Raum spielt seit ca. zehn Jahren eine nicht zu unterschätzende Rolle in der sozial- und kulturwissenschaftlichen Theoriebildung und empirischen Forschung (sog. spatial turn). Dabei zeichnet sich die Raumtheorie nicht durch stringente und einheitliche Konzeptionen aus. Vielmehr lässt sich eine Vielzahl an Möglichkeiten feststellen, Raum als Theoriebaustein oder gar als empirisches Forschungsobjekt zu verwenden. Vor diesem Hintergrund versteht sich der Schwerpunkt als ein langfristig angelegtes Projekt, die sozial- und kulturwissenschaftliche Diskussion über Raum zu verfolgen, zu diskutieren und mit eigenen Beiträgen anzureichern. In diesem letzten Sinne sind bereits geleistete Arbeiten zu raumbezogenen Semantiken zu vertiefen und auszubauen. Diese Forschungen analysieren den Einsatz von raumbezogenen Beschreibungen in unterschiedlichen Systemen der Gesellschaften. Das Kernargument lautet, dass die Handhabung raumbezogener Unterscheidungen, wie hier/dort, ein grundlegendes Ordnungsangebot sozialer Erscheinungen darstellt.
Allgemein zielen raumbezogene Semantiken darauf ab, Einheit, Übersichtlichkeit und Harmonie durch den Einsatz von "Raum" vor dem Hintergrund wahrgenommener Komplexität und Unsicherheit aktueller gesellschaftlicher Verhältnisse anzustimmen. Deutlich wird dies beispielsweise an der aktuellen Renaissance von Ländlichkeit und einem ländlichen Idyll in zahlreichen populär-verkitschten Zeitschriften.