Vorschulische Trainings der phonologischen Bewusstheit erweisen sich für Muttersprachler sowohl für Sprachen mit sehr inkonsistenter Buchstaben-Laut-Zuordnung wie das Englische als auch für Sprachen, in denen eine fast perfekte Zuordnung von Buchstaben zu Lauten besteht wie im Finnischen als praktisch bedeutsam. Bezüglich der Wirkung von Trainings zur phonologischen Bewusstheit lassen sich in der Forschungsliteratur u.a. drei Forschungsfragen formulieren. Diese beziehen sich auf die langfristige Effektivität von phonologischer Förderung in der Zweitsprache, auf die Notwendigkeit von spezifischen Ausbildungen (und Supervisionsmaßnahmen) für die Erzieherinnen sowie auf die Rolle der Beschaffenheit eines schulischen Anfangsunterrichts im Bereich Lesen und Rechtschreiben, der die Effekte des frühen Sprachtrainings maximieren kann.
Das interdisziplinär angelegte neue Forschungsvorhaben, das in Kooperation mit Prof. Wolfgang Schneider (Würzburg) und Prof. Petra Stanat (Berlin) durchgeführt wird, widmet sich diesen Fragen mit einem Kontrollgruppendesign: Das Projekt wird durch die Berücksichtigung unterschiedlicher Migrantengruppen (türkischsprachige und russischsprachige Kinder) die Frage beantworten, ob positive Effekte des phonologischen Bewusstheitstrainings unabhängig von der Erstsprache und vom Kompetenzniveau verzeichnet werden können. Um die in der Praxis häufig gestellte Frage zu klären, ob die Erzieherinnen zusätzlich zu den Angaben im Trainingsmanual und der Illustration der Trainingsinhalte anhand einer speziellen DVD (Küspert & Schneider, 2007) eine besondere Schulung und Supervision benötigen, sollen in etwa der Hälfte der Trainings-Kindergärten solche Zusatzmaßnahmen für die Erzieherinnen durchgeführt und in ihren Wirkungen mit den üblichen Trainingsprozeduren im Kindergartenalltag verglichen werden. Über den Vergleich von unterschiedlichen Erstlese-Instruktionsformaten in Bayern und Berlin und die Beobachtung des Erstleseunterrichts in Schulklassen mit geförderten und nicht geförderten Kindern sollen schließlich Anhaltspunkte dafür gewonnen werden, welche Form der Erstlese- Instruktion die Nachhaltigkeit der frühen Trainingsmaßnahmen begünstigt.