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Tierreste aus dem Dachboden der Kathedrale von Chur, Graubünden

Die Kathedrale von Chur. Foto: Iris Nießen

Projektleiter: Prof. Dr. Ingolf Ericsson

Projektmitarbeiter: Iris Nießen, BA

Im Dachgeschoß der Kathedrale von Chur (Kanton Graubünden) wurden während der Restaurierungsarbeiten 2006 insgesamt 208 Objekte aus den Gerüstbalkenlöchern geborgen. Es handelt sich ausschließlich um organisches Material, dass durch die klimatischen Bedingungen sehr gut erhalten und teilweise mumifiziert ist. Neben zahlreichen Rinderknochen mit Schlachtspuren fanden sich unter anderem auch Ziegen- und Gämsenfüße sowie Katzenschädel.

Eine Deutung als „Bauopfer“ erscheint aufgrund des ungewöhnlichen Fundmaterials zunächst naheliegend. Dennoch ist nicht geklärt, ob die Funde einmalig nach Fertigstellung einer Bauphase in die Gerüstlöcher gelangten oder ob es sich um eine Praxis über einen längeren Zeitraum handelt. Bei Ersterem könnten die Funde tatsächlich als sogenannte „Bauweihgaben“ angesprochen werden. Über die Datierung mittels C14- Analysen sollen so nicht nur das Alter der Fundkomplexe ermittelt, sondern auch die Interpretation als „Bauopfer“ empirisch untermauert werden. Fertiggestellt wurde die Kathedrale in Chur im Jahr 1275.



Einige Funde aus den Gerüstlöchern der Kathedrale von Chur: Katzenschädel, Gämsenfüße, Speckschwarte. Fotos: Iris Nießen.

Die Objekte aus der Kathedrale reihen sich in eine Fundgruppe ein, die in der Volkskunde und Hausforschung schon lange bekannt ist, deren Stellenwert für die Archäologie allerdings erst jüngst erschlossen wurde. Deutlich wird dies daran, dass sich die Forschung bis heute auf keinen einheitlichen Fachterminus einigen konnte. Zur Diskussion stehen unter anderem Deponierungen in Gebäuden, Gebäudedepots, Gebäudefunde sowie Funde aus Gebäuden.

Die in der Regel außergewöhnlich gute Erhaltung, insbesondere organischen Fundmaterials, erlaubt Einblicke in mittelalterliches und neuzeitliches Alltagsleben, welche unser durch Ausgrabungen gewonnenes Bild ergänzen. Darüberhinaus bietet das Thema „Bauopfer“ Fragestellung im Bereich des Aberglaubens/Volksglaubens auch im Bezug zur Rolle der Kirche. Da schriftliche Belege allerdings recht dürftig sind (Schriftliche Belege für Aberglauben bei Buchard von Worm und Regino von Prüm), sind die Funde aus der Kathedrale in Chur eine besondere Gelegenheit mehr über das Weltbild und die Vorstellungen in Mittelalter und der Neuzeit zu erfahren.

Das vorgestellte Thema wird als Masterarbeit an der Universität Bamberg bearbeitet und vom Archäologischen Dienst, Kanton Graubünden, unterstützt. Mit Hilfe archäologischer Methoden (Dokumentation und Aufnahme des Fundmaterials und der Gerüstlöcher, Analogieschluss, analytische Datierungsverfahren etc.) wird das Material bearbeitet sowie interdisziplinär auch die Europäische Ethnologie und Bauforschung miteinbezogen. Beim oben genannte Titel Bauopfer“ aus der Kathedrale in Chur, Kanton Graubünden. Funde aus Gebäuden in Mittelalter und Neuzeit handelt es sich lediglich um eine Arbeitshypothese, da sich die Interpretation als „Bauopfer“  im Zuge der Auswertung erst noch bestätigen muss!