Ab dem Sommersemester 2012 bietet Frau Dr. Ehrenpreis eine Schreibwerkstatt für alle Promovierenden der BaGraHist an.
ausführlich
Spätestens seit den Protesten gegen multinationale Konzerne wie Shell und Nike oder ganze Staaten (Südafrika), bei denen Boykotte eine nicht unerhebliche Rolle innerhalb der Kampagnen spielten, ist das Phänomen im öffentlichen Bewusstsein präsent. Demgegenüber wurde den historischen Vorläufern dieser Aktionen – mit Ausnahme der antijüdischen Boykotte während der NS-Zeit – bislang relativ wenig Aufmerksamkeit zuteil. In diesem Sinne ist die Arbeit als systematische Erschließung der Geschichte des Kauf- und Konsumboykotts in Deutschland seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert konzipiert. Anhand der Betrachtung ausgewählter Boykottbeispiele aus unterschiedlichen Jahrzehnten werden Kontinuitäten und Wandel dieser Protestform auf inhaltlicher und organisatorischer Ebene im Zeitverlauf nachgezeichnet. Im Zentrum der Untersuchung stehen dabei jene individuellen und kollektiven Akteure, die aktiv zum Konsumverzicht aufgerufen haben beziehungsweise an der Organisation von Boykotten beteiligt waren. Das betrifft deren Selbsteinschätzung und Motivationsgründe ebenso wie die zur Anwendung gelangten Strategien. Über die akteurszentrierte Analyse der aktivistischen Arbeit soll letztlich der Frage nachgegangen werden, inwieweit es möglich ist, soziomoralische Intentionen und politische Ziele, also genuin marktfremde Elemente, über Marktstrukturen zu verhandeln und durchzusetzen.
Das Projekt untersucht das Zusammenspiel zwischen gesellschaftlichen Bildern über Behinderung und den Reaktionen und Strategien derjenigen Menschen, die dieser Kategorie am Arbeitsplatz zugeordnet wurden. Es wird danach gefragt, wie behinderte Menschen ihren Alltag am Arbeitsplatz erlebten, wie gesetzliche Vorgaben hinsichtlich der Beschäftigungsstruktur und behindertengerechten Arbeitsplatzgestaltung dazu führten, in den Betrieben Barrieren abzubauen und Inklusion voranzutreiben. Untersucht werden die konkreten Konflikte und Kooperationen zwischen behinderten und nichtbehinderten Belegschaften bzw. Betriebsführungen und deren Wandel im Zeitverlauf. Darüber hinaus wird geprüft werden, ob die gesellschaftlich dominanten Vorstellungen über Normalität – zum Beispiel hinsichtlich der Leistungsfähigkeit behinderter Menschen – durch den direkten Kontakt am Arbeitsplatz auch Aushandlungsprozessen unterlagen. In diesem Zusammenhang wird zudem in den Blick genommen, inwieweit sich behinderte Menschen gegen die Normalisierungsansprüche des Arbeitsumfeldes zur Wehr setzten oder sich diesen fügten.
In diesem Projekt wird untersucht, ob eine Rekonstruktion mittelalterlicher Gerichte heute möglich ist und welche Probleme auf dem Weg auftreten. Hierzu werden Schriftquellen – vor allem Rezeptsammlungen und Kochbücher – herangezogen, um Aussagen über Kochpraktiken, verwendete Zutaten und Gesetzmäßigkeiten der Zusammenstellung der Gerichte machen zu können. Die Archäologie, Archäozoologie und Archäobotanik liefern wichtige Erkenntnisse zu Kochgerät, Küchenausstattung und Ausgangsstoffen. Mittels praktischer Kochversuche nach den Richtlinien für experimentalarchäologische Untersuchungen soll ein Vergleich der Länderküchen Englands, Frankreichs und Deutschlands durchgeführt werden. Außerdem werden neue Interpretationen mittelalterlicher Gerichte unter Verwendung von Zutaten, die den historischen möglichst nahe kommen, erarbeitet.
Dem Bilingualen Sachfachunterricht Geschichte wird durch die ihm eigene Hinwendung zum sprachlich-kulturell „Anderen“ ein besonderes Potenzial für interkulturelles Lernen attestiert. Die Auseinandersetzung von Schülerinnen und Schüler mit der fremdsprachlichen und fremdkulturellen Perspektivität auf der Ebene der Quellen und Darstellungen leiste einen wichtigen Beitrag zum historischen Lernen. Das Dissertationsprojekt mit dem Arbeitstitel „Interkulturelles Lernen im bilingualen Sachfachunterricht Geschichte“ will diesen Befund empirisch prüfen und den Zusammenhang zwischen interkulturellen Lernprozessen und bilingualem Geschichtsunterricht theoretisch weiter reflektieren.
Das Dissertationsprojekt untersucht die (gesellschafts-)politische Interessenvertretung und Öffentlichkeitsarbeit von Behindertengruppen und Organisationen von Menschen mit Behinderung in beiden deutschen Staaten seit 1945. Im Zentrum steht dabei die Frage nach den Möglichkeiten und Grenzen, auf die die Organisationen bei ihren Bemühungen jeweils stießen, das gesellschaftliche Bild von Behinderung zu beeinflussen und eigene Interessen durchzusetzen. Eine zentrale Frage dieses Projekts ist folglich die nach den Strategien mit welchen die Behindertenverbände, Selbsthilfeorganisationen und der Behindertenbewegung zum Abbau gesellschaftlicher und physischer Barrieren und gesellschaftlicher Exklusionspraktiken beizutragen versuchten.
Revolution, Restauration, Industrialisierung und Krieg waren im 19. Jahrhundert der Grundstein für die Bildung des modernen Bayern. Das Bürgertum entwickelte sich in dieser Zeit zur staatstragenden Sozialformation des Königreichs Bayern. Als mittelgroße, katholisch geprägte Provinzstadt stellt Bamberg ein besonders interessantes Untersuchungsobjekt dar: Im 19. Jahrhundert vollzog sich im Fürstbistum eine rasante Entwicklung von der ländlichen Haupt- und Universitätsstadt hin zu einer Garnisons- und Handelsstadt. Eine - 14.000 Datensätze enthaltende - Datenbank dient der Dissertation als fundierte, empirische Basis. Neben der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung der Stadt Bamberg werden auch die Sozialnetzwerke des Bürgertums ergründet. Die Dissertation wird in der Bürgertumsforschung eine Lücke schließen, da hier Mittelstädte bislang nur sehr wenig beachtet wurden.