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Buchnerpreiswürdiges Mittelalter

Die vom Lehrstuhl für Deutsche Philologie des Mittelalters und der Grundschule Bischberg 2013 durchgeführte "Projektwoche Mittelalter" hat den 2. Platz beim 7. C.C. Buchner-Preis erlangt!
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Eröffnung der BaGraMS/Konzert mit Peter Blaikner

Am Freitag, den 6.12.2013, findet die Eröffnung der Bamberger Graduiertenschule für Mittelalterstudien mit einem Konzert von Peter Blaikner statt.
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21.-23.11.2013: Tagung "Giovanni Boccaccio"

Italienisch-deutscher Kulturtransfer von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart
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Wann ist der Mann ein Mann?

Eröffnung der virtuellen Ausstellung „Rivalisierende Männlichkeiten“
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Fränkischer Tag (19.07.2013): "Mittelalter macht Schule"


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Gastprofessorin Prof. Dr. Evelyn Meyer

Frau Prof. Dr. Evelyn Meyer ist für ein Jahr in Bamberg als Gastwissenschaftlerin am Lehrstuhl für Deutsche Philologie des Mittelalters tätig.
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Ältere Meldungen des Lehrstuhls für Deutsche Philologie des Mittelalters und der Juniorprofessur für Germanistische Mediävistik
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Die Bildung des Futurs I

101

Besondere Verben

Sie sind das Sorgenkind jedes Sprachbenutzers, da man oft bis ins *Indoeuropäische

zurückgehen muß, um bei ihnen ein (meist recht kompliziertes)

Regelwerk zu erkennen.

Im allgemeinen ist es einfacher, die einzelnen Formen auswendig zu lernen.

Aber auch die Lektüre ahd. und mhd. Texte ist für ihre Kenntnis sehr nützlich.

1) Wurzelverben

Darunter versteht man solche Verben, die im *Indoeuropäischen über

kein stammbildendes Suffix verfügten. Das Flexiv trat deshalb unmittelbar

an den Wortstamm ('Wurzel') und ist im Laufe der Zeit mit

ihm verschmolzen. Daß gerade diese Wörter eine so starke Veränderung

erfahren haben, liegt wahrscheinlich daran, daß sie zu den am

häufigsten gebrauchten gehören (Hilfszeitwörter, Verben für elementare

Tätigkeiten).

'tun':

ahd. tuon, tuon - tëta - t$tum - git$n

mhd. tuon, tuo(n) - tet(e) - tâten - getân

'gehen':

ahd. g$n, g$n

g)n, g)n

gangan, gangu - giang - giangum - gigangan

mhd. gân, gâ(n) - gie - - gegân

gên, gê(n) - gie

- gienc - giengen - (ge)gangen

'stehen':

ahd. st$n, st$n

st)n, st)n

stantan, stantu - stuont - stuontum - gistantan

mhd. stân, stâ(n) - gestân

stên, stê(n)

- stuont - stuonden - gestanden

Zur Erklärung

Althochdeutsch:

102

Sowohl bei 'gehen' als auch bei 'stehen' existieren noch in ahd. Zeit jeweils zwei

Verben mit gleicher Bedeutung nebeneinander:

1) das jeweilige Wurzelverb (g$n /g)n; st$n / st)n),

2) jeweils ein regelmäßiges starkes Verb: gangan (Klasse VIIa) und stantan

(Klasse VI).

Während das starke Verb alle Formen in allen Zeitstufen bilden konnte, war das

Wurzelverb ausschließlich auf das Präsens beschränkt.

Mittelhochdeutsch:

In mhd. Zeit erweitert sich der Kompetenzbereich des jeweiligen Wurzelverbs:

1) 'gân' / 'gên' bzw. 'stân' / 'stên' verdrängten die Präsensformen der starken Verben

'stantan' bzw. 'gangan'.

2) Beide Wurzelverben entwickelten sogar ein eigenes Part. Prät: 'gestân' und

'gegân'.

3) 'gân' / 'gên' bildete darüber hinaus ansatzweise sogar ein eigenes finites Präteritum

(Ind. Sing.: 'gie').

Zur Erinnerung:

Finite Verbformen:

Alle Formen, die nach Tempus, Modus, Person und Numerus konjugiert

werden können.

Infinite Verbformen:

"Unbestimmte" Formen wie Infinitiv oder Partizip.

'sein':

ahd. s0n, bim / bin

wesan, wisu - was - w$rum30

mhd. sîn, bin - gesîn

wesen, (wise) - was - wâren - gewesen

nhd. sein, bin - war - waren - gewesen

Zur Erklärung

In der nhd. Konjugation von 'sein' überlagern sich zwei in ahd. Zeit noch getrennte

Verben:

1) Alle mit /w/ anlautenden Formen gehen zurück auf das regelmäßige starke

Verb 'wesan' (Ablautklasse V).

2) Das Wurzelverb 'sîn', in das seinerseits zwei indoeurop. Wurzelverben eingegangen

sind:

a) ie. Stamm *es- bzw. schwundstufig *s-: alle Formen, die mit 'i' oder

's' anlauten,

30 Das 'r' in ahd. 'warum' bzw. mhd. 'wâren', nhd. 'waren' ist aus 's' hervorgegangen und lautgesetzlich

korrekt (sog. 'Vernersches Gesetz', eine Ausnahmeregel zur 1. Lautverschiebung S.

115). Dagegen beruht die nhd. Form 'war' auf einer Analogie: Das 'r' der Pluralformen wurde

auf den Singular übertragen, um die Präteritalformen zu vereinfachen.

103

b) ie. Stamm *bheu- bzw. schwundstufig *bhu-: alle Formen, die mit 'b'

anlauten.

Das Wurzelverb ist im Mittelhochdeutschen nur noch im Präsens und im Part.

Prät. vertreten, im Neuhochdeutschen nur noch in den Formen des Präsens.

Übersicht über die Stammformen und den Indikativ Präsens von 'sein' im Neuhochdeutschen:

1)grün unterlegt: Formen, die auf 'wesan, wesen' zurückgehen;

2)gelb unterlegt: Formen des Wurzelverbs 's0n, sîn' mit dem ie. Stamm *es- / *s-;

3)orange unterlegt: Formen des Wurzelverbs 's0n, sîn' mit dem ie. Stamm

*bheu- / *bhu-.

Stammformen

Inf. Präs. 1. Sing. Ind.

Präs.

1. Sing. Ind.

Prät.

1. Plur. Ind.

Prät.

Part. Prät.

sein bin war waren gewesen

Indikativ Präsens

1. Sing. ich bin

2. Sing. du bist

3. Sing. er, sie es ist

1. Plur. wir sind

2. Plur. ihr seid

3. Plur. sie sind

2) Kontrahierte Verben im Mhd

Als kontrahierte Verben werden solche Verben bezeichnet, bei denen

zwei Vokale miteinander verschmolzen sind, nachdem der Konsonant,

der sie ursprünglich getrennt hatte, zwischen ebendiesen Vokalen ausgefallen

war.

Dazu gehören vor allem die Verben 'lân' ('lassen') und 'hân' ('haben), die im

Ahd. nur in den Langformen existieren und erst im Mhd. Kontraktionen entwickeln:

ahd. l$-a-an > l$- -an > mhd. lân;

ahd. ha-b-)n > ha- -)n > mhd. hân.

104

'lassen':

mhd. lân, lân - lie

(lâaen) - liea - lieaen - gelâaen

'haben':

mhd. hân, hân - hâte - hâten - gehât

(hæte)31 - (hæten)

(hêt(e)) - (hêten)

(het(e)) - (heten)

(hat(t)e) - (hat(t)en) - (gehat)

Daneben gibt es noch Einzelformen, die ebenfalls recht häufig in mhd. Texten

auftreten:

'du liegst': ligest > li- -est > lîst

'er liegt': liget > li- -et > lît

'du gibst': gibest > gi- -est > gîst

'er gibt': gibet > gi- -bet > gît

'du klagst': klagest > kla- -est > kleist

'er klagt': klaget > kla- -et > kleit

'du sagst': sagest > sa- -est > seist

'er sagt': saget > sa- -et > seit

'du trägst': tregest > tre- -est > treist

'er trägt': treget > tre- -et > treit.

3) Sonderfall: mhd. wellen: 'wollen'

Bei den Präterito-Präsentien lag die Besonderheit darin, daß lautgesetzlich korrekte

Präteritalformen präsentische Bedeutung annahmen und dann als neues

Präsens fungierten (altes Präteritum > neues Präsens). Stattgefunden hat damit

eine Tempusverschiebung.

Bei 'wellen' liegt eine Modusverschiebung vor, indem ehemals konjunktivische

Formen in den Indikativ wechseln.

Der Grund liegt in der Semantik von 'wellen', das in seiner Bedeutung eine stark

optativische Komponente besitzt ("Wunschcharakter").

mhd. wellen, wil(e) - wolte - wolten - gewell(

e)t

(wolde)32 - (wolden) - (gewöl(le)t).

31 Die in (...) geschriebenen Formen sind erneut Nebenformen, wie sie in den Texten vorkommen,

aber zusätzliche, nicht immer lautgesetzlich korrekte Elemente aufweisen (Umlaut, Vokalkürze).

32 Erneut Nebenformen, die im Sprachgebrauch belegt sind.

105

Anhang III, Flexion: Konjugation der 'unregelmäßigen' Verben im Mittelhochdeutschen,

S. 139.