Ida ist da! Die Wissenschaft feiert gerade die Entdeckung der 47 Millionen Jahre alten Fossilien eines Uraffen, dessen Hände bereits die für Menschenaffen und Menschen typische Stellung des Daumens aufweist. Ist Ida unsere Urahnin, mit welcher der wundersame Sonderweg der Evolution zum Menschen begann? Und was bedeutet es für uns, aus der Natur hervorgetreten zu sein als dieses besondere, kulturbegabte Tier?
Solche Fragen kann die Menschheit nur mit Hilfe der Hegelwoche beantworten, die sich seit zwanzig Jahren das Nachdenken über den Menschen zur Aufgabe gemacht hat.
Der Philosoph Hans Lenk wird am ersten Abend nach den Ursprüngen der Kultur in der Natur fragen und danach, was sie für unser kulturelles Selbstverständnis bedeuten.
Robert Spaemann wird sich am zweiten Tag der Natur aus der Sicht der Kunstphilosophie nähern. Die Natur nachahmen war für lange Zeit ein zentrales Anliegen der Kunst. Doch trifft dies heute auch noch auf modernste Formen der Kunst zu?
Nach kurzen Darstellungen ihrer jeweiligen Position werden Volker Sommer und Wolfgang Welsch am letzten Abend ein Gespräch über die Natur in der Kultur führen: Während Sommer Kultur bereits bei den Affen sieht, grenzt Welsch den Menschen mit seiner Kultur dagegen als einmalig ab.
Das Gespräch soll sich dann öffnen, um auch das Publikum einzuschließen – denn nur durch das gemeinsame Fragen und Nachdenken wird die Hegelwoche zu einem wirklichen Ort philosophischer Selbstbesinnung des Menschen.
Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hans Lenk: Am Anfang waren die Südaffen. Von den Australopitecinen zum flexiblen Vielfachwesen.
Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Robert Spaemann: Was heißt: "Kunst ahmt die Natur nach"?
Prof. Dr. Wolfgang Welsch: Wie aus Natur Kultur wurde und
Prof. Dr. Volker Sommer: Kultur in der Natur. Die wilden Wurzeln der Vielfalt
Hans Lenk ist Professor em. am Institut für Philosophie an der Universität Karlsruhe und Olympiasieger im Rudern. Lenk studierte Mathematik, Philosophie, Soziologie, Sportwissenschaft und Psychologie in Freiburg im Breisgau und Kiel. Er war zudem Ruderer, wurde zweimal Europameister, viermal Deutscher Meister und gewann bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom die Goldmedaille. Lenk habilitierte in Philosophie und Soziologie. 1995 wurde er in die Internationale Akademie für Philosophie der Wissenschaften und 2003 in die Russische Akademie der Wissenschaften berufen. Nach seiner Präsidentschaft der Allgemeinen Gesellschaft für Philosophie in Deutschland (1990-93) wurde er Vorstandsmitglied der Weltgesellschaft für Philosophie FISP (1993-2008) und war deren Vizepräsident (1998-2003). 2005 wurde Lenk als erster Deutscher zum Präsidenten des Institut International de Philosophie (der „Weltakademie der Philosophie“) gewählt.
Volker Sommer hat am University College London einen Lehrstuhl für Evolutionäre Anthropologie inne und ist zudem UCL Pro-Provost für Internationale Strategie. Studium der Biologie, Chemie und Theologie in Göttingen. 1986-1988 Stipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung, 1991-1996 Heisenberg-Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Forschungen an der Universität Kalifornien sowie jeweils mehrjährige Studien an Tempelaffen in Indien, Gibbons im thailändischen Regenwald und an Schimpansen im Bergwald Nigerias. Gründer des "Gashaka-Primate-Project" in Westafrika, Mitglied der Menschenaffen-Expertengruppe der IUCN. Als wissenschaftlicher Beirat der "Giordano-Bruno-Stiftung" setzt er sich für eine säkulare Weltsicht ein. Einer breiteren Öffentlichkeit ist der engagierte Naturschützer durch Fernsehsendungen sowie seine provokanten Bücher zu darwinischen Themen bekannt, z.B. "Lob der Lüge", "Von Menschen und anderen Tieren", "Schimpansenland".
Robert Spaemann ist Professor em. für Philosophie. Er studierte Philosophie, Romanistik und Theologie, promovierte 1952 in Münster, war Verlagslektor und wissenschaftlicher Assistent und habilitierte sich 1962 für Philosophie und Pädagogik in Münster. 1962 bis 1992 lehrte er Philosophie an der TH Stuttgart und den Universitäten Heidelberg und München. Er hatte zahlreiche Gastprofessuren inne und erhielt 234 Ehrendoktorwürden. Träger des Karl-Jaspers-Preises 2001 der Stadt und der Universität Heidelberg.
Wolfgang Welsch ist Professor für Philosophie an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena und einer der wichtigsten deutschsprachigen Theoretiker der Postmoderne. Er studierte Archäologie, Kunstgeschichte, Philosophie und Psychologie und promovierte 1974 in Würzburg. Acht Jahre später legte er mit „Aisthesis“ seine Habilitationsschrift vor. In den Jahren 1988 bis 1993 lehrte er an der Universität Bamberg. Anschließend nahm er einen Ruf nach Magdeburg an und blieb dort bis 1998. Ab Wintersemester 1998/99 wirkt er als Professor für theoretische Philosophie an der Universität Jena. 1992 erhielt Welsch gemeinsam mit Gianni Vattimo den Max-Planck-Forschungspreis.
Das HEGELFORUM, eine neue Veranstaltungsreihe, welche die alljährliche Hegelwoche wissenschaftlich begleitet, bietet eine Hinführung zum Thema der Hegelwoche und ist zugleich als interdisziplinärer Brückenschlag gedacht.
Das HEGELFORUM 2009 findet in Kooperation mit dem
Naturkunde-Museum Bamberg statt.
Zum Programm des HEGELFORUMS 2009 mit dem Titel "Das tanzende Tier".