Dietrich Bonhoeffer (1906-1945), heute überall auf der Welt rezipiert, war zunächst wegen seiner Teilnahme an der Verschwörung gegen Adolf Hitler selbst nach dem Krieg mit dem Makel des Verrats behaftet. Durch seinen Freund und Biographen Eberhard Bethge wurde sein Werk aber weltbekannt. Bonhoeffer wird von ganz unterschiedlichen Menschen mit ganz unterschiedlichen Frömmigkeitsstilen und aus ganz unterschiedlichen Kontexten rezipiert. Der Grund für seine große, auch ökumenische Wirkung ist die prophetische Klarheit seiner Gedanken und die Authentizität seines Zeugnisses.
Geboren in das Bildungsbürgertum Berlins wächst Dietrich Bonhoeffer (rechts mit seiner Zwillingsschwester Sabine) in wohlhabenden Verhältnissen auf, die nicht besonders kirchlich geprägt sind. Sein Vater Karl Bonhoeffer war Professor für Psychiatrie und Neurologie an der Berliner Charité. Die Familie hat Kontakt zu Adolf von Harnack (Bonhoeffer spricht im Namen der Schüler bei Harnacks Begräbnis). Schon im Alter von 13 Jahren äußerte er zum Erstaunen der Familie den Wunsch, Theologie zu studieren.
Bonhoeffer wird nach dem Studium in Tübingen, Rom und Berlin besonders duch seine Auslandsaufenthalte geprägt: durch sein Auslandsvikariat in Barcelona 1928, einen Studienaufenthalt am Union Theological Seminary in New York 1930-31 (rechts sehen Sie ihn auf dem Schiff nach New York), durch sein Auslandspfarramt in London 1933-35 und schließlich durch einen letzten Aufenthalt als Gastdozent am Union Theological Seminary in New York 1939, während dessen er sich entschließt, nicht in der Emigration zu bleiben, sondern nach Deutschland zurückzugehen.
Prägend für Bonhoeffers theologische, kirchliche und persönliche Existenz war die Auseinandersetzung mit den Nationalsozialisten und den ihnen ergebenen „Deutschen Christen“ und seine damit verbundene Teilnahme an der Verschwörung gegen Hitler, die zum misslungenen Attentat am 20. Juli führte. Zwischen 1935 und 1937 führte Bonhoeffer das Predigerseminar der Bekennenden Kirche in Finkenwalde (Pommern) - und zum ersten Vikarsjahrgang dort gehörte auch der ihm später sehr gut befreundete Eberhard Bethge. Auch der spätere Tübinger Kirchengeschichtler und Dogmatiker Gerhard Ebeling gehörte zu den Vikaren, die in Finkenwalde das "Gemeinsame Leben" unter der Obhut Bonhoeffers erfuhren. Bonhoeffer ermutigte Ebeling zur Promotion in einer Zeit, zu der die Beschäftigung mit wissenschaftlicher Theologie zum Teil auch in der Bekennenden Kirche als "Luxus" betrachtet wurde.
Bonhoeffers Theologie ist von einem stetigen Interesse an der Kirche getragen, das mit seiner Dissertationsschirft "Sanctorum communio" beginnt und sich bis in die Fragment gebliebene "Ethik" hinein verfolgen lässt. Zugleich zeichnet seine Theologie eine hohe Sensibilität für die zeitgenössische gesellschaftliche Situation aus und ein klares Bewusstsein für die öffentliche Verantwortung, in der die Theologie steht.
So schreibt er in seiner "Ethik" (DBW 6, 43-44):
„Es ist eine Verleugnung der Offenbarung Gottes in Jesus Christus, ‚christlich‘ sein zu wollen, ohne ‚weltlich‘ zu sein oder weltlich sein zu wollen, ohne die Welt in Christus zu sehen und zu erkennen. Es gibt daher nicht zwei Räume, sondern nur den einen Raum der Christuswirklichkeit, in dem Gottes- und Weltwirklichkeit miteinander vereinigt sind.“
Das Bild rechts zeigt die erste Manuskriptseite von Bonhoeffers Gedicht "Wer bin ich?", das er 1944 während seiner Haft in Tegel verfasst hat.
Am 9. April 1945 wurde Dietrich Bonhoeffer im KZ Flossenbürg erhängt.
Vor der evangelisch-lutherischen Kirche Sankt Matthäus in Bamberg-Gaustadt gibt es seit 1999 eine Bonhoeffer-Büste des Schweizer Künstlers Thomas Ernst. Sie zeigt Bonhoeffer mit dem Strick um den Hals. Ein Bild und einige Informationen dazu finden Sie in einem Artikel des Gemeindebriefs von Sankt Matthäus, verfasst von Pfarrer Wilfried Geyer -
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Wir danken Herrn Pfarrer Dieter Ölschlegel für den freundlichen Hinweis auf die "Bamberger Spuren" Bonhoeffers!