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News Lehrstuhl Literatur und Medien

FILM in der Universität - Christoph Hochhäusler


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Arbeit als Naturverhältnis in medialer und literarischer Reflexion


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Eine Frau geht wo


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News Lehrstuhl Literatur und Medien

Derzeit laufende Dissertationsprojekte

Christoph Naumann

"Ich war Arbeiterfotograf, ohne es zu wissen."

Walter Ballhauses sozialdokumentarische Fotografie 1929-33


Untersuchungsgegenstand und Materialbasis des Dissertationsprojekts ist das um 1930 entstandene sozialdokumentarische Werk des Fotografen Walter Ballhause, ein fotogeschichtlich in Umfang und künstlerischer Qualität herausragendes visuelles Dokument für die Zeit der großen Wirtschaftskrise und niedergehenden Weimarer Republik.
„Nicht mehr lesen! Sehen!“ (Molzahn 1928) Diesen Ausruf einer visuellen Leitkultur hinterfragend, findet eine kritische Betrachtung des Stellenwerts der Fotografie in der medialen (Arbeiter-)Kultur statt. Anhand der Fotografien Ballhauses wird die inhaltliche und ästhetische Programmatik in der Generierung einer Gegen-Bildwelt zum idyllisierenden Bilderkanon bürgerlicher Pressepublikation untersucht sowie die Wirkungsweise der Fotografie als Reflexions- wie Agitationsmedium im Kontext einer hochgradig politisierten und konfliktträchtigen Gegenwart (Stumberger 2007) eruiert. Dabei gilt es, ästhetische Strategien des Fotografen Ballhause herauszuarbeiten und in den Vergleich mit der Bildproduktion anderer Arbeiterfotografen zu stellen. Wie manifestiert sich sein fotografischer Stil in der Darstellung von Armut, Protest und politischem Widerstand? Wie weit löst er sich dabei vom überindividuellen Autorenverständnis der organisierten Arbeiterfotografie-Bewegung? Welche Rolle spielt bei der Bewusstmachung der Situation des Arbeiters der sie spiegelnd-visualisierende Umweg der bildlichen Entfremdung (Plessner 1982), in der das Alltäglich-Gewöhnliche durch die Wahl der fotografischen Kadrierung zum Aufmerksamkeit Einfordernden bestimmt wird? Hinsichtlich der Rezeption der sozialdokumentarischen Fotografie Ballhauses öffnet eine präzise Distinktion zwischen zeitgenössischer und gegenwärtiger Lektüre der Bilder (Jäger 2000) den Blick auf Bedeutungsverschiebungen bei der Musealisierung nach der späten Wiederentdeckung. Die nach jahrzehntelanger Nicht-Wahrnehmung der Bilder konstatierbare Diskontinuität (Scott 2007) intendiert werkübergreifend die Frage nach Prozessen im Aussagegehalt sozialengagierter Fotografien, die ihre genuin politisch-soziale Anklagefunktion verloren haben (Sontag 1980).

 

 

Tanja Petsch

„Was habt ihr gegen dieses Mädchen?“: Leni Riefenstahl und Der ‚andere’ Deutsche Bergfilm – Eine Revision des Spielfilmwerks der Regisseurin

Im Fokus des Interesses steht das bis dato in der Riefenstahlforschung eher marginal beachtete Spielfilmwerk der umstrittenen Künstlerin, zentral ihr Regiedebüt DAS BLAUE LICHT (1932), aber auch ihr einziger weiterer, de facto verwirklichter fiction film TIEFLAND (1942/1954). Diesem wissenschaftlichen Versäumnis begegnet die Arbeit mit einer multiperspektivischen und interdisziplinären Herangehensweise, um eine holistische Rahmung zu leisten: Vor dem aktuellen Alteritäts- und Genderdiskurs wird der historischen Einbettung der Filme in die späten Weimarer Jahre bzw. NS-Zeit ebenso Rechnung getragen wie intertextuelle Verweise beleuchtet werden, da filmische Texte keine isolierten Phänomene vorstellen. Neben relevanten Bezugstexten unterschiedlichster Provenienz wird eine Kontextualisierung des Spielfilmopus in Riefenstahls eigenes Referenzsystem, ihr Œuvre, vorgenommen und nicht zuletzt die Verortung im Genre reflektiert, da Riefenstahls ‚weibliche’ Spielart des Bergfilms die Tradition der Filmgattung in ihren Konventionen markant unterläuft.

 

 

Judith Wimmer

Comic Work Culture

Repräsentationen der Arbeit im Stummfilm

Friedrich Wilhelm Murnau stellt die Verschmelzung von Arbeit und Identität als hochgradig grotesk dar, Charlie Chaplin karikiert die maschinell gesteuerte Arbeit am Fließband, René Clair persifliert Parallelen zwischen der Arbeit und dem Gefängnis, King Vidor führt die Arbeit in der Filmindustrie ad absurdum… In Zeiten der Moderne, der fundamentalen Veränderungen in der Berufswelt, werden Arbeit und Komik im Film beständig in Relation zueinander gesetzt. Immer wieder werden wir über den kuriosen Dinggebrauch Buster Keatons oder die unproduktiven Tätigkeiten Laurel & Hardys zum Lachen angeregt. Der Arbeitsraum scheint also in besonderem Maße prädestiniert für komische Situationen zu sein. Erste theoretische Hinweise auf diesen Zusammenhang liefert Henri Bergson mit seinen Thesen zur Mechanisierung, Wiederholung, Inversion und, ganz konkret, zur Berufskomik, doch auch die Schriften Michail Bachtins und Sigmund Freuds legen nahe, dass Komik sich in Anwesenheit stark ausgeprägter Konventionen, sprich: Hierarchieverhältnisse, Rollenanforderungen, Kleiderordnungen etc. entfaltet. Diese und andere genuin komische Aspekte von Arbeit aufzudecken und damit verschiedenste Gag-Dramaturgien diverser Stummfilme aus den USA und Europa zu beleuchten, ist Ziel meiner Dissertation.