Institut für Nutzpflanzenwissenschaften und Ressourcenschutz der Universität Bonn
ausführlich
der Otto-Friedrich-Universität Bamberg im Wintersemseter 2012/13
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Projektleiter: Prof. Dr. Ingolf Ericsson
Projektmitarbeiter: Eike Michl, MA

Das Bistum Würzburg kann seit seiner Gründung durch den Missionar Bonifatius im Jahr 741/742 auf eine lange und wechselhafte Geschichte zurückblicken und verfügte im Mittelalter über zahlreiche und weit verstreute Ländereien.
Während der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts verfasste der bischöfliche Kanzleischreiber Michael de Leone eine Liste all dieser würzburgischen Besitzungen, in der auch die Namen von fünf bischöflichen Residenzen bzw. Verwaltungssitzen auftauchen. Vier dieser Anlagen konnten bereits in Würzburg, Frickenhausen am Main, Eltmann bei Bamberg und in Leutersdorf bei Meiningen lokalisiert werden; lange Zeit unklar war jedoch die Lage einer fünften Residenz, die sich nach der Überlieferung in der Nähe des unterfränkischen Ortes „Lyndeloch prope Gerolzhouen“ im heutigen Landkreis Schweinfurt befunden haben soll.
Das urkundlich erstmals 1151 gesichert erwähnte und zu diesem Zeitpunkt bereits als Standort eines würzburgischen Wirtschaftshofes bekannte Dorf Lindelach lag wenige Kilometer östlich der Stadt Gerolzhofen und wurde in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges im Jahr 1631 von schwedischen Truppen zerstört.
Auf einem kleinen Bergsporn in unmittelbarer Nähe zur ehemaligen Siedlung konnte in den 90er Jahren nun auch der mutmaßliche Standort der bislang verschollenen fünften „Bischofspfalz“ durch einen lokalen Heimatforscher festgestellt werden.
Zwei darauf folgende unabhängige geophysikalische Messungen des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege und des Lehrstuhls für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit der Universität Bamberg lassen dort einen rechteckigen, mehrfach unterteilten Gebäudekomplex von ca. 60m Länge und maximal 11m Breite erkennen,
der zudem von einer bislang unbekannten Grabenanlage und verschiedenen Nebengebäuden umgeben zu sein scheint.
Das Ensemble von Bergsporn und mittelalterlicher Wüstung steht seit dem Jahr 2007 im Fokus eines Forschungsprojektes der Bamberger Archäologen, die dort in enger Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und der Stadt Gerolzhofen jährliche Ausgrabungskampagnen durchführen.
Diese wurden anfangs durch Zuwendungen der Gerolzhofer Dr. Ottmar-Wolf-Kulturstiftung, der Stadt Gerolzhofen, des Bistums Würzburg sowie der Sparkasse Schweinfurt ermöglicht und sind von 2009 bis 2012 Bestandteil eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projektes.
Bei den überwiegend als Lehrveranstaltung durchgeführten Untersuchungen (darunter auch zwei großflächige geomagnetische Prospektionen) legten die Ausgräber bislang eine Fläche von über 1500m2 frei und dokumentierten zahlreiche Funde und Befunde, die eine komplexe, wechselhafte und in dieser Form bislang völlig unbekannte Siedlungstätigkeit auf dem Bergsporn nachweisen.
Neben vorgeschichtlichen Siedlungsresten entdeckten die Archäologen eine ca. 1,8 Hektar umfassende frühmittelalterliche Burganlage des 8.-10. Jahrhunderts mit einem bis zu 10m breiten Befestigungsgraben.
Diese schützte einen karolingisch-ottonischen Königshof, welcher im hohen und späten Mittelalter wiederum in einen repräsentativen Saalbau umgestaltet wurde.
Hier lässt sich sicherlich die „verschollene“ fünfte Pfalz der Würzburger Bischöfe greifen, die letztlich bis in die Jahrzehnte um 1400 genutzt wurde.
Aufgrund des völligen Fehlens von schriftlichen Quellen zeigen die Forschungen nahe Gerolzhofen geradezu exemplarisch, dass zuweilen nur die Archäologie in der Lage ist, wichtige Antworten zu historischen Fragestellungen zu liefern und, wie in diesem Fall, bislang völlig unbekannte Sachverhalte für die Entwicklung einer Siedlungskammer zu erschließen.
Es bleibt daher zu wünschen, dass die archäologische Forschung in und um Gerolzhofen auch in Zukunft fortgeführt wird!