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Promotionsprojekte

Margarete Arlamowski

Projekt: Typologie der Rezipienten auf der Social Media Plattform
Facebook – eine Nutzeranalyse

Warum nutzen wir Soziale Netzwerke? Was macht eine Plattform wie
Facebook so attraktiv? Welche Bedürfnisse werden hier befriedigt und
welche Motivation treibt fast 900 Millionen Menschen dazu, Facebook zu
nutzen? Und welche praktische Bedeutung folgt daraus für die
Erstellung einer Kommunikationsstrategie im Social Web?
Im ersten Teil werden Soziale Netzwerke und deren quantitative und
qualitative Nutzung definiert und verglichen. Im zweiten Teil zeigt
die Arbeit verschiedene Nutzertypologien wie Sinus Internet-Milieus,
Nielsen und Social Technographics Profiles auf.  Der dritte Teil
prüft, inwieweit sich Motivationstheorien wie die Maslowsche
Bedürfnispyramide oder der Uses-and-Gratifications-Ansatz auf die
Motivation zur Nutzung der Social Web Plattformen übertragen lassen.
Im vierten Teil werden qualitative Interviews mit Vertretern der
verschiedenen Nutzertypen geführt und ausgewertet. Die Arbeit schließt
ab mit Schlussfolgerungen und Handlungsempfehlungen zur Konzeption von Social Media Kommunikationsstrategien.

Julia Eckert

Projekt: Die literarische Darstellung des europäischen Aufklärungsdiskurses in Christoph Geisers Das Gefängnis der Wünsche (Arbeitstitel)

Die unter dem vorläufigen Arbeitstitel "Die literarische Darstellung des europäischen Aufklärungsdiskurses in Christoph Geisers Das Gefängnis der Wünsche" laufende Dissertation soll der Frage nachgehen, wie Aufklärung als philosophische Geisteshaltung und zentrales Konzept abendländischen Selbstverständnisses sowie deren Antipol literarisch konstruiert werden und auf welche theoretischen Hintergründe die jeweilige Konstruktion rekurriert. Hierbei soll eine Analyse der jeweiligen Arten der Codierung von Aufklärung im Feld verschiedener anknüpfender Diskurse wie z.B. Macht - Gewalt - Strafen, Sprachtheorie oder Gender und Queer Studies erfolgen sowie deren eventuellem Ineinandergreifen und den Effekten dieser Kopplungen nachgespürt werden. Zentral für eine umfassende Interpretation des Aufklärungsdiskurses beziehungsweise des Antagonismusʼ von Aufklärung und 'Anti-Aufklärung' und des Ineinander-Übergehens der beiden Pole bis hin zur Entstehung einer janusköpfigen Doppelfigur sind neben den Texten der beiden Roman-Protagonisten Goethe und de Sade die Theorien der 'klassischen' Aufklärungsphilosophen und ihrer (scheinbaren) Gegenspieler.

Corina Erk

Projekt: Literarische und filmische (De-)Konstruktionen der RAF – Erinnerungsarbeit an einem Mythos

Die Dissertation beschäftigt sich mit den Phänomenen des Mythos RAF und der erinnerungskulturellen Inszenierung der RAF in Literatur und Film. Dabei wird herausgearbeitet, auf welche Weise Texte und Filme zur Gedächtnisbildung, aber auch Gedächtnisreflexion in Bezug auf die RAF mitarbeiten und inwiefern diese Gedächtnisarbeit als Fortführung des vermeintlich positiv konnotierten Mythos RAF oder aber als Dekonstruktion desselben verstanden werden kann und muss. In diesem Sinne fungiert die Arbeit als umfassende Analyse der Ästhetik der RAF-Erinnerung auf literarischer wie filmischer Ebene.
Thematisch lassen sich dabei bisher vier Schwerpunkte der fiktionalen Beschäftigung mit dem Sujet ausmachen: Die Spannbreite der Literarisierung der RAF reicht von der kritischen Auseinandersetzung mit
den Reaktionen des Staates auf den RAF-Terrorismus über die Fokussierung auf die Person des Terroristen bis hin zur Rezeption der RAF in der Popkultur um die Jahrtausendwende, um schließlich in einer Parallelführung von RAF-Terrorismus und Familiensujet zu münden. Auch die Ästhetisierung des Gegenstandes im Film lässt sich in verschiedene Themenzugänge einteilen, wobei der politischen Aufarbeitung des innerdeutschen Terrorismus, der „Verpoppung“ der RAF auf der Leinwand ab dem Jahr 2000 und wiederum dem Familienthema besondere Bedeutung zukommt. Ausgangspunkt der Dissertation war die Feststellung, dass sich die Forschung bisher vornehmlich an der politisch korrekten Darstellung der RAF in Literatur und Film abgearbeitet hat. Mit dieser eindimensionalen Sichtweise will die Arbeit brechen, indem sie eine systematische und differenzierte Analyse der literarischen und filmischen Rezeption des RAF-Terrorismus vornimmt, die sich vor allem auf die Aspekte Mythos-Dekonstruktion und Entwurf eines Gegen-Gedächtnisses fokussiert. Dies geschieht auf der Basis erzähltheoretischer und figurentechnischer Analysen ebenso wie unter Rückgriff auf die Gedächtnistheorie von Aleida und Jan Assmann, ohne jedoch die sich auf den unterschiedlichen medialen Ebenen abzeichnenden Differenzen zu ignorieren.

Mareike Gramer

Projekt: Hiob - der Antiheld. Die Reartikulation des Hiob-Mythos bei Joseph Roth, Karl Wolfskehl und Maxim Biller

Wer sind die Hiobs des 20. und  21. Jahrhunderts? Joseph Roth (1930), Karl Wolfskehl (1950) und Maxim Biller (2000) haben den biblischen Hiob-Mythos in ihren Werken explizit in den Mittelpunkt gestellt. Der biblischen Hiob-Figur kommt als wichtigster Deutungsfigur der Shoah in der jüdischen Erinnerungskultur eine immense Bedeutung zu. So überrascht es umso mehr, dass die Erforschung des Hiob-Mythos in deutschsprachig-jüdischer Gegenwartsliteratur bislang noch ausgeblieben ist. Im Zentrum meiner Analyse steht die These, dass Maxim Billers Roman Die Tochter in erster Linie als deutschsprachig-jüdischer Hiob-Roman des beginnenden 21. Jahrhunderts gelesen werden sollte. Billers Buch erweist sich als ein die gesamte Tradition der Hiob-Geschichte reflektierendes und reartikulierendes Werk, das nicht nur die Shoah in den Blickpunkt seiner Betrachtung stellt, sondern auch die Aporien im Verhältnis zwischen Vertretern der zweiten Generation eindrucksvoll ausgestaltet. Das Projekt versteht sich in diesem Sinne als ein Beitrag zu einer größeren Diskussion um die jüdisch geprägte Erinnerungskultur und ihre besonderen Mechanismen und Funktionen im gesellschaftlichen Kontext einer nichtjüdischen Hegemonialkultur. 

Ilona Großkinsky

Projekt: Schreibentwicklung nichtmuttersprachlicher Studierender

Die Klage über fehlende Schreibkompetenzen von Studienanfängern hat in der Fachdidaktik eine breite Diskussion über mögliche Verbesserungen bei der schulischen und universitären Vermittlungspraxis ausgelöst (vgl. u.a. Saxalber/Esterl 2010). Doch selbst der beste Schreibunterricht stößt an seine Grenzen, wenn Studienanfänger mit Anforderungen konfrontiert werden, die nicht ihrem Entwicklungsstand entsprechen. Um den Übergang von Schule zu Universität didaktisch besser begleiten zu können, ist es deshalb notwendig, sich mit der Ontogenese des wissenschaftlichen Schreibens zu beschäftigen. Hierzu ist in den letzten Jahren viel Forschungsarbeit geleistet worden (vgl. u.a. Pohl 2007, Steinhoff 2007). Weitgehend ausgeklammert wurde dabei bisher – zumindest im deutschsprachigen Bereich – die Schreibentwicklung nichtmuttersprachlicher Studierender. Gerade für diese Studierenden stellt der Erwerb wissenschaftlicher Schreibkompetenzen aber eine enorme Herausforderung dar, die didaktisch sinnvoll begleitet werden muss. Hierzu will die Dissertation einen Beitrag leisten. Geplant ist eine qualitative Untersuchung der Schreibentwicklung von Studierenden des Studienkollegs München. Neben der kontinuierlichen Beobachtung der Textproduktionen werden auch Lernerprofile erstellt, die u. a. Angaben zu bisherigen Schreiberfahrungen sowie zu Lese- und Schreibstrategien enthalten. Auf Basis der erhobenen Daten sollen Hypothesen zu möglichen Entwicklungsstadien beim Erwerb wissenschaftlicher Schreibkompetenzen formuliert werden.

Nora Isterheld

Projekt: ”На Сквозняке Европы – In der Zugluft Europas”. Zur deutschsprachigen Literatur russischstämmiger MigrantInnen.

„So seltsam, in der Zugluft Europas zu stehn. / Die Spalten in diesem Raum dichtet niemand zu“, heißt es in Olga Martynovas bekanntestem Gedicht, das dem hier vorgestellten Dissertationsprojekt den Titel geliehen hat. Der bei Martynova beschworene Raum ist eng mit der postkolonialen Heimat- und Migrationsrhetorik verbunden und verweist auf einen ambivalenten Zwischenraum, in dem die Grenzen des Wohnens und der Bewegung, des Transits und der Migration scheinbar aufgehoben sind. Primärer Untersuchungsgegenstand ist die Literatur russischstämmiger AutorInnen, die überwiegend seit 1990 in den deutschsprachigen Raum migriert sind und Deutsch als Schreibsprache gewählt haben. Ziel der Arbeit ist nicht die Konstruktion einer homogenen Poetik, sondern die Herausarbeitung spezifischer, bisweilen auch divergierender Motiv- und Stilmerkmale russischstämmiger MigrantInnen. Mit der interdisziplinär angelegten Arbeit soll ein Beitrag zum aktuellen Thema „Migrationsliteratur“ geleistet und unter Berücksichtigung der aktuellen wissenschaftlichen Kontroversen ein eigenständiger Standpunkt ausgearbeitet werden, der dem Phänomen der „Migrationsliteratur“ als einer Literatur des „Dazwischen“ gerecht wird.

Katharina Kellermann

Projekt: Heroinen der Technik zwischen 1918 und 1945: Selbstwahrnehmung – zeitgenössischen Funktionalisierung – Einordnung ins deutsche kulturelle Gedächtnis (Arbeitstitel)

Die geplante Dissertation befasst sich mit Technikpionierinnen, die in Zeiten massiver ideologischer Verwerfungen revolutionäre, meist medial vermittelte Leitbilder von Weiblichkeit prägten. Als bekannteste Repräsentantinnen dieses neuen weiblichen Selbstverständnisses gelten etwa die Fliegerinnen Marga von Etzdorf und Hanna Reitsch, Automobilistinnen wie Annemarie Schwarzenbach oder die Regisseurin Leni Riefenstahl. Das Projekt verfolgt ein kulturwissenschaftliches Anliegen; im Fokus steht deshalb eine ästhetisch-medienkritische Analyse verschiedener Inszenierungs- und Reflexionsstile von den 1920er Jahren bis in die Gegenwart. Als Arbeitsgrundlage dienen u.a. autobiografische Dokumente zur Selbstwahrnehmung und -darstellung der Heroinen, Quellen zur zeitgenössischen Rezeption in den verschiedenen Medien sowie exemplarische Texte der gegenwärtigen Re-Inszenierung.

Martin Kraus

Projekt: Literaturskandale in der Weimarer Republik

Mit der Arbeit soll ein Beitrag zur Erschließung der Literaturgeschichte als Geschichte literarischer Skandale geleistet werden. Angesichts der enormen Forschungslücken auf diesem Gebiet muss sich dafür zunächst theoretisch mit dem Phänomen Literaturskandal beschäftigt und ein Konzept erarbeitet werden, mit dem die angestrebte Erschließung produktiv vorgenommen werden kann. Dies soll zunächst im Rückgriff auf Skandalforschung anderer Wissenschaften, wie Politologie, Soziologie, Kommunikationswissenschaft und Kunstgeschichte, und Anwendung dieser theoretischen Ansätze auf das literarische Feld erfolgen. Es zeigt sich, dass (Literatur-)Skandale ohne eine Beachtung ihrer Kontexte kaum hinreichend zu verstehen sind. Folglich erscheint es zweckmäßig, eine entsprechende Untersuchung auf eine bestimmte Zeit einzugrenzen: Hier wird der Fokus auf die Skandale der Literatur in der Weimarer Republik gerichtet. Erhofft wird, dass dadurch weitere wesentliche, über die bloße Theorie hinausgehende Aufschlüsse über den Literaturskandal gewonnen und Erkenntnisse zu den Jahren 1918 bis 1933 sinnvoll ergänzt werden können. Vertieft werden die Ergebnisse durch Analysen ausgewählter Skandalfälle dieser Zeit.

Christoph Naumann

„Ich war Arbeiterfotograf, ohne es zu wissen.“
Walter Ballhauses sozialdokumentarische Fotografie 1929-33


Untersuchungsgegenstand und Materialbasis des Dissertationsprojekts ist das um 1930 entstandene sozialdokumentarische Werk des Fotografen Walter Ballhause, ein fotogeschichtlich in Umfang und künstlerischer Qualität herausragendes visuelles Dokument für die Zeit der großen Wirtschaftskrise und niedergehenden Weimarer Republik.
„Nicht mehr lesen! Sehen!“ (Molzahn 1928) Diesen Ausruf einer visuellen Leitkultur hinterfragend, findet eine kritische Betrachtung des Stellenwerts der Fotografie in der medialen (Arbeiter-)Kultur statt. Anhand der Fotografien Ballhauses wird die inhaltliche und ästhetische Programmatik in der Generierung einer Gegen-Bildwelt zum idyllisierenden Bilderkanon bürgerlicher Pressepublikation untersucht sowie die Wirkungsweise der Fotografie als Reflexions- wie Agitationsmedium im Kontext einer hochgradig politisierten und konfliktträchtigen Gegenwart (Stumberger 2007) eruiert. Dabei gilt es, ästhetische Strategien des Fotografen Ballhause herauszuarbeiten und in den Vergleich mit der Bildproduktion anderer Arbeiterfotografen zu stellen. Wie manifestiert sich sein fotografischer Stil in der Darstellung von Armut, Protest und politischem Widerstand? Wie weit löst er sich dabei vom überindividuellen Autorenverständnis der organisierten Arbeiterfotografie-Bewegung? Welche Rolle spielt bei der Bewusstmachung der Situation des Arbeiters der sie spiegelnd-visualisierende Umweg der bildlichen Entfremdung (Plessner 1982), in der das Alltäglich-Gewöhnliche durch die Wahl der fotografischen Kadrierung zum Aufmerksamkeit Einfordernden bestimmt wird? Hinsichtlich der Rezeption der sozialdokumentarischen Fotografie Ballhauses öffnet eine präzise Distinktion zwischen zeitgenössischer und gegenwärtiger Lektüre der Bilder (Jäger 2000) den Blick auf Bedeutungsverschiebungen bei der Musealisierung nach der späten Wiederentdeckung. Die nach jahrzehntelanger Nicht-Wahrnehmung der Bilder konstatierbare Diskontinuität (Scott 2007) intendiert werkübergreifend die Frage nach Prozessen im Aussagegehalt sozialengagierter Fotografien, die ihre genuin politisch-soziale Anklagefunktion verloren haben (Sontag 1980). 

Friederike Nerad

Projekt: Reise-Apps und Reisejournalismus im Internet-Zeitalter

Sind Apps die neuen Reiseführer?  Welche Applications gibt es im Bereich Reise? Wie wertvoll sind diese Anwendungen für den Nutzer? Und wo steht der Reisejournalismus im Zeitaltern von Digitalisierung und Internet? Teil 1 eröffnet die Arbeit mit der Frage „Was ist eine App“? Neben Begriffsbestimmung und Entwicklung werden verschiedene Modelle dieser jungen Anwendung vorgestellt. Teil 2 der Arbeit widmet sich dem Reisejournalismus in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Problemfelder wie die Nähe zu Public Relations, die Abhängigkeit von Sponsoren, die Glaubwürdigkeit persönlicher Reise-Erfahrungen sowie Qualitätsmaßstäbe stehen dabei im Vordergrund. Der Einfluss des Internets insbesondere auf den modernen Reisejournalismus wird aufgezeigt. Der dritte Teil der Arbeit legt den Schwerpunkt auf die Usability von Apps. Was erwarten Nutzer von einer Application? In Gruppendiskussionen äußern User ihre Wünsche. Teil 4 zeigt einen Vergleich ausgewählter Reise-Apps mit journalistischem Schwerpunkt.

Nina Rexhepi

Projekt: Der Einfluss Goethes auf das Werk von Friedrich Dürrenmatt in dessen frühen Schaffensphasen (1943-1951/ 1952-1967).
Unter besonderer Berücksichtigung der dramentheoretischen Konzeption und der frühen Theater-stücke. (Arbeitstitel)

Kern des Dissertationsprojektes ist es, das Frühwerk Friedrich Dürrenmatts unter dem Aspekt seiner Goethe Rezeption zu analysieren, um mögliche geistige und literarische Einflüsse - insbesondere auf das dramatische und dramentheoretische Werk - sichtbar zu machen. Der Analyse vorgeschaltet ist die Reflexion gängiger Intertextualitätstheorien, aus denen heraus Arbeitsbegriffe entwickelt werden, die eine Kontextualisierung von Goethes und Dürrenmatts Werk legitimieren und handhabbare Untersuchungsparameter zur Entdeckung von impliziten Homologien zur Verfügung stellen. Die Studie erstreckt sich über sechs Themengebiete, die von theoretischen Reflexionen und ästhetischen Konzeptionen über die Figurenanlagen bis hinein in die Stoff- und Motivkomplexe einzelner Werke reichen. Hinzu kommt ein komparatistischer Blick auf das Werk von Friedrich Schiller, der vor allem die (moral-) ethische Dimension und Funktion der Literatur des Klassikers Schillers zu Dürrenmatts Konzeptionen in Bezug setzen soll.Damit die erzielten Untersuchungsergebnisse weitgehende Reliabilität erzielen und nicht nur als „Randphänomene“ einzuordnen sind, werden besonders wirkungsmächtige Werke Goethes, wie „Faust“, „Werther“ oder „Iphigenie“, herangezogen. Das Projekt trägt generell den Anspruch, einen sehr wichtigen Teilaspekt der literarischen - insbesondere der dramatischen - Grundlagenforschung zu Friedrich Dürrenmatt zu klären, von dem aus die Beziehung zwischen Goethe und Dürrenmatt im Gesamtwerk erschlossen werden kann.

Alexa Ruppert

Projekt: Der Autor und seine Kritiker – Ein besonderes Verhältnis. Literaturkritik und Lektorat als Identitätskritik

Literarische Texte können als Spiel des Autors mit der eigenen Identität gelesen und interpretiert werden. Rollen und Identitäten, die in der Realität nicht möglich sind, können fiktiv konstruiert und ausprobiert werden. An dieser Stelle verbinden sich nicht nur humanistische Theorien und dynamische Aspekte zur Identitätskonstruktion aus der Psychologie des Individuums von beispielsweise Erik H. Erikson, sozialpsychologische Überlegungen von George Herbert Mead und Erving Goffman oder der Ansatz der narrativen Psychologie, sondern auch soziologische Aspekte zur Rollenübernahmen und -ausgestaltung mit literaturwissenschaftlichen Theorien zur Autor- und Erzählerschaft. In welchem Verhältnis stehen die Instanzen Autor, Erzähler und der Autor als reale Person zum Text und den darin erschaffenen Identitäten? Wie gestaltet sich die Beziehung von Fiktion und Realität an dieser Schnittstelle? Diese Fragen werden besonders in literarischen Texten, die das Verhältnis zwischen Autor und Literaturkritiker, wie Walsers „Tod eines Kritikers“, und Autor und Lektor, wie Gstreins „Die ganze Wahrheit“ oder Köhlmeiers „Idylle mit ertrinkendem Hund“, verhandelt. Lektor und Literaturkritiker üben Kritik am Text und damit auch an den darin enthaltenen Identitätskonstruktionen. Der literarische Umgang  mit der Kritik beschreibt oft die Beziehungen zwischen Autoren und ihren Rezensenten oder ihren Lektoren. Aber auch andere Autorenfiguren finden sich als Kritiker in Texten, deren Plot im Literaturbetrieb angesiedelt ist. Die Frage nach der Wirkung von Kritik und dem Verhältnis von Autoren untereinander, ist ein weiterer Bezugspunkt zur Analyse von Identitätskonstruktionen innerhalb eines literarischen Textes. Hierfür eignet sich eine Analyse von Michale Maars jüngst veröffentlichten Debütroman „Die Betrogenen“ sowie den Roman „Der Schreibtisch am Fenster“ von Peter Zeindler. Ziel dieser Arbeit ist es, diese Beziehungen darzustellen und miteinander zu vergleichen, um Rückschlüsse auf Identitätskonstruktion im Text, den Umgang mit Kritik seitens des Autors und das Zusammenspiel von Autor – als Instanz und auch als wirkliche Person –

Judith Wimmer

Projekt: Comic Work Culture. Repräsentationen der Arbeit im Stummfilm

Friedrich Wilhelm Murnau stellt die Verschmelzung von Arbeit und Identität als hochgradig grotesk dar, Charlie Chaplin karikiert die maschinell gesteuerte Arbeit am Fließband, René Clair persifliert Parallelen zwischen der Arbeit und dem Gefängnis, King Vidor führt die Arbeit in der Filmindustrie ad absurdum… In Zeiten der Moderne, der fundamentalen Veränderungen in der Berufswelt, werden Arbeit und Komik im Film beständig in Relation zueinander gesetzt. Immer wieder werden wir über den kuriosen Dinggebrauch Buster Keatons oder die unproduktiven Tätigkeiten Laurel & Hardys zum Lachen angeregt. Der Arbeitsraum scheint also in besonderem Maße prädestiniert für komische Situationen zu sein. Erste theoretische Hinweise auf diesen Zusammenhang liefert Henri Bergson mit seinen Thesen zur Mechanisierung, Wiederholung, Inversion und, ganz konkret, zur Berufskomik, doch auch die Schriften Michail Bachtins und Sigmund Freuds legen nahe, dass Komik sich in Anwesenheit stark ausgeprägter Konventionen, sprich: Hierarchieverhältnisse, Rollenanforderungen, Kleiderordnungen etc. entfaltet. Diese und andere genuin komische Aspekte von Arbeit aufzudecken und damit verschiedenste Gag-Dramaturgien diverser Stummfilme aus den USA und Europa zu beleuchten, ist Ziel meiner Dissertation.