Evangelische Theologie wird in verschiedene Teilfächer – z.B. die Disziplinen Altes und Neues Testament, Kirchengeschichte, Dogmatik und Ethik – untergliedert, die auf ihre spezifische Weise die christliche Überlieferung und ihre kulturprägende Geschichte in ihrem Verhältnis zur heutigen Situation von Christentum und Religion in unserer Gesellschaft wissenschaftlich untersuchen und darstellen.
Eines dieser Teilfächer ist die Praktische Theologie, zu deren Aufgabengebieten die Religionspädagogik gehört. Letztere widmet sich im Rückgriff auf hermeneutische und empirische Verfahren der Religiosität von Kindern und Jugendlichen und berücksichtigt dabei besonders den schulischen Religionsunterricht.
Üblicherweise gelten die pädagogisch-didaktischen Fächer wie die Religionspädagogik an der Universität als „Anwendungsfächer“, welche die Ergebnisse anderer wissenschaftlicher Disziplinen in die Praxis umsetzen. Das ist jedoch – auch im Falle der evangelischen Religionspädagogik – ein Missverständnis. Die Evangelische Religionspädagogik hat nämlich in den letzten Jahrzehnten ihr wissenschaftliches Selbstverständnis erheblich erweitert: Sie versteht sich heute als religiöse Kultur- und Lebenswelt-Hermeneutik, d.h. als Wissenschaft von der Erforschung religiöser Vorstellungen und Lebensformen in unserer Gesellschaft, v. a. bei Kindern und Jugendlichen. Dies schließt die kritisch-konstruktive Re-lektüre der biblischen Ursprungsdokumente sowie die der „objektiven“ und Gestalt gewordenen christlichen Religion konstitutiv mit ein. Ihren fachlichen Schwerpunkt hat sie bei der Erforschung und Strukturierung religiöser Lern- und Bildungsprozesse im Kontext christlicher Religion. Die Religionspädagogik erbringt damit wissenschaftliche Leistungen, die weit über eine nur methodisch geschickte Umsetzung theologischer Inhalte hinausgehen.
Einen weiteren Schwerpunkt der universitären Religionspädagogik bildet die religionsunterrichtliche Fachdidaktik, die sich mit sachgemäßer Auswahl, Begründung und Elementarisierung religiöser Lern- und Bildungsinhalte beschäftigt und Kinder und Jugendliche als Subjekte religiöser Lern- und Bildungsprozesse sieht.
Ein drittes wichtiges Interesse stellt die Erforschung der Entwicklung von Religiosität v.a. bei Kindern und Jugendlichen dar. Untersucht werden sich wandelnde Verstehensbedingungen im Lebenslauf. Hierbei sind Erkenntnisse der Rezeptionsästhetik, der Lehr-/ Lernforschung sowie der religiösen Bildungstheorie von Belang.