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Subjektorientierung in Forschung und Lehre

Unser Selbstverständnis in Forschung und Lehre ist am lernenden und handelnden Subjekt ausgerichtet. Diese Subjektorientierung zielt darauf, das Individuum in seiner reflexiven Auseinandersetzung mit Absichten, Begründungen, impliziten Werthaltungen, Handlungsmöglichkeiten und Normenbezügen zu verstehen und zu unterstützen.

In der Forschung der Erwachsenenbildung entspricht diesem subjektwissenschaftlichen Bildungsverständnis sinnverstehender Transformationsprozesse insbesondere das interpretative Paradigma der qualitativen Bildungsforschung mit ihrem verstehenden, theoriegenerierenden Zugang zum Handlungsgeschehen in der pädagogischen Interaktion.

Durch die Gestaltung entsprechender Lernsettings ermöglichen wir es den Studierenden, gemeinsam in Verantwortung zu lernen und sich selbst als Subjekte weiterzubilden, auch wenn in der Hochschullehre Subjektorientierung an gewisse institutionelle Grenzen stößt. Diese Ausrichtung des Lehrstuhls eröffnet nicht nur Wege zur Aneignung von Wissen, sondern auch von alltäglichen und beruflichen Kompetenzen und rekurriert dabei auf die Fähigkeit zur Selbst- und Welterschließung des reflexiv-handelnden Subjekts. Ihrem eigenen Anspruch gemäß geht Subjektorientierung damit über die Selbstvergewisserung der Subjekte im Bildungsgeschehen hinaus. Ihr geht es um ein spezifisches Verhältnis von Subjekt und Welt und damit implizit immer um die Beziehung von Selbstbestimmung und Unfreiheit.

 

Literatur:

  • Aigner, Josef Christian (2003): Subjektbildung im Grenzbereich zwischen analytischer Sozialpsychologie und subjektorientierter Erwachsenenbildung. In: Höffer-Mehlmer, Markus: Bildung: Wege zum Subjekt. Baltmannsweiler: Schneider, S. 9-17.

  • Bender, Walter (2004): Das handelnde Subjekt und seine Bildung. In: (ders./Groß, M./Heglmeier, H. (Hrsg.): Lernen und Handeln. Eine Grundfrage der Erwachsenenbildung. Schwalbach/Ts., S. 38-49.

  • Faulstich, Peter/Ludwig, Joachim (2004): Lernen und Lehren – aus subjektwissenschaftlicher Perspektive". In: (dies.) (Hrsg.): Expansives Lernen. Baltmannsweiler, S. 10-27.

  • Holzkamp, Klaus (2004): Wider den Lehr-Lern-Kurzschluß. Interview zum Thema Lernen. In: Faulstich, Pe­ter/Ludwig, Joachim (Hrsg.): Expansives Lernen. Baltmannsweiler, S. 28-38.

  • Ludwig, Joachim (1999): Subjektperspektiven in neueren Lernbegriffen. In: Zeitschrift für Pädagogik, 45. Jahrg., Heft 5, S. 667-681.

  • Ludwig, Joachim (2005): Bildung und expansives Lernen. In: Hessische Blätter für Volksbildung, Heft 4, S. 328-336.

  • Meueler, Erhard (2003): Subjektivitätsfördernde Erwachsenenbildung. In: (ders.): Die Türen des Käfigs. Wege zum Subjekt in der Erwachsenenbildung. Stuttgart, S. 169-186.