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Aktuelle Hinweise

24.04.13

Die Anfänge der deutschen Fremdwortlexikographie

Neuerscheinung 2013
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19.03.13

Verbrechen, Vergehen und Strafmaß in der Sprache und Literatur des Mittelalters

Kolloquium vom 10. bis zum 12. Oktober 2013 in Bamberg
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01.08.12

Neues DFG-Projekt

Di­gi­tale Er­fas­sung und Er­schlie­ßung des volks­spra­chi­gen Wort­schat­zes der kontinentalwest­ger­ma­ni­schen Le­ges bar­bar­o­rum
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Exkursion in die Hauptstadt der deutschen Sprache

Von Rhea Seibert

Das Institut für Deutsche Sprache (IdS) in Mannheim ist eine zentrale außeruniversitäre Einrichtung zur Erforschung und Dokumentation der deutschen Sprache. Unter der Leitung von Dipl.-Germ. Anette Kremer vom Lehrstuhl für deutsche Sprachwissenschaft besuchte eine Gruppe Studierender der Uni Bamberg am 25. Juni 2010 das IdS. In der Hauptstadt der deutschen Sprache, wie Mannheim als Standort des Dudenverlags und Heimat des IdS auch genannt wird, erhielt sie einen Einblick in die Arbeit des Instituts.

Bamberger Besuchergruppe
Die Bamberger Besuchergruppe mit Dr. Ulrich Schnörch (vorne, 3. v. re.) und Ralf Knöbl (3 v. li.)
Foto: Rhea Seibert

Die staatlich geförderte Forschungseinrichtung ist die einzige ihrer Art in Deutschland. Sie beschäftigt sich mit der deutschen Sprache in ihrem gegenwärtigen Gebrauch und ihrer neueren Geschichte. Zuerst gab Dr. Annette Trabold, Leiterin der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit, den Bamberger Besuchern einen Einblick in Strukturen und Arbeit des IdS. Etwa 90 bis 100, hauptsächlich sprachwissenschaftlich ausgebildete, Mitarbeiter sind in dem Institut beschäftigt. Neben den drei wissenschaftlichen Abteilungen Grammatik, Lexik und Pragmatik hat das IdS die größte Bibliothek zur deutschen Sprachwissenschaft vorzuweisen. Im Jahr 2006 erhielt das Institut, das als Mitglied der Leibnitz-Gesellschaft finanziell je zur Hälfte vom Bund und vom Land Baden-Württemberg getragen wird, die Plakette ‚Ort der Ideen’.

Frei heraus erzählte Dr. Trabold von ihrer Arbeit, den Erfolgen und Ehrungen. Aber auch schwierige Zeiten hatte sie zu überstehen, wie zum Beispiel während der Einführung der Rechtschreibreform, gleich zu Beginn ihrer Arbeit am IdS.

Lexikalische Innovationen

Im Anschluss wurden drei Einzelprojekte des IdS aus den Bereichen Lexik und Pragmatik vorgestellt. Zunächst präsentierte Dr. Doris Steffens ihre Forschung über den neuen Wortschatz im Deutschen seit den 90er Jahren. Das Projekt „Lexikalische Innovationen“, das der Abteilung Lexik zugeordnet ist, läuft seit 1996. Das daraus entstandene Wörterbuch ist das erste größere Neologismenwörterbuch und füllt eine Lücke in der deutschen Wörterbuchlandschaft. Es ist auch in einer kostenfreien Onlineversion im IdS-Wörterbuchportal OWID unter externer Link folgt http://www.owid.de/Neologismen verfügbar.

Erstaunlicherweise bereitet besonders die Textbeschaffung Dr. Steffens die größten Probleme. Die Neologismen werden in erster Linie durch die Auswertung von Zeitungstexten erforscht, doch es mangelt an der nötigen Kooperation mit den Verlagen. Hat man erst mal einen Neologismenkandidaten, wie zum Beispiel Frau Steffens persönliches Lieblingswort aufbrezeln, entdeckt, ist es wiederum eine schweißtreibende Arbeit, bis zu einem Wort ausreichend Textbelege gefunden sind und der Artikel fertig gestellt ist.

Institut für Deutsche Sprache
Das Institut für Deutsche Sprache (IdS) in Mannheim
Foto: Rhea Seibert

Wortschatz der deutschen Gegenwartssprache seit 1945

Dr. Ulrich Schnörch arbeitet mit seinem Team an dem Online-Wörterbuch elexiko ( externer Link folgt http://www.owid.de/elexiko_/index.html). Es handelt sich hierbei um ein innovatives lexikalisch-lexikologisches Informationssystem, das sich die Hypertextualität des Internets intensiv zunutze macht. Auf Grundlage der riesigen Textkorpora der hauseigenen COSMAS-Datenbank erfassen und erklären die Wissenschaftler den allgemeinsprachlichen Wortschatz der deutschen Gegenwartssprache seit 1945. Dabei ist es besonders spannend zu sehen, wie sich die Konnotation eines Wortes diachron verändern kann. Rund 300.000 Stichwörter wurden bisher gebucht. Ganz ohne menschliche Mitarbeit funktioniert aber auch die digitale Lexikographie nicht, jeder Eintrag muss von dem fünfköpfigen Team selbst bearbeitet werden. Die individuelle Sprachkompetenz ist dabei eine unerlässliche Hilfe. Bis ein einziger Wörterbuchartikel fertig ist, kann es bis zu sieben Tage dauern.

Variationen des gesprochenen Deutsch

Zuletzt stellte Ralf Knöbl das Projekt zu „Variationen des gesprochenen Deutsch. Standardsprache-Alltagssprache“ aus dem Bereich der Pragmatik vor. Um die unterschiedlichen Dialekte in den verschiedenen deutschsprachigen Gebieten – inklusive Österreich, Schweiz, Luxemburg und Südtirol in Italien – zu erforschen, hat das Team flächendeckend an 192 Orten die Alltagssprache untersucht. Dabei beschäftigte es sich an jedem Ort mit jeweils zwei (einer männlichen und einer weiblichen) jugendlichen Testpersonen und zwei aus der Generation 50+. Ziel der Forschung ist es, die verschiedenen Varianten der gesprochenen Sprache zu erfassen, wobei insbesondere die lautlichen Unterschiede herausgearbeitet werden sollen. Trotz der flächendeckenden Forschung ist es jedoch nie ganz möglich, alle dialektalen Varianten der deutschen Sprache zu erfassen, da zum Teil schon Orte, die nur wenige Kilometer voneinander entfernt liegen, Unterschiede in der Aussprache aufweisen.

Gruppenfoto
Foto: Rhea Seibert

Ralf Knöbls Vortrag wurde schnell zu einem interessanten Ratespiel, bei dem unterschiedliche Tonaufnahmen aus der Studie vorgespielt wurden, und ein wildes Dialekteraten begann. Wer sich selbst einmal testen möchte, kann das unter: externer Link folgt http://multimedia.ids-mannheim.de/hoermal/web/ tun und hilft dabei dem Team auch noch ein bisschen bei seiner Forschungsarbeit. Denn die Studie wurde natürlich nicht nur durchgeführt, damit am Ende ein Spiel entsteht. Ziel ist es, die im Bereich der „Variationen des gesprochenen Deutsch“ vorhandenen Forschungsdefizite aufzuarbeiten.

Am Ende des Tages waren alle Bamberger Besucher ein bisschen schlauer. Sie konnten auf einen interessanten Tag in Mannheim zurückblicken, bei dem sie einen spannenden Einblick in die praktische Arbeit der Linguisten bekommen konnten. Und vielleicht hat der ein oder andere auch Lust bekommen, nach dem Studium in der sprachwissenschaftlichen Forschung zu arbeiten.