Universität Bamberg - Logo

Informationen & Materialien

Bericht


ausführlich

Bildungsforschung made in Bamberg

Otto-Friedrich-Universität stellt ihre Projekte vor

[Bildquelle: picture alliance]

Bildungsforschung wird an der Universität Bamberg groß geschrieben und so gehören die beteiligten Akademiker in ihren Fachgebieten schon jetzt zur deutschen Elite. „Wir haben eine gute Hoffnung in wenigen Jahren mit der Forschergruppe insgesamt auch international zur Spitzengruppe zu gehören.“ Mit diesen Worten charakterisiert Prof. Dr. Hans-Günther Roßbach vom Lehrstuhl für Elementar- und Familienpädagogik und Leiter der DFG-Forschergruppe BiKS die zukünftige Entwicklung des Bamberger  Profilschwerpunkts. 

Um die jeweiligen Projekte und ersten Ergebnisse zu präsentieren, lud die Universität Bamberg am 11. November Interessierte zur „Nacht der Forschung“ in die ehemalige Dominikanerkirche, jetzt AULA der Universität, ein. Unter dem Motto „Wie, wo und wann fängt Bildung an?“ fanden dort Vorträge von Bamberger Wissenschaftlern statt. Um einen erweiterten Einblick in den jeweiligen Forschungsgegenstand zu bieten, wurden die Ausführungen der Dozenten von einer vertiefenden Ausstellung begleitet. Die Vorführung zweier Versionen des Films „Das fliegende Klassenzimmer“ rundete die Veranstaltung ab.

Die Reihenfolge der sechs Vorträge orientierte sich an den verschiedenen Phasen des Lebensverlaufs und bot Beiträge über Wissenserwerb bei Säuglingen, im Kindergarten und in der Schule bis in den Ausbildungsberuf. Nach einleitenden Worten des Prorektors für Forschung, Prof. Dr. Rainer Drewello, eröffnete die Bamberger Psychologin Prof. Dr. Sabine Weinert die Vortragsreihe.

Kompetente Säuglinge und ihre Förderung

Seit kurzen existiert in Bamberg die neue Forschungsstelle Bamberger Baby Institut (BAMBI). Hier wird untersucht, wie Säuglinge die Welt entdecken. Schon im ersten Lebensjahr lernen Babys ihre Umwelt zu ordnen, Kategorien zu bilden und viele Ereignisse zu verstehen. Da Säuglinge nicht in der Lage sind, sich verbal zu äußern, greift der Methodenapparat der Forschung auf spontanes Verhalten der Kinder zurück. Dazu gehört beispielsweise saugen, schauen, Aufmerksamkeit zu- oder abwenden. In ihrem mit einem anschaulichen Video begleiteten Vortrag wies die Professorin  vom Lehrstuhl Psychologie I - Entwicklung & Lernen unter anderem auf die Problematik von Störungen im Spracherwerb hin, die sich nicht selbst beheben und gravierende Konsequenzen für die kognitive, schulische und sozial-emotionale Entwicklung der Kinder haben.

Kindergarten der Zukunft

Prof. Dr. Hans-Günther Roßbach Lehrstuhl für Elementar- und Familienpädagogik stellte das Modellprojekt „Kindergarten der Zukunft“ (KiDZ) vor. Hier betreuen jeweils eine Kinderpflegerin, eine Erzieherin und eine Grundschullehrerin die Kindergartenkinder, um so eine individuelle Förderung gewährleisten zu können. Dabei untersuchen Professor Roßbach und sein Team empirisch die Umsetzung, Akzeptanz und Effektivität dieses Projekts. In den Kindergärten der Zukunft sollen Kinder Spaß am Lernen entwickeln und nicht mit klassischen Lehrmethoden konfrontiert werden. Im Vordergrund steht situationsorientiertes Vorgehen, bei dem die Kinder den Weg selbst bestimmen. 

Wie, wo und wann fängt Bildung an?

Die Vorstellung der Forschergruppe BiKS wurde von Dr. Jutta von Maurice durchgeführt. Vor ungefähr einem Jahr wurde an der Universität Bamberg ein interdisziplinärer Profilschwerpunkt eingerichtet. „Bildungsprozesse, Kompetenzentwicklung und Formation von Selektionsprozessen im Vor- und Grundschulalter“ (BiKS) werden gemeinsam von Pädagogen, Psychologen und Soziologen untersucht. Dabei stehen folgende Fragen im Vordergrund: Wann lernen Kinder was? Welche Rolle spielen dabei Kindergarten, Schule und Elternhaus? Auf welcher Grundlage werden Entscheidungen über den Schuleintritt und die Wahl der weiterführenden Schule gefällt? Und was ist gute Lehre? Dabei wird die Otto-Friedrich Universität von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für einen drei jährigen Zeitraum mit insgesamt 2,3 Millionen Euro unterstützt.

Üben für PISA?

Prof. Dr. Cordula Artelt, die ab Dezember den neuen Lehrstuhl für Bildung und Erziehung im Vor- und Grundschulbereich leiten wird, beschäftigte sich in ihrem Vortrag mit der Frage, inwieweit man Schüler gezielt auf den PISA-Test vorbereiten kann. Dazu wurden Erhebungen an Hauptschulen und Gymnasien durchgeführt. Ein Ergebnis der Untersuchung war, dass kurzfristige Übungseffekte für die Bereiche Lesen und Mathematik nachgewiesen werden konnten, wobei die Übungseffekte in Mathematik mehr Wirkung erzielten. Des Weiteren fiel auf, dass die vorherige Vertrautheit mit der eigentlichen Prüfungssituation ohne Übung des Themengebiets zu keiner besseren Leistung führte. 

Grundschullehrerausbildung im neuen GLANZ

Durch das Forschungs- und Entwicklungsprojekt „Grundschullehrerausbildung – Neukonzeption“ (GLANZ) soll wissenschafts- und berufsbezogene Grundschullehrerausbildung gefördert werden. Prof. Dr. Gabriele Faust Lehrstuhl für Grundschulpädagogik und Grundschuldidaktik widmete sich in ihrem Vortrag unter anderem der Frage, mit welcher Motivation Lehramtsstudierende ihr Studium beginnen. Oftmals wird es nur als Mittel zum Zweck für den späteren Beruf gesehen und so soll mit dem 2003 gegründeten Projekt die Motivation für das Lehramtstudium selbst verbessert werden. Im Fordergrund stehen neben dem Wissenschafts- und Berufsbezug, die bessere Abstimmung der jeweiligen Studienteile aufeinander sowie die Förderung der aktiven Rolle der Studierenden. [zum Video]

Teamorientiertes Lernen bei einem Global Player

Selbstorganisiertes Lernen, ein neues Konzept der Bamberger Wirtschaftspädagogen, überwindet das klassische didaktische Dreieck der Lehrer-Schüler-Stoff Beziehung. Prof. Dr. Detlef Sembill und Dr. rer. pol. Jürgen Seifried erläuterten, basierend auf einer Untersuchung in Zusammenarbeit mit der Audi AG, auf welche vier weiteren Punkte es ankommt. Diese zusätzlichen Dimensionen sind: „lernen für sich“, „lernen mit Risiko“, „lernen mit anderen“ und „lernen für andere“. Insgesamt sprechen sie der Audi AG in ihrem Vortrag gute Lern- und Arbeitsbedingungen während der Berufsausbildung zu, auch wenn es zwischen den einzelnen Ausbildungsberufen und den verschiedenen Lernstätten deutliche Unterschiede gibt.

Mario Mages