Im Rahmen von Ausgrabungen im Bereich einer bronzezeitlichen Siedlung bei Tall Bazi im syrischen Euprattal wurden auch kaiserzeitliche Baustrukturen freigelegt. Im Jahr 2000 wurden diese einer systematischen Dokumentation unterzogen. Bei dem links des Euphrat und somit bis in das späte 2. Jh. n. Chr. außerhalb der römischen Provinz Syria, auf osrhoenischem Territorium liegenden Platz handelt es sich nach Aussage der Baulichkeiten und Funde vermutlich um ein befestigtes einheimisches Heiligtum, welches sich bis in die hellenistische Zeit zurückverfolgen läßt. Die Auswertung dieser jüngsten Baustrukturen und seiner Funde liegt bei der Professur für Archäologie der Römischen Provinzen und erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Institut für Vorderasiatische Archäologie der Ludwig-Maximilians-Universität München und mit der Orientabteilung des Deutschen Archäologischen Instituts, auf dessen Initiative diese Grabungen zurückgingen. Die Ergebnisse lassen grundlegend neue Erkenntnisse zu Themen erwarten, für welche bisher nur ein unzureichender archäologischer Quellenbestand vorlag: zu Formen der Kontinuität religiöser Zentralorte stammesorganisierter Gesellschaften in der Provinz Osrhoene und zur Frage, wie Rom im Rahmen der Eroberung und Provinzeinrichtung mit solchen
Plätzen umging. Die Auswertung erfolgt im Rahmen einer Dissertation durch Katharina Schloder M.A. und wird durch ein Graduiertenstipendium der Bayerischen Eliteförderung unterstützt.