreitet lachend die Normalität, findet neue Formen des jüdischen Witzes, seine Texte machen Mut, den Dialog zwischen nichtjüdischer und jüdischer Kultur neu zu beginnen. Er zeigt in seinem Erzählen, wie Juden sich  in einer  globalisierten Welt bestens zurechtfinden, weil die Diaspora ihnen seit Jahrtausenden vertraut ist. Und er zeigt in seinem Werk, wie wichtig die Rolle ist, die eine Stadt wie Tel Aviv dabei spielt. Die Lesung konfrontiert uns mit den modernen globalisierten Lebensentwürfen unserer Zeit und lässt nachdenken über den Stellenwert, der der eigenen Herkunft zukommt. Witzig und humorvoll bringt Andernorts sicher geglaubte Identitäten ins Wanken.  

Präsentation der Anthologie Stirb & Werde

Für die Anthologie Stirb & Werde sind bekannte Autoren aus Bamberg und der Region wieder Tandem gefahren: Sie haben ein halbes Jahr lang mit Studierenden der Otto-Friedrich-Universität sowie einer Schülerin an Erzählungen gearbeitet, die das Goethesche Motto auf faszinierende und höchst unterschiedliche Weise interpretieren. Als Mentoren beteiligt waren diesmal unter anderem Nora Gomringer, Tanja Kinkel und Martin Beyer.

Die Anthologie Stirb & Werde, die im studentischen Verlag perpetuum publishing erscheint, wird am Donnerstag, 10. Mai um 19 Uhr im Rahmen der Reihe Literatur in der Universität präsentiert. Diese Veranstaltung ist Teil des Literaturfestivals Bamberg liest und des KONTAKT-Festivals und findet statt im Alten Hallenbad, Margaretendamm 5. Der Eintritt ist frei.

Es lesen die Tandems Anna Degen & Andrea Amft, Maia Tabukashvili & Sophia Léonard, Peter Braun & Thilo Martens sowie Martin Beyer & Judith Wiedemann.

 

Mehr Informationen unter  externer Link folgt www.bamberg-liest.de

Lesungen im Januar 2012

Christoph Peters

liest aus Sven Hofestedt sucht Geld für Erleuchtung

Freitag, 20. Januar 2012,

19 Uhr s.t.

U2/025

 

Wolfgang Schlüter

liest aus Die englischen Schwestern

Dienstag, 31. Januar,

20 Uhr s.t.,

U2/025

Markus Orths liest aus 'Die Tarnkappe'

Mittwoch, 7. Dezember 2011

20.00 Uhr s.t.

Hörsaal U2/025 (An der Universität 2)

Eintritt frei!

 

Markus Orths,  geboren 1969 in Viersen, studierte Philosophie, Romanistik und Englisch an der Universität Freiburg. Er arbeitete als Lehrer unter anderem in Stutensee und Göppingen und lebt seit 2001 als freier Schriftsteller in Karlsruhe. 

Sein Debüt als Schriftsteller gab Markus Orths mit seinem im sisyphos-Verlag erschienenem Erzählband Schreibsand (1999). Hier versammelter verschiedene Erzählungen, die sich mit dem Prozess des Schreibens, dem Tod und der Suche nach sich selbst beschäftigen.

In seinem Erfolgsroman Lehrerzimmer (2003) beschreibt Orths die Institution Schule als ein auf Angst, Jammer, Schein und Lügen basierendes, totalitäres System. Ohne jede Chance, die schulische Willkür zu verstehen und zu durchschauen, versucht Studienassessor Kranich den Schulalltag zu meistern. Mit viel Ironie, Witz und Übertreibung wird das schulische Scheitern eines motivierten, jungen Lehrers beschrieben, der verzweifelt einen Ausweg aus diesem Albtraum zu finden sucht.

Wie in dieser Satire auf das Bildungssystem stehen auch in anderen Texten neurotische Figuren und skurrile Alltagsszenen im Zentrum von Orths’ Prosa. Die aus der Psychiatrie entlassene und zwangsneurotisch veranlagte Lynn Zapatek, die Hauptfigur in dem 2008 erschienenen Roman Das Zimmermädchen, arbeitet als Reinigungsfachkraft im Hotel Eden. Fasziniert vom fremden Leben der Hotelgäste, legt sie sich eines Abends unter das Bett eines Gastes und saugt das Fremde in sich ein. Immer länger verweilt die Voyeurin unter den Betten  der Gäste, getrieben von ihrem sinnentleerten Dasein, Neugier und Verzweif­lung. Dieser Text entwirft das Bild eines Menschen, der von Anonymität, Einsamkeit und Ängsten bestimmt ist. 

Auch Orths neuster Roman Die Tarnkappe (2011) nähert sich der Frage nach der Identität und Anonymität des Menschen. Die Hauptfigur dieses „fantastischen“ Textes, Simon Bloch, findet eine Tarnkappe, die es ihm ermöglicht, ungesehen am Leben anderer Menschen teilzunehmen. Doch je größer das Verlangen nach dem Tragen der Kappe wird, desto mehr verliert sich der Protagonist und verschwindet tatsächlich. „Am Ende der spannenden Lektüre ist man nicht nur geheilt vom Kinderwunsch, einmal unsichtbar zu sein, man reagiert auch nachhaltig irritiert, wenn eine Tür ohne ersichtlichen Grund zuschlägt.“ (Deutschlandradio Kultur)

 

 

 

Werke

 

1999 Schreibsand

2001 Wer geht wo hinterm Sarg?

2002 Corpus

2003 Lehrerzimmer

2005 Catalina

2006 Fluchtversuche

2006 Nach dem Ende

2008 Das Zimmermädchen

2009 Hirngespinste

2011 Die Tarnkappe

2011 Im Séparée

 

 

 

 

Auszeichnungen und Förderungen (Auswahl)

2000 open mike der literaturWERKstatt Berlin

2003 Förderpreis des Marburger Literaturbetriebs des Landes NRW

2006 Heinrich-Heine-Stipendium

2006 Walter-Scott-Preis

2006 Goldener Lorbeere

2008 Literaturstipendium des Landes Baden-Württemberg

2008 Telekom-Austria-Preis (Ingeborg-Bachmann-Preis)

2009 Niederrheinischer Literaturpreis der Stadt Krefeld

2011 Phantastik-Preis der Stadt Wetzlar

Kristof Magnusson liest

Foto von Thomas Dashuber

Kristof Magnusson liest aus Das war ich nicht

Dienstag, 21. Juni 2011

20.00 s.t.

Hörsaal U2/025 (An der Universität 2)

Eintritt frei!

 

Kristof Magnusson, geboren 1976 in Hamburg, studierte nach einer Ausbildung zum Kirchenmusiker am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Neben seinen beiden Romanen erschienen Theaterstücke und Übersetzungen aus dem Isländischen.

Seine erfolgreiche Komödie Männerhort (2002) zeigt vier (Ehe-)Männer, die an der Einkaufssucht ihrer Frauen verzweifeln. Aus Trotz schaffen sie sich in einem Heizungskeller einen Rückzugsraum, in dem sie noch Männer sein dürfen, mit Bundesligatabelle und Playmate an der Wand, mit Fernseher und Giganto Tool Tech. Doch drängt sich im Laufe des Stücks die Frage auf, ob das eigentlich so sein muss, diese Rollenverteilung und das gegenseitige Verstecken. Das Stück wurde an zahlreichen Bühnen inszeniert, unter anderem 2005 am Theater am Kurfürstendamm mit Bastian Pastewka und Christoph Maria Herbst.

Kristof Magnussons Romandebüt Zuhause (2005) ist eine packende Mischung aus Roadmovie und Saga. Eigentlich will Làrus mit seiner Sandkastenfreundin Mathilda ein Pärchenweihnachtsfest auf Island verbringen, gemeinsam mit ihren Partnern Milan und Svend. Daraus wird allerdings nichts, denn beide Beziehungen sind kurz zuvor in die Brüche gegangen. Die Dinge beginnen auf eine seltsame Art und Weise aus dem Ruder zu laufen: Làrus beginnt eine Affäre und gerät damit zugleich in das Räderwerk einer der mächtigsten isländischen Familien, deren Wurzeln bis in die Egill-Skallagrímsson-Saga zurückreichen. So stolpert Làrus zu einem Soundtrack aus The Smith, Mùm und Depeche Mode von Abenteuer zu Abenteuer.

Kristof Magnussons zweiter Roman Das war ich nicht (2010), aus dem er in Bamberg lesen wird, verknüpft die Lebenswege dreier Figuren vor dem Hintergrund der Weltfinanzkrise. Der erfolgreiche amerikanische Autor Henry LaMarck hat eine Schreibkrise und flüchtet deshalb (gerade bei der Verlagsparty zu seinem sechzigsten Geburtstag) vor der fordernden Welt in ein Hotelzimmer in Chicago. Dort wird er auch von seiner Übersetzerin Meike Urbanski gesucht, die das angekündigte neue Buch unbedingt braucht, um den Kredit für ihr Haus zurückzuzahlen. Vervollständigt wird die ménage à trois durch den jungen Investmentbanker Jasper Lüdemann. Zwischen diesen Figuren entspinnt sich ein Netz aus Anziehungen und Abhängigkeiten, eine exemplarische und ironische Szenerie über den Zusammenhang von Kultur und Kapital. Wie schon im Debütroman strebt der Text nach einer Entmythologisierung; „Wirtschaft“ und „Kultur“ sind nicht mehr getrennte Ressorts einer Tageszeitung, sie kollabieren im Dunstkreis dieser drei Figuren.

 

Werke:


2000 Enge im Haus und im Sarg. Theaterstück

2001 Der totale Kick. Theaterstück

2002 Männerhort. Theaterstück

2005 Zuhause. Roman

2008 Sushi für alle. Theaterstück

2010 Das war ich nicht. Roman

2011 Gebrauchsanweisung für Island. Gebrauchsanweisung

 

Übersetzungen (Auswahl):

Audur Jónsdóttir: Jenseits des Meeres liegt die ganze Welt (2011)

Einar Kárason: Versöhnung und Groll (2011)

 

Preise und Förderungen:

2001 Arbeitsstipendium Akademie der Künste, Berlin

2002 Arbeitsstipendien Kulturstiftung des Freistaats Sachsen

2002 Arbeitsstipendium Deutscher Literaturfonds

2003 Literaturförderpreis der Freien und Hansestadt Hamburg

2004 Aufenthaltsstipendium der EU im Europäischen Übersetzerkollegium Straelen

2006 Rauriser Literaturpreis

2010 Longlist des Deutschen Buchpreises

Präsentation der Anthologie "Zeichen & Wunder"

Oberfränkische Schriftsteller, Stipendiaten der Villa Concordia und studentische Nachwuchsautoren im Dialog

Mittwoch, 18. Mai, 20.00 Uhr, Aula der Otto-Friedrich-Universität Bamberg (Dominikanerstraße 2a)

 

Zeichen zu setzen und von den kleinen und großen Wundern des Lebens zu erzählen, das ist das Geschäft des Schriftstellers. Es ist jedoch in der Regel ein einsames Geschäft. Etablierte Autorinnen und Autoren aus Oberfranken sowie Stipendiaten des Internationalen Künstlerhauses Villa Concordia haben sich daher auf ein einzigartiges Experiment eingelassen: Sie haben für die Anthologie Zeichen & Wunder Patenschaften übernommen und mit jeweils einem Bamberger Studierenden ein Tandem gebildet, um gemeinsam an Geschichten für das Buch zu arbeiten. Entstanden sind Kurzgeschichten, ein Hörspiel und ein Dramolett, auf vielfältige Weise wurde das Thema der Anthologie umgesetzt.

 

Die Studierenden haben vorher an einem Seminar für Kreatives Schreiben von Dr. Martin Beyer, Autor und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Neuere deutsche Literaturwissenschaft, teilgenommen, das den Studierenden ein Forum bieten soll, um gemeinsam an Texten zu arbeiten, Schreibtechniken zu erlernen und, genauso wichtig, gemeinsam über Texte zu sprechen, sich gegenseitig zu loben und zu kritisieren.

 

Am 18. Mai stellen vier Tandems ihre Arbeit vor:

• Kurt Kreiler (Stipendiat Villa Concordia) & Katharina Müller-Güldemeister

• Dulce Maria Cardoso (Stipendiatin Villa Concordia) & Raphael Thierschmann

• Thomas Kastura & Julia Schmidt

• Rolf-Bernhard Essig & Christina Dehler

 

Die Präsentation der Anthologie in der Reihe „Literatur in der Universität“ ist eingebettet in das neue Lesefestival Bamberg liest, das 2011 erstmalig stattfinden wird. Insgesamt gibt es drei Veranstaltungen, an denen die Anthologie präsentiert wird, die Reihe endet am 21. Mai um 12 Uhr am „Gabelmann“ (Grüner Markt) mit einer Open-Air-Lesung, bei der unter anderem Oberbürgermeister Andreas Starke aus Zeichen & Wunder lesen wird. Am 19. Mai lesen drei weitere Tandems in der Buchhandlung Görres.Bamberg liest soll keine einmalige Veranstaltung sein, sondern in den darauffolgenden Jahren weiteren Studierenden, Autoren, Verlegern und auch Schülern eine Möglichkeit geben, ihre eigenen Literaturprojekte öffentlich zu präsentieren.

Weitere Informationen unter www.bamberg-liest.de.

 

Die Anthologie Zeichen & Wunder erscheint im Verlag perpetuum publishing, der vom Bamberger Studenten Lukas Wehner gegründet wurde. Zu den Veranstaltungen ist die Anthologie zum Vorzugspreis von 7,00 Euro erhältlich, der Eintritt zu den Veranstaltungen ist frei.

Lesung

© Arne Schultz

Annette Pehnt liest aus ihrem neuen
Erzählungsband

Donnerstag, 9. Dezember 2010
20.00 Uhr s.t.
Hörsaal U2/025 (An der Universität 2)

Einen Nachbericht zur Lesung finden Sie hier.


Annette Pehnt, geboren 1967 in Köln, studierte Anglistik, Germanistik und Keltologie in Köln und Freiburg. Nach mehreren Studien- und Arbeitsaufenthalten in Irland, Schottland und den USA sowie ihrer 1997 abgeschlossenen Promotion lebt sie heute in Freiburg, wo sie unter anderem als freie Schriftstellerin und Kritikerin arbeitet.

2001 debütierte Annette Pehnt mit dem Roman Ich muß los, den die Jury des aspekte-Literaturpreises mit einer besonderen Empfehlung ehrte. Mit dem Anti-Helden Dorst schuf sie eine Figur, die durch ihre eigenbrötlerische, unergründliche Art Leser und Feuilletonisten gleichermaßen faszinierte. Ein regelrechter Kauz, der die schwarzen Anzüge seines toten Vaters aufträgt und als selbsternannter Reiseführer seine grenzenlose Phantasie auslebt. Erst als die junge Elner in sein Leben tritt, wacht Dorst auf. In ihrem zweiten Roman Insel 34 stellt die Autorin eine namenlose Ich-Erzählerin in den Mittelpunkt, die wie Dorst ein jugendlicher Underdog ist. Auf der Flucht vor der elterlichen Fürsorge entwickelt die junge Frau eine Leidenschaft für abgelegene, rätselhaft erscheinende Inseln. Im Spiel mit dem Motiv der Inselutopie erzählt Annette Pehnt auf ironische Art und Weise gleichzeitig die Geschichte des Erwachsenwerdens. Für einen Ausschnitt aus Insel 34 erhielt sie 2002 den Preis der Jury beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt.

Der Roman Haus der Schildkröten aus dem Jahr 2006 liest sich als leiser, mit distanzierter Trauer und lakonischer Distanz geschriebener Text. Vordergründig handelt die Geschichte von einem Mann und einer Frau, die ihre Eltern im Seniorenheim besuchen und deren Wege sich dort kreuzen. Sie suchen aneinander Halt, fühlen sich angesichts des Leides ihrer Eltern jedoch schuldig. Der Roman rührt an ein gesellschaftliches Tabu: Das Leben im Altersheim, einem Ort, an dem Schweigen und Monotonie zu ständigen Begleitern geworden sind.

Der neue Erzählband Man kann sich auch wortlos aneinander gewöhnen das muss gar nicht lange dauern verknüpft die verschiedenen Themen der Autorin: In sechs kurzen Texten erzählt sie von Menschen, deren Leben sich in einem Ausnahmezustand befindet. Das Moment der Einsamkeit ist dabei allgegenwärtig; die Zugführerin, die während einer ICE-Fahrt plötzlich ihr Gehör verliert, ist zwischen den Fahrgästen ebenso allein wie das trauernde Geschwisterpaar am Totenbett der Mutter oder der autistische Georg mit seinen überforderten Eltern. Jedes dieser „Minidramen“ (Die Welt) schildert Momentaufnahmen einer zerfallenden Normalität, hinter der die Sehnsüchte der Figuren hervorblitzen. Aus diesem Band wird Annette Pehnt in Bamberg lesen.

 

 

Werke (Auswahl)

2001 Ich muß los. Roman

2003 Insel 34. Roman

2005 Der kleine Herr Jakobi. Kurzgeschichten

2006 Haus der Schildkröten. Roman

2007 Mobbing. Roman

2010 Man kann sich auch wortlos aneinander gewöhnen das muss gar nicht lange dauern. Erzählungen

 

 

Preise und Förderungen (Auswahl)

2001    Besondere Empfehlung der Jury des aspekte-Preises

            Förderpreis im Rahmen des Künstlerinnenpreises des Landes

            Nordrhein-Westfalen

            Mara Cassens-Preis des Hamburger Literaturhauses

2002    Großes Stipendium des Deutschen Literaturfonds, Darmstadt

            Preis der Jury beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb, Klagenfurt

2004    Jahres-Stipendium des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung

            und Kunst des Landes Baden-Württemberg

2008    Thaddäus-Troll-Preis

2009    Italo-Svevo-Preis

Lesung

© Armando Gallo

Patrick Roth liest aus "Real Time an den Feuern".


Donnerstag, 2. Dezember 2010
20.00 Uhr s.t.
Hörsaal U2/025 (An der Universität 2)

Einen Nachbericht zur Lesung finden Sie hier.

 

  

Patrick Roth, 1953 in Freiburg/Breisgau geboren, wuchs in Karlsruhe auf. Im Anschluss an ein Sprachstudium in Paris studierte er Anglistik, Germanistik und Romanistik in Freiburg sowie Anglistik und Filmwissenschaft in Los Angeles, wo er bis heute einen dauerhaften Wohnsitz hat. Patrick Roth erschafft „erzählchoreografische Kunststücke“ (Die Zeit), die sich als wortgewaltige Erzähllandschaften vor dem Leser entfalten und ihn durch ihre intertextuelle Verwobenheit in ihren Bann ziehen. Auf den Spuren seiner Protagonisten macht sich Roth auf die Suche nach der Grenze zwischen dem Bewussten und Unterbewussten, zwischen der Welt der Lebenden und der Toten. Durch die Verbindung biblischer Motive mit Einflüssen des Films und der Psychoanalyse wird die metaphysische Dimension seiner Erzählwelten sichtbar. Für Aufsehen sorgte Patrick Roth erstmals mit seiner Christustrilogie, die aus den Bänden Riverside (1991), Johnny Shines oder Die Wiedererweckung der Toten (1993) und Corpus Christi (1996) besteht. Im Auftrag des Apostels Thomas befragen zwei Brüder in Riverside den Einsiedler Diastasimos, was genau sich in den Tagen vor dem letzten Abendmahl zugetragen hat. Doch die Befragung erweist sich als ein verwinkeltes und unkalkulierbares Verwirrspiel. In Johnny Shines oder Die Wiedererweckung der Toten ist der Protagonist von der Vorstellung besessen, Tote wieder zum Leben erwecken zu können. Corpus Christi schließlich befasst sich mit der Suche des Judas Thomas nach dem Leichnam Christi – die Befragung der im Grab des Gekreuzigten festgenommenen Fremden Tirzia führt jedoch zu einer für alle Beteiligten überraschenden Wende. Rex, Moss, Gary und June heißen die Protagonisten des Erzählbandes Starlite Terrace (2004). Ehemals waren sie daran beteiligt, das Triebwerk der Traumfabrik in Gang zu halten, mittlerweile wohnen sie unweit Hollywoods in einer heruntergekommenen Appartementanlage. Rex berichtet von seinem Vater, der das Hand-Double in Gary Coopers „Zwölf Uhr Mittags“ gewesen sein soll; Moss ist auf der Suche nach einem verschollenen Manuskript; Gary sehnt sich danach, durch den Glauben von seiner Schuld befreit zu werden, und June wird gegen Ende des Erzählbandes in einem Akt der Selbsttaufe regelrecht neugeboren.

In seinen Heidelberger Poetikvorlesungen, die unter dem Titel Zur Stadt am Meer (2005) erschienen sind, hebt Roth die Signifikanz nächtlicher Traumwelten als Quellen seiner schriftstellerisch-kreativen Tätigkeit hervor. In Bamberg wird Patrick Roth aus einem unveröffentlichten Manuskript mit dem Titel Real Time an den Feuern lesen.

„Am Ende von Patrick Roths Geschichten stockt einem regelrecht der Atem, und man muß sich kurz orientieren, um wieder in die eigene Haut zurückzufinden.“ (Die Zeit)

 

Werke (Auswahl)

1990 Die Wachsamen

1991 Riverside. Christusnovelle

1993 Johnny Shines oder Die Wiederweckung der Toten

1996 Corpus Christi

1997 Meine Reise zu Chaplin. Ein Encore

2001 Die Nacht der Zeitlosen

2004 Starlite Terrace

2005 Zur Stadt am Meer. Heidelberger Poetikvorlesungen

2006 Lichternacht. Weihnachtsgeschichte

 

Preise und Förderungen

2002 Hugo-Ball-Preis

2005 Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung

2006 Mainzer Stadtschreiber

Lesung mit Georg Klein

Copyright: Jürgen Bauer

Georg Klein liest aus Roman unserer Kindheit.

 

Dienstag, 16. November 2010
20.00 Uhr s.t.
Hörsaal U2/025 (An der Universität 2)

Einen Nachbericht zur Lesung finden Sie hier.

 

Georg Klein, geboren 1953 in Augsburg, studierte Germanistik, Geschichte und Sozialkunde in München. Er arbeitete als Sprachlehrer und Ghostwriter und lebt heute als freier Autor im ostfriesischen Bunde. Sein literarisches Debüt Libidissi (1998) ist vordergründig ein Thriller: Der schizophrene Agent Spaik irrt auf der Flucht vor zwei Killern durch die fiktive Stadt »Libidissi« – ein dunkles Labyrinth, dessen Bewohner »Piddi-Piddi« sprechen und in der eine ominöse Seuche mit dem Namen »Mau« grassiert. Auf den zweiten Blick erweist sich der Roman als Spiel mit der Genrekonvention, als »sprachlich faszinierende Kreuzung aus Agentengeschichte und urbaner Utopie« (FAZ): Klein zitiert Momente des Thrillers, um sie in eigenwillige und phantastische Bilder zu übersetzen. Die Detektivgeschichte Barbar Rosa (2001) setzt das Genre-Spiel fort: Der (Anti-)Held ist ein von allergischen Ausschlägen geplagter Detektiv auf der Suche nach einem gestohlenen Geldtransporter, der sich auf die »Blödigkeit des Vorwärtsstolperns« als Ermittlungsmethode verlässt und seine Informationen aus russischen Comics bezieht. Gemäß Kleins Motto, »dass sich das kreative System selbst abbildet«, kreist diese bizarre Erzählung um das Erzählen selbst, ruft zahlreiche intertextuelle Bezüge auf, um ihren Helden zuletzt ebenfalls als Textgewebe zu enttarnen: Sein Gesicht erscheint als Maske aus »aufgeweichter, halbzerkauter Papiermasse«, auf der noch »einzelne Lettern, halbe Wörter« zu erkennen sind. Der Roman unserer Kindheit (2010), aus dem Klein in Bamberg lesen wird, erzählt von sieben Kindern in einer Siedlung am Rand Oberhausens. Vor ihnen liegt ein endloser Sommer, der mit einem Unglück beginnt: Der Ältere Bruder gerät mit seinem Fuß zwischen die Speichen eines Fahrrads und muss von seinen Freunden, dem Schniefer, dem Ami-Michi, der Schicken Sibylle, dem Wolfskopf und den Witzigen Zwillingen, in einem umgebauten Kinderwagen durch die Gegend gefahren werden. Der Roman zeichnet ein Zeitbild der frühen sechziger Jahre: Die Väter sind Kriegsheimkehrer, die Invaliden allgegenwärtig, erste Fernseher und Telefone halten Einzug in bürgerliche Wohnzimmer. Darüber hinaus überführt Klein die Kindheit in einen »düsteren, bluttriefenden Sommernachtstraum« (FAZ) und entwirft eine zeitlose, mythische Kindheitswelt. Das Dämonische brodelt dabei stets unter der Oberfläche: Ein Kommandant mit Silberplatte im Kopf taucht auf, der mysteriöse Mann ohne Gesicht kann mit den Mäusen sprechen und der taubstumme Vogelzüchter prophezeit den Kindern, dass eines von ihnen getötet werden soll …

 

»Ein Geniestreich ist dieser Roman, opak, dicht, verrückt, hässlich und irre schön.« (Zeit)

 

 

Werke (Auswahl)

1998 Libidissi. Roman

1999 Anrufung des blinden Fisches. Erzählungen

2001 Barbar Rosa. Eine Detektivgeschichte

2002 Von den Deutschen. Erzählungen

2004 Die Sonne scheint uns. Roman

2006 Die Hölle der Autoren. Erzählung

2007 Sünde Güte Blitz. Roman

2007 Nacht mit dem Schandwerker. Erzählung

2008 Was der Pepita-Mann weiß. Erzählung

2009 Die Logik der Süße. Erzählung

2010 Roman unserer Kindheit. Roman

 

 

Preise und Förderungen

1999 Brüder-Grimm-Preis für Libidissi

2000 Ingeborg-Bachmann-Preis

2010 Preis der Leipziger Buchmesse für Roman unserer Kindheit

Lesung mit Katharina Hacker

[Bildquelle: Renate von Mangoldt]

Katharina Hacker liest aus "Alix, Anton und die anderen"

Donnerstag, 21. Januar 2010

20.00 Uhr s.t.

Hörsaal U5/024 (An der Universität 5)

 

 

Einen Nachbericht zur Lesung finden Sie hier!

 

 

Katharina Hacker, geboren 1967 in Frankfurt am Main, studierte Philosophie, Geschichte und Judaistik an der Universität Freiburg und an der Hebräischen Universität Jerusalem. Sie arbeitete als Deutschlehrerin und Dozentin an der School for Cultural Studies in Tel Aviv und lebt heute als freie Schriftstellerin in Berlin.

 

In ihrem literarischen Debüt Tel Aviv. Eine Stadterzählung (1997) porträtiert Hacker mit großer lyrischer Kraft das Leben in der Stadt am Meer und deren in ständiger Bedrohung lebende Bewohner. Die Erzählung beobachtet die Figuren in zerbrechlichen Momenten von Angst, Einsamkeit und Trauer und fängt ihre unterschiedlichen, mitunter problematischen Lebens- und Identitätsentwürfe ein. Dabei ist der politische Hintergrund immer gegenwärtig und eng verknüpft mit dem Leben der Menschen.

Auch in ihrem Roman Der Bademeister  (2000) verbindet Katharina Hacker ein persönliches Schicksal mit weltgeschichtlichen Ereignissen. Der Protagonist Hugo, 58 Jahre und von Beruf Bademeister, muss seine Arbeit aufgeben, weil sein Schwimmbad am Prentzlauer Berg kurz nach der Wende geschlossen werden soll. In einem konsequent durchgehaltenen Monolog wird Hugos Lebensgeschichte rückblickend entfaltet: Hugos Vater, ein Nationalsozialist und Mörder, hatte den Sohn einst misshandelt und zudem an der Aufnahme eines Studiums gehindert. Erst die Anstellung als Bademeister in jenem nun von der Schließung bedrohten Bad und die damit verbundene Verantwortung für das Wohl seiner Badegäste hatten Hugo Zuflucht vor den familiären Abgründen und einen neuen Lebensinhalt in Aussicht gestellt.

Der Roman Die Habenichtse (2006), mit dem die Autorin im gleichen Jahr den Deutschen Buchpreis gewann, erzählt von einer scheinbar desillusionierten und unpolitischen Generation. Erneut verschränken sich hier individuelle Biografien mit kollektiven Erinnerungsmomenten, etwa in der Figur Jakobs, der mit seinem Kollegen den Flieger tauscht und damit dem Attentat vom elften September entgeht.

Ihr aktueller Roman Alix, Anton und die anderen (2009), aus dem Katharina Hacker in Bamberg lesen wird, geht layouttechnisch neue Wege. Der in zwei Spalten abgedruckte Roman ermöglicht dem Leser zwei oft parallel verlaufende Handlungsstränge gleichzeitig zu verfolgen und stellt Gedanken und Innenwelten der einzelnen Figuren gegenüber. Jan, dessen Frau Alix und die Freunde Bernd und Anton sind um die 40 und treffen sich seit 19 Jahren jeden Sonntag zum gemeinsamen Essen bei Alix‘ Eltern. Doch die familiäre Harmonie erweist sich rasch als eine „Welt unter dem Zeichen des Todes“ (FAZ, 20.11.2009). Der Unfalltod des Sohnes, Alix‘ Bruder, der als Kleinkind im See beim heimischen Garten ertrank, überschattet das familiäre Miteinander ebenso wie die heimliche Leidenschaft des Vaters für Mai Linh, die ein vietnamesisches Restaurant besitzt, das von Kriminellen um Schutzgeld erpresst wird. So beginnt das anfängliche Idyll am Esstisch zu verblassen...

 

Werke

1997                Tel Aviv. Eine Stadterzählung

1998                Morpheus oder Der Schnabelschuh. Erzählungen

2000                Der Bademeister. Roman

2003                Eine Art Liebe. Roman

2006                Die Habenichtse. Roman

2007                Überlandleitung. Prosagedichte

2009                Alix, Anton und die anderen. Roman

Außerdem war Katharina Hacker als Übersetzerin aus dem Hebräischen tätig.

 

Preise und Förderungen

2001                Aufenthaltsstipendium für Schloss Wiepersdorf

2005/06          Stadtschreiberin von Bergen-Enkheim

2006                Deutscher Buchpreis für Die Habenichtse

2006                d.lit. – Literaturpreis

 

Lesung mit Peter Stamm

[Bildquelle: Claudia Below]

Peter Stamm liest aus "Sieben Jahre".

Dienstag, 12. Januar 2010, 20.00 Uhr s.t.

Hörsaal U7/105 (An der Universität 7)

 

Einen Nachbericht zur Lesung finden Sie hier.

 

 

 

Lesung mit Elazar Benyoëtz

Eingezweifelt in Gott. Variationen über ein verlorenes Thema

Elazar Benyoëtz liest aus seiner Dichtung und seiner Prosa.

Dienstag, 17.11.2009, 19.00 Uhr

Israelitische Kultusgemeinde Bamberg, (Willy-Lessing-Straße 7a)

 

Veranstalter:

Lehrstuhl für Alttestamentliche Wissenschaften,

Professur für Judaistik,

Lehrstuhl für Neuere deutsche Literaturwissenschaft der Otto-Friedrich-Universität Bamber,

Israelitische Kultusgemeinde Bamberg

 

Gefördert aus Mitteln des Bundesministeriums des Innern, durch den Universitätsbund Bamberg e.V. und die Sparkasse Bamberg

 

Elazar Benyoëtz (*1937 als Sohn Wiener Juden) lebt seit 1939 in Jerusalem und gehört zu den bedeutendsten israelischen Gegenwartsautoren. Seine Essays und Aphorismen erscheinen überwiegend in deutscher Sprache. Für sein literarisches Werk wurde E. Benyoetz mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Joseph-Breitband-Preis, dem Bundesverdienstkreuz und dem Österreichischen Ehrenkreuz 1. Klasse für Wissenschaft und Kunst.

Eine Auseinandersetzung mit dem Werk Elazar Benyoëtz ist in mehrfacher Hinsicht lohnend:

Aus einer an Gegenwartsliteratur interessierten Perspektive gehört er inzwischen zu den führenden deutschsprachigen Aphoristikern. In wohl einzigartiger Weise gelingt ihm eine Synthese von jüdischer Denkwelt und deutscher Sprache. Sein Werk steht stark in der Tradition der hebräischen Bibel, des christlichen "Alten Testaments", und ringt nicht zuletzt um eine angemessene Sprachform für religiöse Aussagen nach Auschwitz. Auch aufgrund seiner Biographie sucht E. Benyoetz den Dialog zwischen Juden und Christen und erweist sich als präzise analysierender Impulsgeber. Schließlich beobachtet er als kulturschaffender Israeli die Situation im Nahen Osten mit großer Wachsamkeit.

Der Lehrstuhl für alttestamentliche Wissenschaften (Prof. K. Bieberstein / O. Rölver) und Frau Prof. S. Talabardon (Professur für Judaistik) organisieren die Dichterlesung in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Neuere deutsche Literaturwissenschaft (Prof. Marx) sowie der Israelitischen Kultusgemeinde Bamberg, in deren Räumen die Veranstaltung am 17. November 2009 um 19.00 Uhr stattfindet. Die Lesung wird musikalisch umrahmt von der Harfinistin Susanne Globisch.

 

Lesung mit Helmut Krausser

[Bildquelle: Hagen Schnauss]

Helmut Krausser liest aus seinem Roman "Einsamkeit und Sex und Mitleid".

Donnerstag, 5. November 2009, 20.00 Uhr s.t.U2/025 (An der Universität 2)

 

 

 

 

 

Lesung mit Marica Bodrožić

[Bildquelle: Miranda Leonhardt]

Am Mittwoch, 27. Mai 2009, 20.00 Uhr s.t. Hörsaal U7/105 (An der Universität 7), liest Marica Bodrožić aus "Sterne erben, Sterne färben. Meine Ankunft in Wörtern".

 

Die Autorin Marica Bodrožić ist mit zehn Jahren aus ihrer ersten Sprache gefallen. 1983 folgte sie ihren Eltern aus Dalmatien nach Deutschland, wo sie bis heute lebt. Über ihre „Ankunft in Wörtern“ hat sie in der Edition Suhrkamp 2007 einen poetischen Bericht vorgelegt, aus dem sie in Bamberg lesen wird. In „Sterne erben, Sterne färben“ beschreibt Marica Bodrožić, wie die deutsche Sprache ihr zu einem Terrain des Wissens und des Fragens, aber auch des Träumens wurde. „Nur im Deutschen ließ es sich präzise träumen“, heißt es dort.


In ihrem Roman „Der Spieler der ersten Stunde“ (2005) und in ihrem Erzählband „Der Windsammler“ (2007) hat Marica Bodrožić zwei entgegengesetzte Reiserichtungen eingeschlagen. Im Roman wird die Kindheit der kleinen Jelena Felder aus Dalmatien erzählt, vor und während jenem Herausfallen aus der Heimat, aus der Sprache, vor dem endgültigen Eintritt in eine terra incognita. Die Erinnerung an die Heimat wird zu einem Komplizen – und zu einem Gauner. In den elf Erzählungen geht es um Versuche der Rückkehr auf die dalmatinisch-istrischen Inseln, in die magischen Räume der Kindheit, in eine manchmal fremd gewordene Wirklichkeit. „Wir wollen nur unser Geburtshaus sehen und Ferien machen“, sagt eine Figur – was für eine Untertreibung!


Ist das alles also ein „übermütiges Stück Biographie“ (Süddeutsche Zeitung) oder gar eine „Erfolgsgeschichte der Integration“ (FAZ)? Das sind vielleicht zu enge Schablonen. Marica Bodrožić hat in diesen Büchern eine eigenwillige, poetische, kraftvolle Sprache gefunden. Traum und Wirklichkeit, Erinnerung und Zukunft sind verwoben in ihren Texten, das „Schaltwerk der Bilder“ ist wunderschön und manchmal erschreckend. Fremdes und Eigenes werden zu einem dritten Raum, den zu betreten sich für jeden lohnen wird, der das Unbekannte nicht flieht.

Also „hinein in die Welt, in der die Namen und Wörter atmen dürfen, ohne eine Begründung dafür haben zu müssen, ohne Rechtfertigung und auch ohne eine Absicht“!


Marica Bodrožić, geboren 1973 in Svib (Kroatien), studierte Kultur-anthropologie, Psychoanalyse und Slawistik in Frankfurt am Main. Nach längeren Aufenthalten in Paris und Zürich lebt sie als freie Schriftstellerin, Kritikerin und Regisseurin in Berlin.

 

 

Werke (Auswahl)

2002 Tito ist tot. Erzählungen.

2005 Der Spieler der inneren Stunde. Roman.

2007 Sterne erben, Sterne färben. Meine Ankunft in Wörtern.

2007 Der Windsammler. Erzählungen.

2007 Ein Kolibri kam unverwandelt. Gedichte.

2008 Lichtorgeln. Gedichte.



Preise und Förderungen (Auswahl)

2001 Hermann Lenz-Stipendium

2002 Heimito von Doderer-Förderpreis

2003 Adalbert-von-Chamisso-Förderpreis

2003 Arbeitsstipendium der Robert Bosch-Stiftung

2004 Arbeitsstipendium „Grenzgänger“ der Robert Bosch-Stiftung

2005 Adalbert Stifter-Förderpreis

2005 writer in residence in Bordeaux

2006 Jahresstipendium vom Deutschen Literaturfonds

2007 Literaturpreis (zum Kunstpreis) der Akademie der Künste Berlin

2008 Initiativpreis zum Kulturpreis Deutsche Sprache

 

Lesung mit Martin Beyer

Am Dienstag, 12. Mai 2009, 20 Uhr, liest Martin Beyer aus seinem Trakl-Roman "Alle Wasser laufen ins Meer".

Gäste des Abends sind SilbenMusik, Jan Burmester und DJ Platte.

 

Einen Nachbericht zur Lesung finden Sie hier.

 

 

Martin Beyer, geboren 1976 in Frankfurt am Main, veröffentlichte mit 18 Jahren seine erste Erzählung. Nach seiner Promotion arbeitet er als freier Schriftsteller, Redakteur und Dozent. Seit 2003 leitet er mit dem Gitarristen Gerald Kubik das Musik-Literatur-Projekt „SilbenMusik“. „Alle Wasser laufen ins Meer“ erschien im März 2009 im Verlag Klett-Cotta.

 

Martin Beyer erzählt in „Alle Wasser laufen ins Meer“ von der obsessiven Beziehung des Dichters Georg Trakl zu seiner Schwester Grete und beschreibt die schöpferische Raserei und Leidenschaft junger Künstler in all ihrer Zeitlosigkeit.

Sehnsucht, Besessenheit, Dekadenz – Berlin, Wien, Salzburg – Martin Beyer lässt die Boheme des 20. Jahrhunderts lebendig werden. Er erzählt von einer großen Tragödie der Literaturgeschichte und lässt ein Leben zwischen Verzweiflung und Lust literarisch auferstehen.

Den jungen Dichter Georg Trakl und dessen Schwester, die Pianistin Grete, verbindet eine Zuneigung, die nicht bloß platonisch ist. Doch Grete schwärmt zugleich für Georgs schüchternen Dichterfreund Erhard Buschbeck. Während der Salzburger Kaufmannsfamilie der Niedergang droht, begeben sich die drei auf die Suche nach künstlerischer Erfüllung. Und obwohl sich ihre Wege trennen, bleiben sie einander innig verbunden.

 

 

Gäste des Abends:

Der Künstler Jan Burmester, geboren 1969, zeigt eine Installation im Spiegel-Saal der Haas Säle.

Das Duo SilbenMusik präsentiert einige Trakl-Gedichtvertonungen, die 2007 zum 120. Geburtstag des Dichters entstanden sind.

Im Anschluss Musik mit DJ Platte und die Gelegenheit, mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen. 

 

 

Publikationen von Martin Beyer (Auswahl)

1995            Fragezeichen. Erzählung.

1998            Nimmermehr. Erzählung.

2001            Sterzik. Erzählung.

2003            Hinter den Türen. Nach Motiven der Krabat-Sage. 

2004            LautSprechen (Hrsg. mit Nora Gomringer). Hörbuch.

2009            Alle Wasser laufen ins Meer. Roman.

2009            Die Medea der großen Stadt. Anthologie-Beitrag.

 

 

Förderungen und Preise 

2000 Preisträger „Junges Literaturform“ des Landes Hessen

2002 Stipendium des Landes Schleswig-Holstein in Cismar

2003  Autorenstipendium in Visby, Schweden

2004 Autorenstipendium der Fundación Valparaíso, Spanien

2004 1. Preisträger des Wettbewerbs „Berlin in Berlin“ 

2007 Endausscheidung zum Prenzlauer Berg Literaturpreis

 

 

Lesung mit Thomas Hettche

[Bildquelle: Herlinde Koelbl]

Am Mittwoch, 29. April 2009, 20 Uhr, liest Thomas Hettche aus "Woraus wir gemacht sind". Die Veranstaltung findet im Hörsaal U2/025 um 20 Uhr s.t. statt.

 

Einen Nachbericht zur Lesung finden Sie hier.

 

 

Thomas Hettche, 1964 in Treis/Hessen geboren, lebt seit 2005 in Berlin und Erschmatt/Schweiz. Er studierte Philosophie und Literaturwissenschaften in Frankfurt a.M. und wurde hier mit einer medienhistorischen Arbeit über Venedig promoviert. Seit 1992 arbeitet er als freier Schriftsteller und Journalist, schrieb unter anderem für die Frankfurter Allgemeine Zeitung und die Neue Züricher Zeitung.

Von 1995 bis 1999 war er Juror des Ingeborg-Bachmann-Preises sowie 2001 Initiator des Spycher Literaturpreises. 2002 übernahm er an der Mainzer Akademie der Wissenschaften eine Poetik-Dozentur und war im darauf folgenden Jahr Gast des Collegium Helveticum der ETH Zürich.

1989 erscheint Hettches Debutroman „Ludwig muss sterben“, der für Aufsehen bei Publikum und Kritik sorgt gerade weil er sich durch seine komplexe erzähltechnische Gestaltung und eine dichte Verflechtung medizinischer, psychologischer und historischer Diskurse eindeutigen Zuschreibungen bewusst zu entziehen scheint. Hier, wie auch im Roman „NOX“ (1995), der eine Mörderin auf ihrer Flucht durch das von Euphorie und Freudentaumel gebannte Berlin in der Nacht des Mauerfalls begleitet, zeichnet sich die Erzählhaltung durch einen sezierenden Blick auf physische Vorgänge aus einen Blick, der abstoßend und anziehend zugleich wirkt. Körperlichkeit bleibt auch das Leitthema des Essays „Animationen“ (1999), der nur vordergründig von einer Venedig-Reise berichtet. Tatsächlich wird hier die Geschichte eines Körpers und der Bilder erzählt, die diesen Körper unmittelbar vor der Wende zum 21. Jahrhundert multimedial einfangen, mitunter brechen jedoch immer neu erfinden.

Dem folgend thematisiert auch die Anthologie „NULL“ (2000) den radikalen Medienwandel der Gegenwart und dokumentiert das Entstehen eines von Hettche initiierten Online-Experiments, das die in einem work in progress entstandenen Texte verschiedener junger Autoren in einer ursprünglich online zugänglichen Anthologie vereint. Hier reagiert Hettche unmittelbar auf die poetologischen Herausforderungen durch die Neuen Medien, die mit dem Vormarsch des Internets nicht nur Schreibbedingungen, sondern insbesondere den Begriff der Autorschaft und die Erscheinungsform von Literatur neu definieren.

Mit dem Kriminalroman „Der Fall Arbogast“ (2001) und dem jüngstem Roman „Woraus wir gemacht“ sind (2006) wendet Hettche sich dem literarischen Umgang mit historischen Ereignissen und damit einem neuen Genre zu. Während der erste Text einen Kriminalfall aus den 1950er Jahren aufgreift, spielt der zweite vor der Kulisse New Yorks, am Jahrestag der Anschläge vom 11. September und unmittelbar vor Ausbruch des Irakkriegs. Mit der verzweifelten Suche eines Deutschen nach seiner auf der Reise entführten Frau erzählt der Roman zugleich auch von einem in der Fremde Verlorenen: Dieser muss lernen, die Grenzen zwischen den eigenen stereotypen Vorstellungen vom fremden Land und dem, was er tatsächlich dort sieht, neu zu bestimmen.



Publikationen (Auswahl)

1989 Ludwig muss sterben. Roman

1992 Inkubation

1995 NOX. Roman

1997 Das Sehen gehört zu den glänzenden und farbigen Dingen

1999 Animationen

2000 NULL (Herausgeber zusammen mit Jana Hensel)

2001 Der Fall Arbogast. Kriminalroman

2003 Stellungen. Vom Anfang und Ende der Pornographie

2006 Woraus wir gemacht sind. Roman

2007 Fahrtenbuch 1993-2007



Förderungen und Preise (Auswahl)

1990 Rauriser Literaturpreis

1990 Robert-Walser-Preis

1994 Ernst-Robert-Curtius-Förderpreis für Essayistik

1996 Villa-Massimo-Stipendium

2001 Spycher Literaturpreis Leuk

2005 Premio Grinzane Cavour

 

Lesung mit Thorsten Palzhoff

Am Donnerstag, 15. Januar 2008, 20 Uhr s.t. liest Thorsten Palzhoff im Rahmen der Reihe Literatur in der Universität. Veranstaltungsort ist der Raum U5/024.

 

Einen Nachbericht zur Lesung finden Sie hier.

 

Thorsten Palzhoff wurde 1974 in Wickede geboren. Seit 2008 ist er als freier Schriftsteller tätig, zuvor war er Mitarbeiter des Zentrums für Literatur- und Kulturforschung Berlin und arbeitete als Lokalreporter, Musik- und Sprachlehrer. Bereits 2006 veröffentlichte er seinen Debütband „Tasmon“, der die drei Erzählungen „Lewkin“, „Tasmon“ und „Laura“ enthält, die den Leser ins Russland der 40er und 70er Jahre, das letzte Jahrzehnt der DDR-Zeit und das heutige Berlin entführen und durch das Motiv des Verschwindens verbunden sind.

Ebenfalls 2006 wurde er von der Gesellschaft zur Förderung der Westfälischen Kulturarbeit e.V. mit dem Förderpreis im Bereich Literatur ausgezeichnet. Außerdem wurde er 2005 als Stipendiat der Autorenwerkstatt Prosa des Literarischen Colloquiums Berlin ausgewählt und erhielt 2007 den „Kunstpreis Literatur“. Im Rahmen des Projekts „Scritture Giovani 2007“ schrieb er die Erzählung „Greuthers Orpheus“, die 2008 in der „Neuen Rundschau“ veröffentlicht wurde und von der Aufführung einer „Orpheus“-Oper handelt, in der Fiktion und Realität verschwimmen. 2008 trat Palzhoff beim Bachmann-Preis mit seinem Text „Livia“ an, in dem ein Fernsehteam des WDR in Rumänien zweieinhalb Monate nach dem Tod Ceausescus der Identität des Landes nachspürt.

 

Lesung mit Albert Ostermaier

Am Mittwoch, 28. Mai 2008, 20 Uhr liest Albert Ostermaier im Rahmen der Reihe Literatur in der Universität. Veranstaltungsort ist der Raum U7/105.

 

Einen Nachbericht zur Lesung finden Sie hier.

 

Albert Ostermaier zählt zu den renommiertesten deutschsprachigen Gegenwartslyrikern und -dramatikern. Er wurde 1967 in München geboren und publizierte mit 21 Jahren seinen ersten Lyrikband. Dem Theaterpublikum wurde er 1995 mit dem Dramendebüt Zwischen zwei Feuern. Tollertopographie bekannt, vier Jahre später folgte – anlässlich des 100. Geburtstages von Bertolt Brecht – das vielbeachtete Stück The Making Of. (B.-Movie). Bis heute liegen neun weitere Gedichtbände und 22 Dramen vor, zudem Erzählungen und seit Februar 2008 der erste Roman Zephyr.


Albert Ostermaier war Hausautor am Nationaltheater in Mannheim sowie beim Bayerischen Staatsschauspiel in München, seit 2003 schreibt er für das Wiener Burgtheater. 2005 ernannte ihn die Stadt Augsburg zum Künstlerischen Leiter des neuen internationalen Brecht-Festivals „ABC“, das erstmals im Juli 2006 stattfand. Die Gedichte und Stücke von Albert Ostermaier sind in über zwanzig Sprachen übersetzt und wurden in der ganzen Welt aufgeführt, u. a. in Los Angeles, New York, Athen, Santiago de Chile, Kiew und Teheran.


In Bamberg wird Albert Ostermaier vor allem aus seinen jüngsten Gedichtbänden lesen. In Polar (2006) stellt er das französische Kino der sechziger und siebziger Jahre in den Mittelpunkt, indem er die Atmosphäre des „film noir“ aufgreift. Der Torwart ist immer dort, wo es weh tut (2006) bildet den lyrischen Echoraum der Fußballleidenschaft Ostermaiers, der erst vor wenigen Wochen als Torwart ein Spiel der Autorennationalmannschaft bestritten hat. Und der Band Für den Anfang der Nacht von 2007 versammelt die Liebesgedichte Ostermaiers.


Publikationen (Auswahl)

1995 Zwischen zwei Feuern. Tollertopographie. Drama.

1998 Radio Noir. Drama.

1999 The Making Of. (B.-Movie). Drama.

1999 Heartcore. Lyrik.

2001 Autokino. Lyrik.

2003 Auf Sand. Drama.

2006 Polar. Lyrik

2006 Der Torwart ist immer dort, wo es wehtut. Erzählungen und Gedichte.

2007 Für den Anfang der Nacht. Lyrik.

2008 Zephyr. Roman.

 

Förderungen und Preise (Auswahl)

1990 Literaturstipendium der Stadt München

1995 Lyrikpreis des PEN Liechtenstein

1997 Ernst-Toller-Preis

1999 Stipendium des Centre régional des Lettres Bordeaux

2000 Autorenpreis des Heidelberger Stückemarktes

2001 Writer in Residence New York University

2003 Kleist-Preis

 

 

 

Lesung mit Alain Claude Sulzer

Am Mittwoch, 14. Mai 2008, 20 Uhr liest Alain Claude Sulzer im Rahmen der Reihe Literatur in der Universität. Veranstaltungsort ist der Raum U5/024.

 

Einen Nachbericht zur Lesung finden Sie hier.

 

Alain Claude Sulzer, geboren 1953 in Riehen/Schweiz, absolvierte eine Ausbildung zum Bibliothekar und war später als Journalist tätig. Seit den achtziger Jahren veröffentlicht er literarische Werke. 1990 nahm er am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt teil, 2008 wird er Juror dort sein. Neben seiner literarischen Tätigkeit ist er auch als Übersetzer und Herausgeber tätig. Sulzer lebt heute in Basel und im elsässischen Vieux-
Ferrette.


In seinem Debütroman Das Erwachsenengerüst (1983) erzählt Sulzer voneinem jungen Erwachsenen, der von Bildern aus seiner Kindheit eingeholtwird. Die Erinnerungen verschwimmen mit der Gegenwart, aber die Bilderdecken sich nicht. Zugleich werden in dem Roman idyllisch erscheinendeRandzonen, etwa die Kinderwelt oder das Elsass, kritisch unter die Lupegenommen. In seinem dritten Roman Urmein (1998) macht Sulzer ein kleines Städtchen am Fuße des Piz Beverin zum Schauplatz seiner Handlung. Dort bezieht der italienische Graf Emilio Galli ein halb verfallenes Schloss als Ruhesitz. Mit ausgewählten Freunden aus halb Europa will er hier zusammenleben und der Außenwelt, die auf den Ersten Weltkrieg zutreibt,den Rücken kehren. In der Novelle Annas Maske (2001) bedient sich Sulzereiner wahren Begebenheit: Er greift den Mord an der Stuttgarter Sopranistin Anna Sutter auf, die am 29. Juni 1910 von ihrem Liebhaber, dem Dirigenten Aloys Obrist, ermordet wurde. Der soeben auch auf Englisch erschienene Roman Ein perfekter Kellner (2004) ist eine Geschichte über Liebe und Verrat. Erneste, Kellner in einem vornehmen Schweizer Grandhotel der 1930er Jahre, soll den Neuankömmling Jakob unterweisen. Die beiden verlieben sich ineinander. Als Jakob ihn betrügt und für einen älteren, wohlhabenden Mann verlässt, geht Erneste tief verletzt seinen eigenen Weg. Doch nach Jahrzehnten wird er von seiner Lebensliebe um einen dreisten Gefallen gebeten. Im aktuellen Roman Privatstunden (2007) geht es um einen jungen osteuropäischen Emigranten, der in der Schweiz die deutsche Sprache bei einer Privatlehrerin erlernt. Diese Deutschlehrerin wird zum wichtigsten Bezugspunkt in seinem neuen Leben. Über das elementare Erlernen der deutschen Sprache entsteht eine Nähe, der sich weder die Lehrerin noch ihr Schüler entziehen können.

 

Publikationen (Auswahl)
1983 Das Erwachsenengerüst. Roman.
1985 Bergelson. Erzählung.
1988 Das Künstlerzimmer. Erzählungen.
1990 Die siamesischen Brüder. Roman.
1998 Urmein. Roman.
2001 Annas Maske. Novelle.
2004 Ein perfekter Kellner. Roman.
2007 Privatstunden. Roman.


Förderungen und Preise
1983 Förderpreis der Stadt Köln
1984 Rauriser Literaturpreis
1988 Stipendium des Berliner Senats
1999 Schillerpreis der Zürcher Kantonalbank
2003 Werkbeitrag der Stiftung Pro Helvetia
2005 Einzelwerkpreis der Schweizerischen Schillerstiftung

 

Lesung mit Martin Walser

[Bildquelle: Jim Rakete]

Mittwoch, 16. April 2008, 20 Uhr s.t. liest Martin Walser aus seinem neuen Buch

Ein liebender Mann

in der Aula der Universität Bamberg, Dominikanerstr. 2a.

 

Einen Nachbericht zur Lesung finden Sie hier.

 

Ein liebender Mann (2008)

Marienbad, 1823: Der 74-jährige Goethe verbringt zum dritten Mal den Sommer mit der Familie Levetzow, in deren erst 19 Jahre alte Tochter Ulrike er sich leidenschaftlich verliebt. Eine unmögliche Liebe – weiß nicht nur Goethe, sondern zeigen auch die Reaktionen eines um den alternden „Dichterfürsten“ besorgten Umfeldes, allen voran der verständnislose Sohn August und die eifersüchtige Schwiegertochter Ottilie. Dennoch kommt es schließlich zu einem Heiratsantrag, der ebenso höflich wie entschlossen abgelehnt wird. Goethe reist ab – er wird Ulrike nicht wiedersehen. Zurück in Weimar, bleibt ihm nur die Flucht in das Schreiben und damit in die Fiktion, denn: „Solang er schrieb, war sie da. Sobald er nicht schrieb, fehlte sie.“ In der Folge entsteht die Marienbader Elegie, jener Text, mit dem Goethe seiner letzten Liebe, dem glücklichen Sommer an der Seite Ulrikes und dem Abschiedsschmerz nach der Trennung ein literarisches Denkmal setzt.

In Ein liebender Mann erzählt Martin Walser nicht zum ersten Mal von einer Liebe, die mit einem enormen Altersunterschied ringt: Nach Helmut Halm in Brandung (1985), Gottlieb Zürn in Der Augenblick der Liebe (2004) und Karl von Kahn in Angstblüte (2006) ist es mit Goethe jedoch zum ersten Mal eine historische Figur, die über das Altern und das Glücksgefühl eines späten Sich-Verliebens reflektiert und schließlich die Verzweiflung unerfüllter Liebe aushalten muss. Glänzend erzählt, sanft und kraftvoll zugleich, gelingt es dem Roman, der Hoffnungslosigkeit einer letzten großen Leidenschaft eindringlich nachzugehen, ohne sie dabei der Lächerlichkeit preiszugeben.



Der Autor

Martin Walser gehört seit Jahren zu den renommiertesten Schriftstellern Deutschlands. 1927 in Wasserburg am Bodensee geboren, studierte er Literaturwissenschaft, Geschichte und Philosophie, arbeitete zunächst beim Rundfunk, um sich mit 30 Jahren, nach der Publikation seines ersten Romans Ehen in Philippsburg, für eine freie Schriftstellerexistenz zu entscheiden. Seither sind zahlreiche Romane, Novellen, aber auch Theaterstücke und Essays von Martin Walser erschienen, die die verdeckten Wunschträume und die Abgründe der bundesrepublikanischen Nachkriegsgesellschaft ausleuchten. Das Spektrum der Auszeichnungen für sein literarisches Werk reicht vom Hermann-Hesse Preis (1957) über den Georg Büchner-Preis (1981) bis zum Friedenspreis des deutschen Buchhandels im Jahr 1998, mit dessen streitbarer Dankesrede Martin Walser eine öffentliche Kontroverse über den Umgang mit der deutschen Vergangenheit auslöste. Zuletzt veröffentlichte er den Band Leben und Schreiben. Tagebücher 1963-1973.


Lesung mit Christof Hamann

[Bildquelle: Susanne Catrein]

Am Mittwoch, 23. Januar 2008 findet von 20 Uhr s.t. im Hörsaal U5/024 (An der Universität 5) eine Lesung im Rahmen der Reihe "Literatur in der Universität" mit Christof Hamann statt.

 

Christof Hamann, geboren 1966 in Ludwigshafen am Bodensee. Er studierte Germanistik, Philosophie und Soziologie in Freiburg, Berlin, Essen und New York. 2001 beendete er sein Studium mit einer Promotion über Grenzen der Metropole. New York in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Anschließend arbeitete er als Literaturwissenschaftler in Dortmund, Wuppertal und Basel. Derzeit ist Hamann wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft der Universität Bamberg.

 

Sein Debüt als Schriftsteller gab Hamann mit dem Roman Seegfrörne im Jahr 2001. Mit Seegfrörne ist das gänzliche Zufrieren des Bodensees gemeint, seine Verwandlung in ein begehbares Eismeer. Die letzte fand im Winter 1962/63 statt. Gut 30 Jahre später soll ein Lohnschreiber namens Höfe in zehn großen Kapiteln die Chronik des Dorfes von den Anfängen bis in die jüngste Gegenwart, d.h. bis zur letzten Seegfrörne, aufzeichnen. Denn das Naturschauspiel repräsentiert für den Bürgermeister den vorläufigen Höhepunkt in der Geschichte seiner Provinz. Dieser Public-Relations-Text, der die Gemeinde in den schönsten Farben malen soll, ist als Visitenkarte für den Fremdenverkehr gedacht; allerdings stößt Höfe bei seinen Recherchen auch auf Geschichten ganz anderer Art. Doch nicht nur Vergangenheit und Gegenwart geraten in Seegfrörne aneinander, sondern auch die so genannte Wirklichkeit und das Phantastische. Das Neben-, Mit- und Ineinander von Vergangenheit und Gegenwart einerseits, von Realistischem und Phantastischem andererseits prägt auch die anderen Texte Hamanns, den 2003 publizierten, in Polen, Namibia und den USA spielenden Roman Fester, den Afrika- und Familienroman Usambara (2007) sowie das Foto-Text-Projekt über den Warschauer Aufstand von 1944 (Warschauer Lapidarium, ebenfalls 2007). Usambara handelt vom Kilimandscharo und vom Usambaraveilchen, von Hans Meyer, der diesen Berg 1889 als Erster bestiegen hat, und seinem Sekretär und Botaniker Leonhard Hagebucher. Zugleich aber spielt der Roman in der aktuellen Gegenwart: Der Urenkel Hegbuchers namens Fritz Binder, der von seiner Mutter von kleinauf mit den Abenteuergeschichten des Urgroßvaters gefüttert wurde, will das, was der Vorfahre erlebte, selbst in den Beinen spüren: Er nimmt an einem Berglauf auf den höchsten Berg Afrikas teil, am Kilimandscharo Benefit Run. Bei diesem Lauf in immer dünner werdender Luft geraten Binder die Zeiten mehr und mehr durcheinander: Daher treffen sich ganz oben sämtliche Familienmitglieder, die Toten und die Lebenden.

Publikationen (Auswahl)

2001     Seegfrörne. Roman.

2001     Grenzen der Metropole. New York in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Promotion.

2003     Fester. Roman.

2003     Räume der Hybridität. Zur Aktualität des Postkolonialen. (Mitherausgeber)

2006     Odradeks Lachen. Fremdheit bei Kafka. (Mitherausgeber)

2006     Text+Kritik Sonderheft: Literatur und Migration. (Mitherausgeber)

2007     Usambara. Roman.

2007     Warschauer Lapidarium. (Foto-Text-Projekt, gemeinsam mit Susanne Catrein)

 

Daneben veröffentlichte Christof Hamann zahlreiche Kurzprosatexte und literaturwissenschaftliche Aufsätze.

Förderungen und Preise

2000   Stipendiat der Autorenwerkstatt Prosa, Literarisches Colloquium Berlin

2001   Stipendiat der Kunststiftung Baden-Württemberg

2002   Förderpreis des Landes NRW für Literatur

2003   Preis ›Debüt im Buddenbrookhaus‹

2005   Stipendium der Kunststiftung NRW

2007   Stipendium Stiftung Künstlerdorf Schöppingen

Lesung mit John von Düffel

[Bildquelle: Katja von Düffel]

Am Dienstag, den 4.12.2007 findet von 20:00 - 22:00 Uhr in der U7/105 eine Lesung im Rahmen der Reihe "Literatur in der Universität" mit John von Düffel statt. Der Autor wird aus seinem Roman "Beste Jahre" lesen.

 

 

Ein Videobeitrag des Fränkischen Tags zur Lesung mit John von Düffel steht hier

zum Download bereit. Zur Ansicht benötigen Sie den  VLC-Player.

 

John von Düffel, geboren 1966 in Göttingen, wuchs unter anderem im irischen Londonderry und in Vermillion, South Dakota (USA), auf. Er studierte Philosophie, Germanistik und Volkswirtschaft an den Universitäten Freiburg i. Br. sowie Stirling, Schottland. 1989 beendete er sein Studium mit einer Promotion im Fach Philosophie. Anschließend arbeitete er als Film-, Tanz-, und Theaterkritiker, ab 1991 als Dramaturg am Theater der Altmark in Stendal, später in Oldenburg, Basel und Bonn. Seit 2000 ist von Düffel als Dramaturg am Thalia Theater in Hamburg beschäftigt und sorgte hier 2005 mit seiner Bühnenfassung von Thomas Manns Buddenbrooks für Aufsehen. Er war im Sommersemester 2000 Gastprofessor am Deutschen Literaturinstitut Leipzig, lehrt an der Universität Hamburg und gehörte 2006 der Jury des Deutschen Buchpreises an. Heute lebt und arbeitet John von Düffel in Bremen und Hamburg.

 

Sein Debüt als Dramatiker gab von Düffel 1995 mit Oi – einem Stück über  die rechtsradikale Szene in Deutschland. Grundsätzlich fragen von Düffels frühe Stücke thematisch nach einem kollektiven, nationalen Erbe und den daraus resultierenden Generationskonflikten. So widmet sich neben Oi auch Solingen (1995) dem fortdauernden und wieder auflebenden Faschismus in Deutschland; Stücke wie Born in the RAF (1999) und Rinderwahnsinn (1999) thematisieren die Auseinandersetzung mit der 68-er Generation. Das Verhältnis der Generationen und ihr Umgang miteinander bleibt auch Thema der Romane. Hier allerdings rückt die Familie als gesellschaftlicher und sozialer Kleinstort in den Vordergrund, etwa wenn in von Düffels Romandebüt Vom Wasser (1998) ein Ich-Erzähler der eigenen Herkunft nachspürt oder in Houwelandt (2004) die generationsübergreifende Kommunikations- und Beziehungslosigkeit einer Großfamilie dargestellt wird. Im aktuellen Roman Beste Jahre (2007), der die Geschichte einer Familiengründung erzählt, werden Familienmodelle nicht mehr rückblickend erschlossen, sondern in ihren Anfängen sichtbar gemacht. Verbindendes Element des Erzählwerks ist das Wasser, das in sämtlichen Texten als Leitmotiv in ein dichtes Geflecht an Metaphern eingebunden ist und dem Autor den Ruf eines „amphibischen Schriftstellers“ eingetragen hat. Nicht zufällig verweist John von Düffel selbst auf das Schwimmen, wenn er das eigene Schreiben poetologisch zu bestimmen sucht: „Was braucht man zum Schreiben? Dasselbe wie zum Schwimmen: vor allem Kondition und Disziplin.“ (J.v.D. in: Die Welt, 3.6.2000).

 

 

Publikationen (Auswahl)

1995 Oi. Schauspiel.

1995 Solingen. Theaterstück.

1997 Die Unbekannte mit dem Fön. / Der Text ist das Theater. Ein Stück in Regieanweisungen und eine Autorenermutigung.

1997 Missing Müller (Müllermaschine). Heiner-Müller-Memorial-Monument-Moment-Mimesis.

1998 Vom Wasser. Roman.

1999 Rinderwahnsinn. Theaterstück.

1999 Born in the RAF. Lebensbereiche eines Terroristenkindes. Monolog. 

2000 Schwimmen.

2000 Zeit des Verschwindens. Roman.

2001 Ego. Roman.

2002  Wasser und andere Welten. Geschichten vom Schwimmen und Schreiben.

2004 Houwelandt. Roman.

2006 Hotel Angst. Novelle.

2007 Beste Jahre. Roman.

 

Daneben veröffentlichte John von Düffel zahlreiche Essays, Übersetzungen und Hörspiele.

 

Förderungen und Preise

1993 Prix Futura Berlin für das Hörspiel Go Wost!

1998 Ernst-Willner-Preis für Vom Wasser

1998 Aspekte-Literaturpreis des ZDF für Vom Wasser

1998 Mara-Cassens-Preis des Literaturhauses Hamburg für Vom Wasser

2005 „Das neue Buch“: Preis des Verbands deutscher Schriftsteller Niedersachsen/Bremen für Houwelandt

2006 Nicolas-Born-Preis des Landes Niedersachsen

 

 

Lesung mit Franziska Gerstenberg

Am Mittwoch, den 14.11.2007 findet von 20:00 - 22:00 Uhr in der U5/024 eine Lesung mit Franziska Gerstenberg statt.

 

Den Nachbericht zur Lesung finden Sie hier.

 

Franziska Gerstenberg, geboren 1979 in Dresden, studierte am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und lebt heute in Hannover. Sie war Mitherausgeberin der Literaturzeitschrift EDIT und erhielt mehrere Stipendien und Literaturpreise, unter anderem den Förderpreis Literatur des Landes Niedersachsen (2004) sowie das Aufenthaltsstipendium des Internationalen Künstlerhauses Villa Concordia in Bamberg (2005). Für einen Auszug aus ihrem aktuellen Erzählband Solche Geschenke wurde sie 2007 mit dem Heinrich-Heine-Stipendium und dem Hermann-Hesse-Förderpreis ausgezeichnet.

 

2004 debütierte die Autorin mit dem Erzählband Wie viel Vögel. Die 15 Erzählungen zeichnen das Portrait ihrer eigenen, noch jungen Generation nach und stellen individuelle Lebensentwürfe gegen- und nebeneinander. Die zwischen Er- und Ich-Perspektive changierende Erzählstimme begleitet ihre Figuren auf der Suche nach der eigenen Identität. Franziska Gerstenberg gehört zu den jungen Autorinnen und Autoren, die einen von der früheren Teilung völlig unberührten Blick auf das heutige Deutschland werfen. Mit ihrem Erzählungsband Wie viel Vögel gibt sie präzise „Momentaufnahmen aus dem neuesten Deutschland“, schreibt Franz Haas in der NZZ.

 

Der jüngste Erzählband Solche Geschenke beschreibt Figuren, denen die Probleme häufig ‚unter die Haut’ gegangen sind: Eine junge Frau flüchtet sich aus zwanghafter Angst, ständig erbrechen zu müssen, in die gesellschaftliche Isolation. Eine andere protokolliert panisch den täglichen Haarverlust, der mit dem Verlust weiblicher Identität einherzugehen scheint. In den Erzählungen avanciert der Körper zum zentralen Schauplatz der dargestellten Konflikte; an ihm lassen sich Prozesse der Identitätsfindung ablesen, die von tiefen Krisen erschüttert werden. Franziska Gerstenbergs Blicke in den Alltag sind intim, manchmal indiskret, aber niemals stellt sie ihre Figuren bloß. Ihre Prosa zeichnet sich durch eine schlichte, unaufgeregte Nüchternheit aus. Kalt lassen diese Erzählungen gerade deshalb nicht, stellt Andrea Lüthi in der NZZ fest: „Sie erschüttern in ihrer Sachlichkeit im Umgang mit emotionalen Themen. Und sie lassen Raum für eigene Gedanken.“

 

Publikationen

2004   Wie viel Vögel. Erzählungen.

2007  Solche Geschenke. Erzählungen.

Neben ihren Erzählbänden veröffentlichte die Autorin zahlreiche Beiträge in Zeitschriften und Anthologien.

 

Förderungen und Preise

1999  2. Preisträgerin des MDR-Literaturpreises

2001   Aufenthaltsstipendium der Stiftung Künstlerdorf Schöppingen

2002   Arbeitsstipendium des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst

2003   Rheinpfalz-Preis             

           Arbeitsstipendium der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen

2004   Niedersächsischer Förderpreis für Literatur

           Stipendium des Nordkolleg Rendsburg

          Aufenthaltsstipendium am Literarischen Colloquium, Berlin

2005   Stipendium des Freistaates Bayern für einen Studienaufenthalt im Internationalen Künstlerhaus Villa Concordia, Bamberg

2007 Stipendium im Heinrich-Heine-Haus, Lüneburg

Lesung mit Annette Pehnt

[Bildquelle: Claudia Feldtenzer]

Am Donnerstag, den 18. Januar 2007, liest Annette Pehnt um 20 Uhr s.t. im Hörsaal 1, An der Universität 2 (U2/ 025), aus ihrem Roman "Haus der Schildkröten" (2006).

Annette Pehnt, geboren 1967 in Köln, studierte Anglistik, Germanistik und Keltologie in Köln und Freiburg. Nach mehreren Studien- und Arbeitsaufenthalten in Irland, Schottland und den USA sowie ihrer 1997 abgeschlossenen Promotion lebt sie heute in Freiburg, wo sie unter anderem als Kritikerin und freie Schriftstellerin arbeitet.

2001 debütierte die Schriftstellerin mit ihrem Roman Ich muß los, den die Jury des aspekte-Literaturpreises mit einer besonderen Empfehlung ehrte. Mit dem Anti-Helden Dorst schuf Annette Pehnt eine Figur, die durch ihre eigenbrötlerische, unergründliche Art Leser und Feuilletonisten gleichermaßen faszinierte. Ein regelrechter Kauz, der die schwarzen Anzüge seines toten Vaters aufträgt und als selbsternannter Reiseführer seine grenzenlose Phantasie auslebt. Erst als die junge Elner in sein Leben tritt, wacht Dorst auf...

In ihrem zweiten Roman Insel 34 aus dem Jahr 2003 stellt die Autorin eine namenlose Ich-Erzählerin in den Mittelpunkt, die wie Dorst ein jugendlicher Underdog ist. Auf der Flucht vor der elterlichen Fürsorge entwickelt die junge Frau eine Leidenschaft für abgelegene, bizarre Inseln. Im Spiel mit dem Motiv der Inselutopie erzählt Annette Pehnt auf ironische Art und Weise gleichzeitig die Geschichte des Erwachsenwerdens. Für einen Ausschnitt aus Insel 34 erhielt sie 2002 den Preis der Jury beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb.

Der neue Roman Haus der Schildkröten liest sich als leiser, mit distanzierter Trauer und lakonischer Distanz geschriebener Text. Vordergründig handelt die Geschichte von einem Mann und einer Frau, die ihre Eltern im Seniorenheim besuchen und deren Wege sich dort kreuzen. Sie suchen aneinander Halt, fühlen sich angesichts des Leides ihrer Eltern jedoch schuldig. Der Roman rührt an ein gesellschaftliches Tabu: Das Leben im Altersheim, einem Ort, an dem Schweigen und Monotonie zu ständigen Begleitern geworden sind. Ulrich Greiner (DIE ZEIT) lobt die außergewöhnliche Sprache, „die sich nicht eitel wichtigtuerisch vor das Erzählte drängt, sondern dem Körper des Textes angemessen ist und ihn zum Leuchten bringt.“ Die Neue Zürcher Zeitung nennt das Haus der Schildkröten „ein psychologisches Kleinod“, einen Roman, in dem „scheinbar wohlbekannte Alltagssplitter [...] manchmal monströs aufblitzen.“

 

Publikationen

2001 Ich muß los. Roman

2003 Insel 34. Roman

2005 Der kleine Herr Jakobi. Kurzgeschichten

2006 Haus der Schildkröten. Roman

Neben drei Romanen und zahlreichen Kurzgeschichten veröffentlichte die Autorin einige Übersetzungen sowie eine Monographie über John Steinbeck.

 

Förderungen und Preise

2001 Besondere Empfehlung der aspekte-Preis-Jury

Förderpreis im Rahmen des Künstlerinnenpreises des Landes Nordrhein-Westfalen

Mara Cassens-Preis des Hamburger Literaturhauses

2002 Großes Stipendium des Deutschen Literaturfonds, Darmstadt

Preis der Jury beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb, Klagenfurt

2004 Jahres-Stipendium des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg

 

Lesung mit Thomas Lang

Am Dienstag, 5.12.2006, um 20 Uhr s.t. im Raum U5/ 024 liest

Thomas Lang aus seinem Roman "Am Seil".

Thomas Lang, geboren 1967 in Nümbrecht, wuchs in einer Kleinstadt in Nordrhein-Westfalen auf. Er studierte Philosophie und Literatur- wissenschaft in Frankfurt am Main. Seit 1997 lebt Thomas Lang in München, wo er neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit auch als Lektor und Korrektor arbeitet. Stipendien in der Schweiz, Österreich und Kanada förderten seit 2003 das bisherige Schaffen des Autors.

2002 debütierte der Schriftsteller mit seinem Roman Than, der im gleichen Jahr mit dem Bayerischen Staatsförderpreis und dem Marburger Literaturpreis ausgezeichnet wurde. In Rezensionen wird Thomas Langs außergewöhnliche Sprachgewandtheit und der „Sog“ seiner Prosa gelobt: „Die Irritation, die die Lektüre dieses Buches auslöst, bewirkt eine Sensibilisierung für eine Wirklichkeit, die jenseits der Kälte des Sprachmülls liegt. Wirkliches Sprechen bedeutet ´More Than Words´.“

Der neue Roman von Thomas Lang mit dem Titel Am Seil liest sich als „kraftvolles, kafkaeskes Stück über eine extrem schwierige Vater- Sohn-Beziehung“ (Süddeutsche Zeitung). Die Erzählung wagt sich an dieses alte Motiv der Literaturgeschichte und variiert es auf eigenwillige und überraschende Weise, ohne ihm seine archaische Dimension zu nehmen. Bert Kesperg, der in einem Seniorenwohnheim seine schon gezählten Tage verbringt, erhält unerwarteten Besuch seines Sohnes Gert, der als ehemals beliebter TV-Moderator in einer tiefen Lebenskrise steckt. Vater und Sohn, die beide ihre beste Zeit hinter sich zu haben scheinen, verlassen das Altersheim und fahren zu dem alten Hof, wo sie früher gelebt haben. Die seit je konfliktreiche und unterkühlte Beziehung erfährt dort eine neue Wendung...

Für einen Ausschnitt aus seinem Roman Am Seil erhielt Thomas Lang im vergangenen Jahr den renommierten Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt.


Publikationen

2001        Verhängnis. Kurzgeschichte

2002        Than. Roman

2006        Am Seil. Roman

Außerdem erschien eine Vielzahl an Beiträgen in Zeitschriften (u.a. Volltext, Konzepte), Zeitungen (u.a. Die Welt, Die Zeit, Süddeutsche Zeitung) und Veröffentlichungen in einigen Sammlungen (u.a. Luna schlief in der NDL-Anthologie „Small talk im Holozän“).


Förderungen und Preise

1989       Seminar für Romanautoren der Bertelsmann Stiftung, des Literaturhauses München und des Deutschen Literaturfonds

1999        3. Klagenfurter Literaturkurs

                Literaturstipendium der Stadt München

2002        Bayerischer Staatsförderpreis Literatur

                Marburger Literaturpreis

2004        Seminar für Nachwuchsschriftsteller,
                 Nordkolleg Rendsburg

2005        Ingeborg-Bachmann-Preis, Klagenfurt

Lesung mit Julia Schoch

Mittwoch, 31. Mai 2006, 20 Uhr s.t.
Hörsaal U7/105 (An der Universität 7)

Julia Schoch, geboren 1974 in Bad Saarow, wuchs in einer Kleinstadt an der polnischen Grenze, am Oderhaff, auf. Sie studierte Germanistik und Romanistik in Potsdam, Paris und Bukarest. 1999 erhielt Julia Schoch ein Stipendium des Landes Brandenburg. Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit arbeitet Julia Schoch als Übersetzerin und unterrichtet französische Literatur an der Universität in Potsdam.

2001 debütierte sie mit dem Erzählband Der Körper des Salamanders. Ihre Prosa verweigert sich dem direkten Zugriff, zeigt vielmehr, wie unter dem Gewöhnlichen das Außergewöhnliche, das Geheimnisvolle lauert, das in jeder der neun Erzählungen über den letzten Satz hinaus weiter wirkt. Damit unterscheidet sich Julia Schoch grundlegend vom Neo-Realismus der 90er Jahre und von zahlreichen ostdeutschen Autoren ihrer Generation.

In ihrem Essay Die wattierte Wirklichkeit und ihre Literatur schreibt die Autorin, dass sie selbst „keine Bücher mehr lesen [will], in denen sich nicht in irgendeiner Weise der Wirklichkeit der Gegenwart widersetzt wird.“ Ihr sei vielmehr wichtig, der Realität mit einem „vernünftigen Befremden“ entgegenzutreten. Die Umgebungswelt, in der sich ihre Figuren bewegen, begreift sie nicht als bloßen Hintergrund, sondern entlarvt sie als das, was Individuen maßgeblich prägt und bestimmt.

In Julia Schochs zweiter Veröffentlichung, dem Roman Verabredungen mit Mattok, treffen zwei Fremde in einem Kurbad an der ostdeutschen Küste aufeinander, während sich im Hintergrund eine ökologische Katastrophe in Form eines Tankerunglücks abspielt. Bewusst vermeidet die Autorin eine Psychologisierung ihrer Figuren und überlässt es dem Leser, nach eigenen Deutungsmöglichkeiten zu suchen. In der Liebesgeschichte zwischen den zwei Außenseitern Mattok und Claire schafft die Autorin eine bedrückende Atmosphäre, die an den Film Noir erinnert.

Für die Erzählung Der Ritt durch den Feind erhielt Julia Schoch im vergangenen Jahr den Preis der Jury beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb.

 

Publikationen:

2001        Der Körper des Salamanders. Erzählungen.

2003        Die wattierte Wirklichkeit und ihre Literatur. Essay.

2004        Verabredungen mit Mattok. Roman.

2005        Der Ritt durch den Feind. Erzählung.

 

Preise:

Förderpreis des Friedrich-Hölderlin-Preises der Stadt Bad Homburg und gemeinsames Förderstipendium der Stiftung Niedersachsen und der Bundesakademie für kulturelle Bildung

Literaturförderpreis der Stadt Meersburg und Hermann-Lenz-Stipendium der Stadt Heidelberg

Stefan-George-Preis für Nachwuchsübersetzer/innen (gestiftet vom Conseil International de la Langue Francaise)

Preis der Jury beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt

Stadtschreiberin der Stadt Dresden

Lesung mit Rainer Merkel

Dienstag, 9. Mai 2006, 20.00 Uhr, Villa Concordia

im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Die Literaturlandschaften Bayerns“

„Seine Prosa ist eine spröde Schöne“ (Der Tagesspiegel), war in einer von vielen guten Kritiken zu Rainer Merkels zuletzt erschienenem Buch Das Gefühl am Morgen (2005) zu lesen. Mit großer sprachlicher Dichte und sensibler Beobachtungsgabe entwirft der Roman die diffuse Welt von Lukas, der in den späten 1980er Jahren, als die Mauer noch steht und der Reaktor von Tschernobyl explodiert, in West-Berlin Laura liebt, nach einer glücklichen Sexualität sucht und endlich erwachsen werden will. Im Weg steht ihm dabei vor allem sein narzisstischer Vater – Sexualtherapeut und zwanghaft liberaler 68er. Die Mutter lebt in den USA ein Aussteigerleben. – Lukas ist ein kaputtes Kind der 68er-Generation: beziehungsunfähig, kalt, das Übergängige und Diffuse seines Lebens leid. Wenn Rainer Merkel, der Stipendiat im Internationalen Künstlerhaus Villa Concordia war, im Mai 2006 auf Einladung des Künstlerhauses und des Lehrstuhls für Neuere deutsche Literaturwissenschaft der Otto-Friedrich-Universität Bamberg für eine Lesung im Rahmen der „Literaturlandschaften Bayerns“ in die Villa Concordia zurückkehrt, wird er Lukas und sein Leben vorstellen.

 

Rainer Merkel, geboren 1964 in Köln, studierte Psychologie und Kunstgeschichte in Berlin. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit arbeitete er als freier Mitarbeiter einer Multimedia-Agentur und als Psychologe. 2001 erschien sein Debütroman Das Jahr der Wunder, 2002 die von ihm gemeinsam mit David Wagner und Jörg von Paulus herausgegebene Anthologie Wahlverwandtschaften, die Telefongeschichten von jungen deutschen Autoren versammelt. In der Reihe „Oberfranken liest“ veröffentlichte Rainer Merkel die Prosa- und Gedichtsammlung Beim Herausschauen.

Für seine literarische Arbeit wurde er – neben dem Stipendium in Bamberg – auch bereits mit dem Jürgen Ponto-Preis sowie mit Stipendien des Literarischen Colloquiums Berlin und der Villa Aurora in Los Angeles ausgezeichnet.

Lesung mit Egon Schwarz

Foto: Verlag C.H. Beck

Egon Schwarz
liest aus seiner Autobiographie
„Unfreiwillige Wanderjahre“
Mittwoch, 23. November 2005, 20.00 Uhr
im Hörsaal U5/024 (An der Universität 5)

Egon Schwarz, heute einer der renommiertesten Germanisten der USA, wurde 1938 als Sechzehnjähriger von den Nazis aus Österreich vertrieben. Jahrelang reiste er durch die Welt, sich mit Nebenjobs über Wasser haltend, bis er sich seinen Lebenswunsch erfüllen und studieren konnte.
Seine Biographie ist dieses Jahr als Taschenbuch im Beck Verlag mit einem Nachwort von Uwe Timm erschienen.

Lesung mit Ingo Schulze

15. November 2005
Lesung von Ingo Schulze aus seinem Roman “Neue Leben”
in der Reihe “Literatur in der Universität”
Zeit und Ort: 20 Uhr, U7/105

Ingo Schulze (Foto: Jim Rakete), geboren 1962 in Dresden, studierte klassische Philologie in Jena (1983-1988), arbeitete bis 1990 als Dramaturg am Landestheater in Altenburg. Seit 1990 lebt er als freier Autor in Berlin. Er war Mitherausgeber des „Altenburger Wochenblatts“ und baute 1993 in Sankt Petersburg ein Anzeigenblatt auf – allesamt Tätigkeiten, die er seinem Romanhelden in Neue Leben mitgibt...
1995 startete Schulze mit seinem Debüt 33 Augenblicke des Glücks literarisch durch. Für diesen – inzwischen in 14 Sprachen übersetzten – Erzählband erhielt er unter anderem den Alfred-Döblin-Förderpreis, den Aspekte-Literaturpreis des ZDF sowie den Ernst-Willner-Preis (Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb). Spätestens 1998 verschaffte sich der Autor mit seinen Simple Storys bei der breiteren deutschen Öffentlichkeit einen Namen. Im selben Jahr wurde sein Gesamtwerk mit dem Berliner Literaturpreis und der Johannes-Bobrowski-Medaille ausgezeichnet. 2001 wurde er zusammen mit Thomas Hürlimann und Dieter Wellershoff mit dem Joseph-Breitbach-Preis ausgezeichnet. Schulzes jüngster Roman, Neue Leben, ist diesen Herbst im Berlin Verlag erschienen.

Lesung mit Norbert Gstrein

12. Juli 2005
Autorenlesung von Norbert Gstrein
Norbert Gstrein (Foto: Jerry Bauer), geboren am 3. Juni 1961 in Mils (Tirol), studierte Mathematik in Innsbruck und schloß sein Studium 1984 mit dem Magister Artium ab. Er promovierte im Fach Logik über das Thema „Zur Logik der Fragen“. Dieser Arbeit lag die im Ansatz sprachkritische Überlegung zugrunde: Wie kann man nach Wahrheit fragen? 1988/89 war er Gast des Literarischen Colloquiums Berlin, 1990 Stadtschreiber in Graz. Zur Zeit lebt er als freiberuflicher Schriftsteller in London und Hamburg.

Gstreins literarisches Debüt „Einer“ erregte mit einem Schlag Aufsehen um den österreichischen Autor und wurde in der Presse als vielversprechend gelobt. Schon diese Erzählung weist für Gstreins erzählerisches Werk charakteristische Aspekte in Stoff und Sprache auf. Ein Einzelner wird hier in den eng gezogenen Grenzen einer Gemeinschaft zum Isolierten, zum Außenseiter; gleichzeitig wird die Frage behandelt, wie sich Identität erst aus den Mechanismen der (Nicht)Dazugehörigkeit definiert und aus diesem Grund als ein anzweifelbares Konstrukt betrachtet werden muss.
Als 2003 der Roman „Das Handwerk des Tötens“ erschien, wurde der Vorwurf gegenüber Norbert Gstrein erhoben, er habe sich unzuverlässigerweise des Lebens Gabriel Grüners bemächtigt. Nicht nur die dem Buch vorangestellte Widmung „Zur Erinnerung an Gabriel Grüner (1963-1999), über dessen Leben und Tod ich zu wenig weiß, als dass ich davon erzählen könnte“, ließ zahlreiche Rezensenten auf einen Schlüsselroman schließen. Der Roman erzählt zudem die Geschichte eines – so wie Grüner – im Kosovo getöteten Journalisten. Gstrein möchte sein Buch jedoch nicht als reale Biographie gelesen sehen: „Einerseits lag das Thema vor der Tür, andererseits gab es einen Auslöser, den ich erwähne und dann gleich wieder beschweige, damit das Buch nicht als Schlüsseltext gelesen wird,“ betont er. Auf die darauffolgende Debatte und  Anschuldigungen antwortete Gstrein mit dem Essay „Wem gehört eine Geschichte?“. Diese Frage führt ihn weiter zu der Überlegung, in welcher Form das Schreiben über Krieg heute überhaupt noch möglich ist.

Lesung mit Sibylle Lewitscharoff

24. Mai 2005
Sibylle Lewitscharoff liest aus "Totengespräche"
Sibylle Lewitscharoff wurde 1954 in Stuttgart geboren und wohnt heute in Berlin. Sie studierte Religionswissenschaften und lebte jeweils ein Jahr in Buenos Aires und Paris. Zu ihrem Werk gehören Romane, Radiofeatures, Hörspiele, literarische Essays - und ein Grammatik-Brettspiel. Für ihren ersten Roman „Pong“ erhielt sie 1998 den Ingeborg-Bachmann-Preis. Ihr neuer Roman „Totengespräche“ erscheint im Frühjahr 2006.

"Schnee. Eine ganze Stadt erstickt in Sauberkeit. Die Autos ersticken, der Lärm erstickt. Mitunter ein Keilriemen, der quietscht. Eisblumen am Fenster. Hauben auf den Simsen. Schnee füllt gnädig alle Löcher. Die Vorstadt verschwindet unter einem Sargtuch. Gott wandert über die schneebedeckten Dächer. Gott hat mich lieb, dachte ich als Kind, sobald die ersten Flocken fielen. Er deckte meine Wimpern mit zarten Kristallen und versprach, mich in unberührten Schnee zu stoßen, wenn meine Zeit gekommen wäre."

Lesung mit Thomas Meinecke

Lesung: Thomas Meinecke liest aus seinem Buch "Musik"
Veranstalter: Lehrstuhl für Neuere deutsche Literaturwissenschaft zusammen mit dem Lehrstuhl für Britische Kultur
9. Dezember 2004, 20:00 Uhr, neuer Hörsaal in der U7

Lesung mit Christof Hamann

Christof Hamann liest aus seinen Romanen
„Seegfrörne“ und „Fester“
am Freitag, 14. Mai 2004, 20.00 Uhr
im Hörsaal U5/024 (An der Universität 5).

Christof Hamann,
geboren am 04. Juli 1966 in Ludwigshafen, studierte 1989-2001 Germanistik, Philosophie und Soziologie in Freiburg, Berlin, Essen und New York. 2001 promovierte er an der Universität Essen. Derzeit ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter und Lehrbeauftragter an der Universität Dortmund, zudem freier Mitarbeiter für diverse Literaturbüros und verschiedene Tageszeitungen wie die FAZ oder die taz.
Bislang hat Hamann – neben verschiedenen Kurztexten und wissenschaftlichen Publikationen – zwei Romane veröffentlicht: Seegfrörne (2001) und Fester (2003). Besonders das „gelungene Debüt“ – so Tilman Spreckelsen am 04.12.2001 in der FAZ – fand in den Feuilletons Beachtung: Seegfrörne sei, so urteilt beispielsweise die Süddeutsche am 26. 11. 2001, „ein eisglattes, nach allen Regeln der Literaturwerkstatt kunstreich konstruiertes Prosastück“.
Bislang zwei Literaturpreise – Förderpreis des Landes NRW für Literatur, 2002, Debüt im Buddenbrookhaus, Juni 2003 – und sieben Stipendien – in Polen, den Niederlanden und in Deutschland – hat Hamann für sein Werk erhalten.

Lesung mit Matthias Politycki

Matthias Politycki liest Prosa und Gedichte
Dienstag, 13. Januar 2004, 20.00 Uhr im Hörsaal U5/024 (An der Universität 5)

Matthias Politycki,
geboren 1955 in Karlsruhe, studierte Neuere Deutsche Literatur, Philosophie, Theater- und Kommunikationswissenschaft in München und Wien. Nach einer Promotion über Friedrich Nietzsche und einer zweijährigen Dozententätigkeit als Akademischer Rat am Institut für Deutsche Philologie in München wechselte er 1990 in die Lebensform des freien Schriftstellers.
Seit 1987 hat Matthias Politycki zahlreiche Gedichtbände, Essays, Erzählungen und Romane veröffentlicht. Er gilt – spätestens seit der Publikation des Weiberromans (1997) – als einer der renommiertesten Schriftsteller der Gegenwart.
Für sein literarisches Werk erhielt er denn auch zahlreiche Auszeichnungen: 1988 den Civitas-Literaturpreis, den Bayrischen Staatsförderpreis für Literatur und das Stipendium Villa Waldberta (München), 1991 das Stipendium Stuttgarter Schriftstellerhaus. Im Jahr 2001 war er zu Gast in der Ledig House International Writers Colony (New York), 2002 Stadtschreiber von Bordeaux. Zur Zeit lebt er in Hamburg und München.
Über Matthias Polityckis jüngsten Gedichtband Ratschlag zum Verzehr der Seidenraupe (2003) schreibt Peter Rühmkorff: „Bin von einem Entzücken ins andere geraten und habe mich durch allerhand Tiefsinn hindurchgelacht.“

Lesung mit Ralf Rothmann

Lesung: Ralf Rothmann liest aus seinem Buch "Junges Licht"
in der Reihe “Literatur in der Universität”
Veranstalter: Lehrstuhl für Neuere deutsche Literaturwissenschaft
26. November, 20:00 Uhr, neuer Hörssal in der U7

Lesung mit Klaus Böldl

Lesung: Klaus Böldl liest aus seinem Buch "Die fernen Inseln"
in der Reihe "Literatur in der Universität"
Veranstalter: Lehrstuhl für Neuere deutsche Literaturwissenschaft
3. November, 20:00 Uhr, U5/024 – Hörsaal, An der Universität 5

Nachdem er bereits 1994 für seine Kurzgeschichten den Scripta-Literaturpreis und 1995 das Literatur-Stipendium der Stadt München erhalten hatte, gab Klaus Böldl 1997 sein Debüt als Roman-Autor mit Studie in Kristallbildung. Für den im S. Fischer Verlag erschienenen Roman wurde er im gleichen Jahr mit dem Tukan-Preis der Stadt München ausgezeichnet. Die „kristalline Prosa“ und die „glasklare, geschliffene Sprache“ dieses Grönland-Romans wurden im Feuilleton gefeiert. Es folgte im Jahr 2000 die Erzählung Südlich von Abisko, in der Klaus Böldl seine Leser in die Weiten Lapplands entführte. 2001 erhielt der Autor den Bayerischen Literatur-Förderpreis. Zuletzt erschien sein Reisebericht Die fernen Inseln, für den er mit dem Brüder-Grimm-Preis der Stadt Hanau sowie dem Hermann-Hesse-Literaturpreis ausgezeichnet wurde.
Geboren 1964 in Passau, studierte Klaus Böldl Nordische Philologie, Germanistik und Komparatistik in München und Lund. Er lebt und arbeitet heute in München. 1999 promovierte er mit einer Arbeit über die Rezeption der Edda in Aufklärung und Romantik. Dr. Böldl ist Mitarbeiter am Institut für Nordische Philologie der Universität München und hat sich als versierter Kenner und Übersetzer altnordischer Literatur einen Namen gemacht.