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Das Seminar "Rhetorik und selbstsicheres Verhalten" findet am Freitag, 06. Juli 2012 von 9.00 s.t. - 17.00 Uhr statt.
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„Einiges erreicht, aber noch viel zu tun“

Ausstellung „Forschen, Lehren, Aufbegehren“ in der Teilbibliothek 4 erinnerte an das Jubiläumsjahr „100 Jahre akademische Bildung von Frauen in Bayern“

Von Katrin Sell

[Bildquelle: Pressereferat]

„Derjenige Staat, in dem die Weiber professions- oder sportmäßig in die politischen und wissenschaftlichen Berufe hineinpfuschen, ist dem Untergange geweiht. (...) Die Ausbreitung des Frauenstudiums ist ein gemeingefährlicher Unfug“, schrieb die Neue Bayerische Landeszeitung im Januar 1900. Mit diesem Zitat zeigten die Universitätsfrauenbeauftragten, Professorin Bärbel Kerkhoff-Hader und Professorin Eleonore Ploil, bei der Eröffnung der Ausstellung „Forschen, Lehren, Aufbegehren“ am 15. November 2004 die einst enormen Widerstände gegen das Studium von Frauen auf.Denn erst nach harten Auseinandersetzungen wurden Frauen in Bayern 1903 endlich an Hochschulen zugelassen. An dieses Jubiläum „100 Jahre akademische Bildung von Frauen“ erinnerte im vergangenen Wintersemester die Wander-Ausstellung, die die auf eine Initiative der Landeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten an bayerischen Hochschulen zurückgeht und von den Universitätsfrauenbeauftragten in Bamberg präsentiert wurde. 24 Bildtafeln veranschaulichten im Neubau der Teilbibliothek 4 am Heumarkt die Geschichte des Frauenstudiums sowie die gegenwärtige Situation von Frauen an Hochschulen.
Eine Tafel widmete sich speziell der Situation in Bamberg. Heute skurril anmutende Forderungen wie die des Münchener Medizinprofessor Theodor von Bischoff, der um 1870 betonte, Frauen sollten nur als Krankenschwestern, nicht als Ärztinnen arbeiten, waren in der Ausstellung ebenso zu finden wie Biografien moderner, erfolgreicher Wissenschaftlerinnen.
Die Schautafeln gaben einen Überblick darüber, wie die ersten Schritte der Frauen an den Universitäten aussahen und warum auch 100 Jahre später, im 21. Jahrhundert, Professorinnen immer noch die Ausnahme sind.

Von weiblichen und männlichen Durchschnittsgehirnen 

[Bildquelle: Pressereferat]

„Die Ausstellung soll den geschlechtsspezifischen Blick für die Wissenschaftsgeschichte schärfen, denn das ist auch heute noch nötig“, sagte Bärbel Kerkhoff-Hader bei der Eröffnungsveranstaltung und verwies auf den geringen Anteil von nur 6,2 Prozent Lehrstuhlinhaberinnen in Bamberg. Es sei „Einiges erreicht, aber noch viel zu tun“. Die Kanzlerin der Universität, Martina Petermann betonte in ihrem Grußwort, dass auch ihr berufliches Leben von der Geschlechterfrage begleitet wurde – derzeit ist sie die einzige Frau unter den Universitätskanzlern in ganz Bayern. Die Anstrengungen der Universität Bamberg richteten sich darauf, die Familienfreundlichkeit zu verbessern, erläuterte Martina Petermann.
Eleonore Ploil hob das veränderte Selbstverständnis von Frauen und die Fortschritte im vergangenen Jahrhundert hervor: „Vor 100 Jahren haben einige Frauen auf dem Land nicht einmal mit den Männern am Tisch essen dürfen, sondern mussten sich in der Küche auf den Boden setzen.“ Ein Studium war für die weibliche Landbevölkerung kaum denkbar, das Recht auf ein Studium wurde vor allem in den Städten erkämpft.
Während über das „Frauenstudium“ viel diskutiert wurde, stand das „Männerstudium“ nie zur Debatte, noch nicht einmal den Begriff gab es. Medizinprofessor von Bischoff erklärte in den 1870ern, dass Frauen ungeeignet zum Studium seien, da sie einfach ein zu kleines, leistungsschwächeres Gehirn hätten. Ironie des Schicksals und Widerlegung der biologistischen Argumentation: Laut der Schriftstellerin Rosa Mayreder soll Bischoffs eigenes Gehirn fünf Gramm leichter gewesen sein als das von ihm proklamierte weibliche Durchschnittsgehirn.

Vorwurf: Frauen arbeiten aus Freude am Beruf

Die Ausstellung dokumentierte anschaulich die wechselhafte Geschichte des Frauenstudiums: Während des Ersten Weltkriegs stieg die Zahl der Studentinnen beispielsweise relativ stark an. Häufig arbeiteten sie neben dem Studium in Hilfsorganisationen oder in Rüstungsbetrieben. Nach dem Krieg sollten Kriegsheimkehrer in Würzburg in „Zwischensemestern“ zügig (weiter)studieren können. 1919 beklagte sich ein Student in der Würzburger Universitätszeitung über seine Kommilitoninnen als „unfaire Konkurrentinnen“. Jedoch waren selbst während des Krieges lediglich 25 Prozent Frauen eingeschrieben.
1918 habilitierte sich mit der Medizinerin Adele Hartmann die erste Frau in Deutschland. In den 1920er Jahren ergriffen Frauen akademische Berufe, die bis dahin Männern vorbehalten waren – prompt kam Konkurrenzangst auf. Frauen waren im Beruf weniger angesehen und wurden schlechter bezahlt. Einen erneuten Rückschlag erlebten die Frauen unter den Nationalsozialisten: Bejaht wurde die Frau nur als Mutter und Gehilfin des Mannes, lediglich „Frauenberufe“ wie Volksschullehrerin oder Krankenschwester waren als „frauengemäß“ anerkannt. Auch Fabrikarbeiterinnen wurden nicht abgelehnt – die Wirtschaft wollte billige Arbeitskräfte.

Allerdings konnten auch die Nationalsozialisten nicht auf Wissenschaftlerinnen verzichten: Während des Krieges waren Frauen aus wirtschaftlichen und militärischen Gründen an Hochschulen willkommen. Jedoch wurde nach dem Zweiten Weltkrieg sogar über das „Frauenstudium“ wieder diskutiert: Akademische Berufe sollten vor allem Männern vorbehalten sein. Weibliche Berufstätigkeit wurde als Ausnahmezustand proklamiert. Vor allem Akademikerinnen wurde vorgeworfen, dass sie aus Freude am Beruf arbeiteten.

Geschlechtergefälle auf der Karriereleiter

Noch bis in die 1970er Jahre waren Frauen eine Minderheit an der Universität – heute sind sie an den meisten Hochschulen in der Mehrzahl, zumindest bei den Studierenden und beim nichtwissenschaftlichen Personal. In Bamberg liegt der Frauenanteil bei den Studierenden bei 61,2 Prozent. Doch auch hier lässt sich je nach Fach ein Geschlechtergefälle feststellen: In einigen Fächern stellen Frauen die Mehrheit, in anderen sind sie ausgesprochen selten. Ganz anders stellt sich das Geschlechterverhältnis in den oberen Rängen der Hochschulen dar: Professorinnen gibt es grundsätzlich nur wenige. Deutschlandweit sind knapp zwölf Prozent der Professuren mit Frauen besetzt, in Bayern sind es sogar noch weniger, nämlich lediglich neun Prozent (Zahlen für 2003). Mit einem Anteil von fünfzehn Prozent Professorinnen steht die Universität Bamberg vergleichsweise gut da. Doch Zahlen allein trügen oft: An der 1974 gegründeten Fakultät Geschichts- und Geowissenschaften beispielsweise habilitierte sich erst 2002 erstmals eine Frau. Die gegenwärtige Anstrengung richtet sich deshalb auf die Beteiligung von Frauen in der Lehre. Als Ziel für die kommenden Jahre nannte Eleonore Ploil denn auch ein „geschlechtergerechtes kollegiales Miteinander von Frauen und Männern an der Universität.“